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<oembed><version>1.0</version><provider_name>Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA)</provider_name><provider_url>http://zbsa.eu/en</provider_url><author_name>Matthias Bolte</author_name><author_url>http://zbsa.eu/en/author/matthias-bolte/</author_url><title>M&#xE4;rz 2021 - Zentrum f&#xFC;r Baltische und Skandinavische Arch&#xE4;ologie (ZBSA) &#x2014; Zentrum f&#xFC;r Baltische und Skandinavische Arch&#xE4;ologie</title><type>rich</type><width>600</width><height>338</height><html>&lt;blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="OVALubD6mO"&gt;&lt;a href="http://zbsa.eu/en/maerz-2021/"&gt;March 2021&lt;/a&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;iframe sandbox="allow-scripts" security="restricted" src="http://zbsa.eu/en/maerz-2021/embed/#?secret=OVALubD6mO" width="600" height="338" title="&#x201C;M&#xE4;rz 2021&#x201D; &#x2014; Zentrum f&#xFC;r Baltische und Skandinavische Arch&#xE4;ologie (ZBSA) &#x2014; Zentrum f&#xFC;r Baltische und Skandinavische Arch&#xE4;ologie" data-secret="OVALubD6mO" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no" class="wp-embedded-content"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;script type="text/javascript"&gt;
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&lt;/script&gt;</html><description>Braunb&#xE4;r und Mensch &#x2013; Stimmungsbilder einer Jahrtausende langen Beziehung Ulrich Schm&#xF6;lcke Braunb&#xE4;ren sind die gr&#xF6;&#xDF;ten Lands&#xE4;ugetiere Europas und gleichzeitig f&#xFC;r den Menschen zumindest potenziell gef&#xE4;hrlich. Es ist daher wenig erstaunlich, dass sich zwischen beiden Arten &#x2013; Mensch und B&#xE4;r &#x2013; sehr spezielle, wechselvolle Beziehungen entwickelten. Im Rahmen des Forschungsschwerpunkt &#x201E;Jagd- und Fischereigeschichte&#x201C; erforschen wir am ZBSA gemeinsam mit Forschenden anderer Disziplinen unterschiedliche Aspekte dieser Verh&#xE4;ltnisses. Dabei &#xFC;berspannen wir 15 Jahrtausende und den gesamten nordeurop&#xE4;ischen Raum.B&#xE4;ren leben heute in freier Wildbahn in mehreren Nachbarstaaten, in Deutschland aber hat das erste Tier, das sich 2006 fast 250 Jahre nach dem Aussterben der Art zu uns verirrte, nur wenige Wochen &#xFC;berlebt. Als Stofftier oder auf Flaggen und Wappen sind Braunb&#xE4;ren bei uns gern gesehen, in der Natur jedoch eher weniger.Die offenbar in Deutschland weiterhin tief verwurzelte Furcht vor dem B&#xE4;ren ist uralt und spiegelt sich sogar in seinem Namen: In fast allen indoeurop&#xE4;ischen Sprachen geht der Name der Tiers auf einen Wortstamm zur&#xFC;ck, der &#x201A;Brauner&#x2018; oder &#x201A;braunes Tier&#x2018; bedeutet. Durch Gebrauch solcher Metonyme vermeidet man, den Namen eines potentiell gef&#xE4;hrlichen oder gef&#xFC;rchteten Wesens explizit auszusprechen. In der Vorstellung der (pr&#xE4;historischen) Menschen wird sich ein B&#xE4;r, der h&#xF6;rt, dass Menschen &#xFC;ber &#x201A;den Braunen&#x2018; sprechen, nicht angesprochen f&#xFC;hlen und einfach weiter seines Weges gehen. Als Teil unserer B&#xE4;renforschung haben wir in den letzten Monaten unter anderem die Geschichte des Braunb&#xE4;ren im norddeutschen Tiefland untersucht. Es zeigt sich, dass sich hier die Bedeutung und Relevanz des B&#xE4;ren seit den Steinzeiten mehrfach und grundlegend ge&#xE4;ndert hat. Die Seltenheit von B&#xE4;renresten in mesolithischen und neolithischen Knochenfunden deutet darauf hin, dass die steinzeitlichen Menschen kein Interesse an der B&#xE4;renjagd hatten, weder aus spirituellen noch aus profanen Gr&#xFC;nden. Sp&#xE4;ter dagegen, in der vorr&#xF6;mischen und r&#xF6;mischen Eisenzeit, finden wir B&#xE4;renklauen recht regelm&#xE4;&#xDF;ig in Bestattungskontexten. Hier zeigt sich eine neue Rolle, m&#xF6;glicherweise als Mediator zwischen Diesseits und Jenseits, und die hatte nicht nur eine kulturelle und religi&#xF6;se Bedeutung, sondern muss auch eine gr&#xF6;&#xDF;ere Nachfrage nach B&#xE4;renprodukten und eine damit eine verst&#xE4;rkte Jagd ausgel&#xF6;st haben. Noch ist Spekulation, ob diese Jagd nur bestimmen Bev&#xF6;lkerungsgruppen vorbehalten war und ob sie im Vorfeld oder Nachgang spezielle Rituale erforderte. Beides kennen wir aus der Ethnologie.W&#xE4;hrend der r&#xF6;mischen Kaiserzeit kann man vermuten, dass die Jagd auf Wildtiere generell von h&#xF6;chst untergeordnetem Interesse war. Die Konstanz der B&#xE4;renfunde auf arch&#xE4;ologischen Fundpl&#xE4;tzen aus ist in dieser Zeit sehr niedrig, was zeigt, dass B&#xE4;renjagd definitiv nicht &#xFC;blich war. Dies gilt vor allem f&#xFC;r die westliche H&#xE4;lfte des norddeutschen Tieflandes, w&#xE4;hrend &#xF6;stlich der Elbe die B&#xE4;renfunde regelm&#xE4;&#xDF;iger sind. R&#xFC;ckschl&#xFC;sse auf die Verbreitung von B&#xE4;ren im mitteleurop&#xE4;ischen Tiefland w&#xE4;hrend der r&#xF6;mischen Eisenzeit sind schwierig. Bemerkenswert ist jedoch, dass in Norddeutschland alle Nachweise aus dem fraglichen Zeitraum &#xF6;stlich einer Linie Flensburg &#x2013; Hildesheim stammen. Vieles deutet darauf hin, dass B&#xE4;ren im Westen schon l&#xE4;nger zumindest ausgesprochen selten waren. Auch im Fr&#xFC;hmittelalter finden wir in der Verteilung der B&#xE4;renreste in der norddeutschen Tiefebene eine deutliche Unterscheidung zwischen Nord und S&#xFC;d, Ost und West. W&#xE4;hrend im Gebiet der D&#xE4;nen, Franken und Sachsen nur eine einzige arch&#xE4;ologische Ausgrabung (Haithabu) B&#xE4;renknochen erbracht hat, gibt es im slawischen Siedlungsraum 13 Nachweise. Rechnerisch erbringen damit im Westen etwa 2 Prozent der Ausgrabungsstellen B&#xE4;renreste, im Osten sind dies 30. Es ist h&#xF6;chst bemerkenswert, dass sich unter den Zehn- oder gar Hunderttausende von Tierresten auf fr&#xFC;hmittelalterlichen Handels- und Marktpl&#xE4;tzen oft kein einziger Beleg f&#xFC;r einen B&#xE4;ren findet. Entweder waren Braunb&#xE4;ren bereits aus dem ganz westlichen Teil des deutschen Tieflandes verschwunden, oder die Jagd auf B&#xE4;ren hatte f&#xFC;r die Slawen eine besondere Bedeutung. Sicherlich kann beides zutreffen. Eine Konstanz von 30 Prozent ist der h&#xF6;chste Wert, der in Norddeutschland f&#xFC;r eine Epoche oder Region berechnet werden kann, und allein diese Tatsache deutet auf einen besonderen sozialen Kontext des B&#xE4;ren oder eine besondere Funktion der B&#xE4;renjagd hin. Die Gr&#xFC;nde f&#xFC;r eine solche regelm&#xE4;&#xDF;ige B&#xE4;renjagd in einer Gesellschaft k&#xF6;nnen vom Viehschutz bis hin zu verschiedenen Arten von sozialen Ritualen reichen. Die Hintergr&#xFC;nde des Ph&#xE4;nomens konnten bis heute nicht beleuchtet werden, aber da die B&#xE4;renreste ausschlie&#xDF;lich aus Siedlungskontexten und nicht aus Gr&#xE4;bern stammen, gibt es zumindest keine Hinweise auf die Bedeutung des B&#xE4;ren in Bestattungspraktiken. Diese St&#xE4;tten geh&#xF6;rten zu den wichtigsten slawischen Befestigungsanlagen der damaligen Zeit und waren zugleich Adelssitze.Das Verschwinden der Art erfolgte in Norddeutschland also sukzessive von West (wohl bereits im Neolithikum) nach Ost (Neuzeit). Es f&#xFC;hrte &#xFC;ber schrumpfende zu fragmentierten Reliktpopulationen, zuerst lokal, sp&#xE4;ter regional. Kleine Tierbest&#xE4;nde ohne Kontakt zu Nachbarpopulationen sind &#xFC;beraus anf&#xE4;llig gegen St&#xF6;rungen, und besonders Raubtierarten mit geringer Fortpflanzungsrate sind dabei gef&#xE4;hrdet. Oft braucht es dann nur die Zunahme eines negativen Faktors, um die gesamte Population in eine Situation zu bringen, in der ein Weiterbestand nicht mehr m&#xF6;glich ist. Neben Landschaftsver&#xE4;nderungen beeinflussten auch die Zunahme der menschlichen Bev&#xF6;lkerung und sp&#xE4;ter die Jagd mit Schusswaffen das Vorkommen von Braunb&#xE4;ren in Norddeutschland sehr negativ. Beginnend mit der Christianisierung, vor allem dann im Sp&#xE4;tmittelalter und der fr&#xFC;hen Neuzeit wurden B&#xE4;ren au&#xDF;erdem gezielt verteufelt, und &#xE4;hnlich wie bei W&#xF6;lfen gab es offizielle Anordnungen, sie als universelle Sch&#xE4;dlinge zu t&#xF6;ten. Es war schlie&#xDF;lich das Ergebnis dieser intensiven Verfolgung, dass B&#xE4;ren auch ihr letztes Refugium im Westen der mitteleurop&#xE4;ischen Tiefebene, in Pommern, verloren. Als seltene Einzelg&#xE4;nger &#xFC;berlebten sie zumindest im Baltikum. Erst in den letzten Jahrzehnten ist in mehreren europ&#xE4;ischen Regionen ein Comeback zu beobachten, teilweise gef&#xF6;rdert durch Artenschutzprogramme. Sie sind das Ergebnis einer sich langsam erneut ver&#xE4;ndernden Haltung des Menschen gegen&#xFC;ber dem B&#xE4;ren. Diese im Vergleich zur fr&#xFC;hen Neuzeit entspanntere Haltung hat sich in Skandinavien, Polen und Teilen des Baltikums schon weitgehend durchgesetzt, die deutsche Gesellschaft tut sich hier wesentlich schwerer.</description><thumbnail_url>https://zbsa.eu/wp-content/uploads/2021/03/braunbaer.jpg</thumbnail_url></oembed>
