Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge

Wikingerzeitlicher Herrschersitz in Birka in Schweden entdeckt

— abgelegt unter:

Wikingerzeitlicher Herrschersitz in Birka in Schweden entdeckt

Rekonstruktionszeichnung der wikingerzeitlichen Phase des Herrschersitzes mit Langhaus und Kultbezirk. Links am Bildrand die verfallene Hausterrasse des Vorgängerbaus aus der Merowingerzeit, im Hintergrund das Handelszentrum Birka. Zeichnung: J. Vincent

Seit Jahrhunderten wurde bereits darüber spekuliert, wo der Herrschersitz des königlichen Statthalters von Birka, Herigar, gelegen haben könnte. Aktuelle geophysikalische Untersuchungen belegen nun, dass sich dieser in der Hafenbucht Korshamn im Schatten des Stadtwalles der wikingerzeitlichen Handelsmetropole Birka befunden hat. Die Ergebnisse werden nun in der internationalen Fachzeitschrift „Archäologisches Korrespondenzblatt“ vorgelegt.

Im Frühling 2016 konnte eine große Zahl möglicher Hausterrassen in Birka-Korshamn durch die Verfasser identifiziert werden, woraufhin noch im September an dieser Stelle hochauflösende geophysikalische Untersuchungen mit Hilfe von Bodenradarmessungen durchgeführt wurden. Birka 2017 1

Korshamn, außerhalb der Stadtgrenzen der wikingerzeitlichen Handelsstadt Birkas gelegen, ist einer der Haupthafenbuchten der Insel Björkö im Mälarsee im östlichen Mittelschweden. Die Untersuchungen vor Ort belegen eine mächtige wikingerzeitliche Halle von zirka 40 Metern Länge. Anhand des Regressionsverlaufes des Mälarsees lässt sich diese vorläufig in die Zeit nach um 810 n.Chr. einordnen. Mit dem Hallenbau selbst war einst eine große eingezäunte Fläche verbunden, welche sich in Richtung Hafenbecken erstreckte.

Abb 1: Birka. Die Insel Björkö mit Ortsnamen, Befestigungen (grün), Grabhügeln (blau) und Ausgrabungsflächen (gelb). Das Siedlungsareal der Handelsstadt Birka („svarta jorden“ = Schwarze Erde) befindet sich, ehemals vollständig von einem Halbkreiswall umschlossen, im linken oberen Bildausschnitt. Die Hafenbucht von Korshamn befindet sich im oberen Bildzentrum. Kartierung: Sven Kalmring.

„Diese Art von wikingerzeitlichen Hochstatusmilieus konnte bislang nur an sehr wenigen Plätzen Südskandinaviens beleget werden, darunter in Tissø und Lejre in Dänemark. Bekannt ist, dass gerade die umzäunten Bereiche dieser Herrenhöfe mit religiösen Aktivitäten verbunden waren“ sagt Dr. Johan Runer, Archäologe am Landesmuseum Stockholm.

 

Birka 2017 2

Abb. 2 – Birka-Korshamn. Kontouren der großen wikingerzeitliche Halle im Messbild des Georadar. [OHNE UMZÄUNTEN KULTBEZIRK] Kartierung: Andreas Viberg.


Birka 2017 3

 

Abb. 3 – Birka-Korshamn. Interpretation der großen wikingerzeitlichen Halle auf Grundlage der Georadar-Messungen mit dem rechtwinklig anschließenden Kultbezirk. Kartierung: Andreas Viberg.

Während der Feldforschungen wurde auch ein Vorgänger des wikingerzeitlichen Herrschersitzes identifiziert: Ein weiteres Hochstatusmilieu, dass schon während der Merowingerzeit bestand und somit bereits vor der Entstehung der wikingerzeitlichen Frühstadt Birka selbst vor Ort existierte.

Sowohl diese Art der beiden Strukturen selbst sowie deren chronologische Tiefe korrelieren deutlich mit dem bei Rimbert in der Vita des heiligen Ansgar bezeugten Erbgut des königlichen Statthalters Herigar. Letzterer wurde von Ansgar, Erzbischof von Hamburg-Bremen, bei seiner ersten Missionsreise nach Birka in Jahre 830 getauft und gestattete gar den Bau einer ersten Kirche auf seinem Grund und Boden.

Ansgar

Abb. 4: Sankt Ansgar-Statue auf der Trostbrücke am Nicolaifleet in Hamburg.

„Für die Forschung können die Konsequenzen dieser Entdeckung gar nicht überschätzt werden: In Bezug auf die Entstehung der Handelsstadt Birka, deren königliche Administration und letztendlich für die frühe christliche Missionierung Skandinaviens selbst“, urteilt Dr. Sven Kalmring, Forscher am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig.

“Die Ergebnisse unterstreichen den Wert von zerstörungsfreien geophysikalischen Untersuchungen bei der Lokalisierung archäologischer Befunde und erweisen sich wieder einmal als unschätzbares Werkzeug für die Dokumentation eisenzeitlicher Baustrukturen in Skandinavien“, unterstreicht Dr. Andreas Viberg, Forscher am Archäologischen Forschungslabor der Universität Stockholm.

Die Ergebnisse werden nun in der Ausgabe 1/2017 in der internationalen Fachzeitschrift „Archäologisches Korrespondenzblatt“ veröffentlicht. In der pre-print Version können sie bereits jetzt hier heruntergeladen werden [LINK PDF].

Die Forschungsarbeiten werden als Kooperation zwischen dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, dem Stockholmer Landesmuseum und dem Archäologischen Forschungslabor der Universität Stockholm durchgeführt.

 

>>> Zum Presseartikel im shz

Artikelaktionen