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Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie

Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen
Schloss Gottorf
D-24837 Schleswig

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August

Die Tierknochen-Vergleichssammlung der Archäologisch-Zoologischen Arbeitsgruppe

 

Die Untersuchung von Tierresten aus archäologischen Grabungen hat in Schleswig eine lange Tradition. Aus der in den 1960er Jahren gemeinsam mit der Kieler Uni gegründeten Archäologisch-Zoologischen Arbeitsgruppe (AZA) sind bis heute mehr als 400 Publikationen hervorgegangen, und viele Dutzend Studierende der Fächer Zoologie oder Ur- und Frühgeschichte erarbeiteten sich im Schleswiger Labor mit seiner großen und übersichtlichen Vergleichssammlung im Laufe der Jahre ihre Abschlüsse.

Schädel

Foto: Björn-Henning Rickert

Die Vergleichssammlung , die über 1.200 Skelette, davon allein 600 Fisch- und 400 Vogelskelette umfasst, ist die Grundlage für die archäozoologischen Analysen in zahlreichen Forschungsprojekten des ZBSA. Die Fragestellung kann dabei sehr unterschiedlich sein. Ein Forschungsgebiet sind paläoökologische Untersuchungen, also die Rekonstruktionen früherer Landschaften und Umwelten. Die meisten Tierarten sind an bestimmte Umweltbedingungen angepasst und benötigen spezielle Voraussetzungen, um in einer bestimmten Region leben zu können. Gelingt der Nachweis einer Tierart im archäologischen Fundmaterial einer Siedlung, ist dies ein Indikator dafür, dass diese speziellen Voraussetzungen in der Umgebung der Siedlung, zumindest aber im Aktionsradius der dortigen Menschen, vorlagen. Über die Indikatorwirkung aller an einem Ort nachgewiesenen Tierarten kann letztlich und zum Teil oft detailliert, ein Bild der früheren Siedlungsumgebung rekonstruiert werden. Zurzeit sind es oft solche paläoökologischen Studien, die am ZBSA eine wichtige Rolle spielen.

Ein weiterer wichtiges Aspekt archäozoologischer Forschung resultiert aus der Tatsache, dass die meisten Tierknochen, die von Archäologen bei ihren Ausgrabungen entdeckt werden, Schlacht- und Speiseabfälle sind. Erkennbar sind Schlacht- und Speisereste an Spuren, die beim Zerteilen des Tierkörpers mit dem Beil , dem Portionieren der Körperteile auf Kochtopfgröße und dem Abtrennen des Fleisches von den Knochen mit dem Messer hinterlassen werden. Die Analyse solcher Knochen erlaubt nicht nur die Beantwortung der Frage, welche Tierarten von den Menschen zu einer bestimmten Zeit genutzt wurden, sondern gibt auch Hinweise auf den vorrangigen Nutzungszweck einzelner Alten und zur Bedeutung von Jagd und Fischerei in einer Gesellschaft. Am ZBSA untersuchen wird gerade die Bedeutung von Jagd besonders intensiv, denn besonders die Veränderung der Motive für die Jagd haben sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt.

Zwar beruht archäozoologische Arbeit auch im 21. Jahrhundert auf einer möglichst umfassenden Vergleichssammlung, doch wird die morphologische Analyse von Tierknochen heute von mehreren weiteren Methoden ergänzt und unterstützt. Ganz wichtige Erkenntnisse liefert die archäogenetische Untersuchung des Erbmaterials, das sich in Spuren selbst in Jahrtausende alten Knochen und Zähnen noch extrahieren lässt, und Artbestimmungen, Aufschlüsse über die Abstammung und über Verwandtschaftsbeziehungen ermöglicht. Das Verhältnis bestimmter Isotope in den Knochen erlaubt Rückschlüsse auf die Nahrungszusammensetzung von Tieren und zum Teil auch über deren regionale Herkunft. Auch die Untersuchung der Reste von Fett- oder Aminosäuren gewinnt immer mehr Bedeutung.

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