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Juli 2009: Neue Funde im Thorsberger Moor

Seit 2007 sind mehrere kleine Untersuchungen im Thorsberger Moor durchgeführt worden, welche auf die möglichst genaue Verortung der ehemaligen Grabungsflächen von 1858–1861 im heutigen Gelände zielten. Mit Hilfe von Vermessungen, taucherischen Untersuchungen, Pollenanalysen und einer digitalen Zusammenführung der Ergebnisse mit alten Karten, Katasterplänen und Skizzen des Ausgräbers Conrad Engelhardt gelang nicht nur dieses Vorhaben. Zudem konnte anhand von Bohrprofilen der Nachweis von unberührten (fundführenden?) Schichten gelingen, welche sich an die ehemaligen Grabungsflächen anschließen und denselben Aufbau zeigen, den bereits Engelhardt in seinen Grabungsschnitten beschrieb.

Die alten Grabungstagebücher belegen dabei technischen Schwierigkeiten, welche bei den archäologischen Arbeiten vor 150 Jahren auftraten und den Ausgräber vermutlich zwangen, Profilstege zwischen seinen tiefer gelegten Flächen stehen zu lassen oder teilweise vor Erreichen der fundsterilen Schichten das Abgraben abzubrechen. Nachgrabungen in dem ebenfalls durch Engelhardt bearbeiten Kriegsbeuteopferplatz Nydam, konnten diese Annahmen belegen und erbrachten auch in den alten bearbeiteten Flächen neue archäologische Funde.

Am 30. Juni und 01.Juli 2009 fand eine weitere Geländeaktion in dem nun als ehemaliger Grabungsbereich ausgewiesenen Areal statt. Ziel war es, auch hier Funde zu entdecken, welche in den damals bearbeiteten Flächen verblieben sind. Heute handelt es sich bei dem Thorsberger Moor um ein mit Wasser gefülltes Becken, die alten Grabungsflächen liegen über drei Meter unter der Wasseroberfläche und sind in den letzten 150 Jahren vermoddert, verkrautet und vertorft.
Zunächst wurde über den alten Grabungsflächen eine Schwimmplattform verankert, von dem aus ein ansonsten in der Unterwasserarchäologie eingesetzter Ejektor, bedient wurde. Dieser eigens für diese Arbeiten umgebaute und mit einer Feuerwehrpumpe zu betreibende Sauger pumpte das Sediment aus den alten Grabungsflächen in ein Schwimmsieb. Hier konnte direkt das angesaugte Sediment auf archäologische Funde untersucht werden – und bereits nach kurzer Zeit lag der eindeutige (und von den beiden Tagen zugleich schönste) Nachweis von im Moor verbliebenen Artefakten vor: Der Beschlag eines Pferdegeschirrs, welcher einem Set aus bereits acht derartigen Stücken aus den Altgrabungen zugeordnet werden kann! Innerhalb der zwei Tage wurden neben gut zwei Dutzend Fragmenten von Speer- und Lanzenschäften zudem ein bronzener Niet, vermutlich ebenfalls zu einem Pferdegeschirr gehörend, zwei Glieder eines Kettenhemdes und der Abschlussknopf eines Schwertgriffes sowie einzelne Keramikscherben „ersaugt“.
Zudem konnten an ausgewählten Stellen weitere Bohrkerne gezogen werden, welche bei der jetzt folgenden Auswertung nähere Informationen zur eisenzeitlichen Geländesituation und nähere Rückschlüsse zum Aufbau der Thorsberger Sedimentschichten geben werden. Besonders zu den naturräumlichen Gegebenheiten im Thorsberger Moor während der damaligen Opferungen sind bisher noch einige Fragen offen, doch auch diese werden in Zukunft nach und nach sicherlich geklärt werden können

Die Geländearbeiten stellten eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen dar. Unter der Leitung von Dr. Ruth Blankenfeldt waren hierbei Mitarbeiter und technische Mittel des ZBSA, des Archäologischen Landesmuseums Schleswig, des Archäologischen Landesamtes Schleswig und der Christian-Albrechts-Universität Kiel beteiligt.

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