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Langzeit-Forschungsvorhaben zur Eisenzeit im Baltikum bewilligt

Langzeit-Forschungsvorhaben zur Eisenzeit im Baltikum bewilligt

Minister Jost de Jager (2. v. r.) bei seinem Besuch in Schleswig mit den Vertretern des ZBSA, Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, PD Dr. Berit Eriksen und Dr. Timo Ibsen

Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung – Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum

Großer Erfolg für die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA). Die Forschungsinitiave des ZBSA im ehemailgen Ostpreußen, das heute in seinem nördlichen Bereich zum Kaliningrader Gebiet der Russischen Föderation gehört, im südlichen zu Polen, wird bis 2029 mit jährlich 345 000 Euro gefördert. Im Zuge des Projektes werden drei volle Wissenschaftler- und insgesamt 18 Doktoranden-Stellen finanziert.

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder hat am 7. November 2011 in Berlin das Akademienprogramm 2012 der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften  beschlossen. Das Programm dient der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes und ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland. Es wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert.
Der Akademie der Wissenschaften und der Literatur wurde u. a. das Langzeitvorhaben ›Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung – Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum‹ bewilligt.

Das ZBSA und die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel erhalten aus dem Akademieprogramm des Bundes und der Länder insgesamt über 11 Millionen Euro für zwei Forschungsvorhaben. Wie Wissenschaftsminister Jost de Jager sagte, belege die entsprechende Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz die Stärke der geisteswissenschaftlichen Forschung im Lande.  Das Gesamtvolumen des Akademieprogramms für 2012 umfasst bundesweit 54,4 Millionen Euro. Den einen Zuschlag erhielt das vom Land seit vier Jahren institutionell geförderte Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) von Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim für das Projekt „Forschungskontinuität und Kontinuitätsforschung –  Siedlungsarchäologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum“. Das Vorhaben wird mit einem jährlichen Gesamtetat von 345.000 Euro ausgestattet und hat eine Laufzeit bis 2029.
Nach den Worten des schleswig-holsteinischen Landesarchäologen von Carnap-Bornheim geht es dabei um die Wiederaufnahme einer vormals sehr erfolgreichen archäologischen Forschung in den ehemaligen ost- und westpreußischen Regionen. Mit territorialen Umstrukturierungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges und den kriegsbedingten Verlusten der Sammlungen und zugehörigen Dokumentationen war die archäologische Grundlagenforschung vor mehr als 60 Jahren im Kaliningrader Gebiet abrupt zum Erliegen gekommen. Erst seit Wiederentdeckung großer Teile der legendären Königsberger Prussia-Sammlung sowie den originalen Dokumentationen steht seit den 1990er-Jahren ein bislang unerschlossenes Datenarchiv wieder zur Verfügung.

Das bewilligte Akademie-Projekt ermöglicht es den beiden gleichberechtigten Antragstellern ZBSA und dem Museum für Vor-und Frühgeschichte Schloß Charlottenburg (Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz), die Forschungsergebnisse aus der deutschen Zeit und jene der russischen Kollegen der letzten Jahrzehnte zusammen zu führen und im Rahmen einer internationalen Kooperation auch anhand modernster Technologien die archäologische Geschichte dieser spannenden Kulturlandschaft fortzuschreiben. „Wissenschaftlern aus Schleswig ist es ab 2003 als ersten nicht russischen Archäologen überhaupt ermöglicht worden, zusammen mit russischen Fachkollegen am wikingerzeitlichen Fundplatz Wiskiauten die große Tradition der Siedlungsarchäologie fortzusetzen“, so von Carnap-Bornheim. Durch das Akademie-Projekt werden drei volle Wissenschaftler-Stellen finanziert und insgesamt 18 Doktoranden die Möglichkeit der wissenschaftlichen Ausbildung erhalten.
De Jager erinnerte daran, dass das Land im ersten Halbjahr 2012 beabsichtige, für das ZBSA einen Antrag zur Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft zu stellen. „Dafür ist eine erfolgreiche Mitwirkung an Akademievorhaben eine hervorragende Startposition“, so der Minister. Mit der Aufnahme durch die Leibniz-Gemeinschaft würde die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit des Instituts mit seiner überregionalen Bedeutung und für das gesamtstaatliche Wirken noch unterstrichen.

► Zum Bericht und Antrag als PDF

Bei dem zweiten Projekt handelt es sich um das Vorhaben „Residenzstädte im Alten Reich (1300 – 1800) – Urbanität im integrativen und konkurrierenden Beziehungsgefüge von Herrschaft und Gemeinde“ von CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet und den Professoren Olaf Mörke, Matthias Müller (Mainz) und Werner Paravicini. Der jährliche Gesamtetat bis 2026 beträgt 415.000 Euro. Das Vorhaben widmet sich der Erforschung von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Residenzstädten. Fouquet: „Ziel ist die Erarbeitung eines Handbuchs, das die Stadt- und Urbanisierungsgeschichte der Vormoderne auf eine neue Grundlage stellen wird.“

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