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Ausgrabungen auf Gottorf: Fundamente eines bisher unbekannten Schlossturms entdeckt

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Ausgrabungen auf Gottorf: Fundamente eines bisher unbekannten Schlossturms entdeckt

Die Fundamente des neu entdeckten Turms an der Südwestfassade (Foto: Linda Hermannsen, ALSH).

Die Baugeschichte von Schloss Gottorf in Schleswig muss umgeschrieben werden. Bei Erdarbeiten zur Erneuerung von Versorgungsleitungen haben Wissenschaftler Fundamente und Mauerreste eines Schlossturms entdeckt. Dieses mächtige Bauwerk ist nach ersten Einschätzungen der Landesdenkmalpflege in die gleiche Bauzeit zu datieren wie der vorhandene markante Nordwest-Turm von Gottorf. Kein Kenner der Baugeschichte wusste bislang von diesem Turm (Durchmesser ca. 12,5 Meter). Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) unterstützt die Untersuchungen des Archäologischen Landesmuseums mit seiner Fachkompetenz vor allem im Bereich der digitalen Befundaufnahme.

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gibt es bildnerische Darstellungen von Schloss Gottorf, doch nie ist darauf ein Südwest-Turm zu sehen. Die älteste Sicht auf Schloss Gottorf stammt bekanntlich aus der Feder von Georg Braun und Franz Hogenberg aus dem Jahr 1584. "Eine echte Sensation", urteilte am Freitag nach der Entdeckung des Fundaments und der Mauerreste der Leitende Direktor der Stiftung Schloss Gottorf, Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim. "Als Archäologe überrascht mich eine solche Entdeckung nicht, mit so etwas muss man immer rechnen, denn ein Bau wie Gottorf ist doch für seine unzähligen Überraschungen bekannt. Aber es freut mich natürlich wahnsinnig, dass wir nun einen weiteren Turm entdeckt haben und wir die Reste ein Stück weit zum Zweck der Dokumentation freilegen können", so Carnap-Bornheim.
Doch bereits Dienstagabend, also weniger als eine Woche nach dem Auffinden, werden die Spuren der frühen Gottorfer Baugeschichte wieder unsichtbar gemacht - und mit Sand und Pflastersteinen bedeckt. Im Moment fehlt der Stiftung Schloss Gottorf ein zusammenhängendes Konzept für die Sichtbarmachung der Schlossgeschichte und letztlich für einzelne Maßnahmen auch das Geld.

► Zum Bericht auf der Homepage des NDR 

 

Zur Geschichte:

Schloss Gottorf, heute Sitz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, ist ein wichtiger Ort der nordeuropäischen Geschichte. Wegen seiner besonderen Vergangenheit und verfassungsrechtlichen Stellung stellte das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf über Jahrhunderte ein zentrales Verbindungsglied zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Dänemark dar. Auf Grund seiner geographischen Lage und politischen Funktion spiegelt Schloss Gottorf diese Brückenfunktion zwischen Mitteleuropa und Skandinavien in seiner Baugeschichte wider. Sie gibt seit dem späten Mittelalter Zeugnis von einer mehr als 800 jährigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Gottorf ist seit 1161 urkundlich belegt, seit 1168 ist die Wasserburg im Besitz der Schleswiger Herzöge. In der Folge, vor allem unter Waldemar, beginnt der Ausbau zu einer befestigten Burg mit einem Ringwall, der partiell bis heute erhalten ist. Der Umbau der mittelalterlichen Burg Gottorf zum Residenzschloss der Renaissance geht wesentlich auf Friedrich I. zurück, Herzog von Schleswig, der 1523 zugleich dänischer König wird. Auch nach seiner Krönung residierte er häufig auf Gottorf. Er ließ um 1500 die „Gotische Halle“ errichten, die beim Umbau des Südflügels um 1700 erhalten blieb. Sie zählt zu ältesten erhaltenen Sälen des Schlosses und beherbergte im 17. Jahrhundert die berühmte Bibliothek der Gottorfer Herzöge, die auf mehr als 10.000 Bände angewachsen war und im Norden zu den größten ihrer Zeit zählte. Sie befindet sich heute in Kopenhagen.

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