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Vladimir Salač als Humboldt-Preisträger am ZBSA

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Vladimir Salač als Humboldt-Preisträger am ZBSA

Der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Prof. Helmut Schwarz (links), überreicht Vladimir Salač die Urkunde (Foto: Humboldt Foundation/Albrecht G.W. Barthel).

Am 21. März 2014 überreichte der Präsident der Alexander von Humboldt Stiftung, Prof. Helmut Schwarz, dem Archäologen PhDr. Vladimir Salač aus Prag den Reimar-Lüst-Preis in Bamberg.

Der Reimar-Lüst-Preis für internationale Wissenschafts- und Kulturvermittlung, finanziert aus Mitteln der Fritz Thyssen-Stiftung, wird als Anerkennung für Verdienste der internationalen Zusammenarbeit innerhalb der Geisteswissenschaften verliehen und ermöglicht Vladimir Salač nun einen längeren Forschungsaufenthalt in Schleswig. Hier wird er sich mit den Charakteristika keltischer Oppida im Vergleich mit den wikingerzeitlichen, slawischen und karolingischen Burgwällen beschäftigen. Salač ist leitender Wissenschaftler im Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften in Prag.

 Vladimir Salacs Gattin Helena Salacova in Berlin beim Empfang des Bundespräsidenten für die Humboldt-Preisträger im Juni 2014

Vladimir Salačs Gattin Helena Salačova beim Empfang des Bundespräsidenten für die Humboldt-Preisträger in Berlin, Juni 2014.

 

Zu seinen Forschungen schreibt Vladimir Salač:

"Ich beschäftige mich mit den Anfängen der europäischen Urbanisation nördlich der Alpen. Für die älteste Städte werden hier die keltischen Oppida aus dem 2.–1. Jh. v. Chr. gehalten. 1981 gelang es mir, eine unbefestigte, dutzende Hektar einnehmende Siedlung mit zahlreichen Belegen des Handwerks und Handels in Lovosice (NW-Böhmen) auszugraben. Diese Aktivitäten waren bis dahin nur für die Oppida angenommen worden. Die Lovosicer Siedlung wurde als Produktions- und Distributionszentrum bezeichnet (PDZ). Später sind andere PDZ in Europa entdeckt worden, und heute steht fest, dass sie einen festen Bestandteil der keltischen Siedlungsstruktur darstellen. Bei der Auswertung dieser Zentren hat sich gezeigt, dass ihre Einwohnerkonzentration, Wirtschaftsaktivitäten sowie Organisation der Bebauung und Lage im Terrain den Vorstellungen über die Stadt besser entsprechen als die Oppida. Heute ist anerkannt, dass für die Entwicklung der Gesellschaft gerade die Konzentration der Einwohner und Produktion in der Siedlung viel wichtiger sind als das äußere Aussehen einer solchen Siedlung. Die Ausgrabungen in Oppida zeigen übrigens, dass ihre Areale oft eine dichte Besiedlung vermissen lassen. Heute setzt sich die Ansicht durch, dass schon die PDZ die Hauptcharakteristika der Städte aufweisen, wobei sie mindestens 100 Jahre älter sind als die Oppida. Die PDZ befinden sich in der Regel unterhalb der heutigen Städte – z.B. Bratislava, Straubing und Basel. Dagegen liegen die Oppida auf den heute wüsten Bergen, denn ihre Lagen sind für eine Stadt ungeeignet. Während die Zentren also ein wichtiges Element der europäischen Urbanisation darstellen, bilden die keltischen Oppida deren Sackgasse. Nun muss für die Oppida eine neue Interpretation gesucht werden. Deshalb habe ich eine Analyse unter militärisch-strategischem Aspekt vorgenommen. Im Bereich Böhmens kommt überraschenderweise zum Vorschein, dass sich die Oppida auch in dieser Richtung von den Befestigungen aus anderen Zeitabschnitten deutlich unterscheiden, und ihre Funktion erscheint noch weniger verständlich. Sie weisen ja selbst als Befestigungen wesentliche strategische Mängel auf. Mein Aufenthalt im Archäologischen Zentrum in Schleswig im Rahmen des Reimar-Lüst-Preises wird es ermöglichen, die Charakteristika keltischer Oppida mit den wikingischen, slawischen und karolingischen Burgwällen zu vergleichen. Dieser Vergleich kann wesentliche Erkenntnisse für die europäische Archäologie erbringen."

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