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Bewilligte Projekte SPP Häfen

DFG Schwerpunktprogramm – SPP 1630 „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ Zur Archäologie und Geschichte regionaler und überregionaler Verkehrssysteme, Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Dr. Suzana Matešić

Im April 2011 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Schwerpunktprogramm (SPP) mit dem Thema „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter. Zur Archäologie und Geschichte regionaler und überregionaler Verkehrssysteme“ eingerichtet.

SPP LogoNach der Frist für die Einreichung von Anträgen bei der DFG für die erste dreijährige Förderperiode bis Ende Oktober 2011, erfolgte erst mit den Bewilligungsschreiben der DFG zu Sachbeihilfen für Einzelprojekte im Rahmen des SPP 1630 der eigentliche Start am 27. Juni 2012.

Im Rahmen dieses SPP werden sich in den kommenden zweimal drei Jahren rund 60 Wissenschaftler/innen in 15 wissenschaftlichen Einzelprojekten der interdisziplinären Erforschung des Phänomens Hafen widmen. Ergänzend dazu wurde ein weiteres Projekt für die Koordination des Schwerpunktprogramms unter Beteiligung des ZBSA in Schleswig eingerichtet.

Außerdem ist das ZBSA auch beteiligt an dem Projekt „HaNOA: Häfen im Nordatlantik/Harbours in the North Atlantic (800–1300 AD)“, welches das Ziel verfolgt, die Rolle von Häfen innerhalb des wikingerzeitlichen Besiedlungs- und Kolonisationsprozesses im Nordatlantik zu untersuchen.

Das zweite Forschungsprojekt mit Beteiligung des ZBSA „Das Leiruvogur Hafen Forschungsprojekt“ fokussiert im Gegensatz dazu auf den Hafen, der aus isländischen Familiensagas gut bekannt ist und deren im Hinterland liegende Hofstellen durch archäologische Feldforschungen als Wohnsitze der Häuptlinge von Mosfell identifiziert werden konnten.

Die große Interdisziplinarität des SPP zeigt sich jedoch besonders deutlich bei den Forschungsfragen der Einzelprojekte. Die klassische und provinzialrömische Archäologie, unterstützt durch historische und naturwissenschaftliche Disziplinen, werden im SPP vertreten durch das Projekt „Effizienz und Konkurrenz“, welches die funktionale Beschaffenheit von italischen Hafenstädten und ihren Anlagen in der mittleren römischen Kaiserzeit analysieren wird sowie das Projekt „Bilder und Vorstellungen römischer Hafenanlagen“, welches sich der gattungsübergreifenden Dokumentation und kontextualisierten Analyse römischer Hafendarstellungen widmen wird. „Der Flusshafen von Ostia“ wird daneben ebenso Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen werden wie „Der Rhein als europäische Verkehrsachse“.

Mit dem Projekt „Die thrakische Hafenstadt Ainos in römischer und byzantinischer Zeit – Entwicklung eines Verkehrsknotens in einer sich wandelnden Umwelt“ soll unter anderem der Frage nach der strategischen und logistischen Bedeutung des an der Mündung des weit schiffbaren Flusses Hebros in die Nordägäis gelegenen Hafens von Ainos nachgegangen werden. Zudem erfolgt mit diesem Projekt ein Brückenschlag zur Byzantinistik, welche noch mit zwei weiteren Projekten im SPP vertreten ist.

Das Projekt „Die Häfen und Landeplätze an den Balkanküsten des byzantinischen Reiches (4.12. Jh.)“ wird sich neben Fragen zu Technologie und Monumenten vor allem auch denjenigen zu Wirtschaft und Kommunikation widmen. Das historisch auf Quellenauswertung basierende Projekt „Hafenverwaltung im Byzantinischen Reich (7.–11. Jh.)“ wird ergänzend dazu die administrative Struktur, die Organisation des Beamtenapparates und die Funktionalität byzantinischer Seehäfen untersuchen.

Neben diesen aufgeführten Projekten, die zumeist an Meeresküsten gelegene Häfen zum Gegenstand haben, werden im SPP jedoch auch Flusshäfen näher betrachtet, wie etwa im Projekt „Studien zu den Binnenhäfen im fränkisch-deutschen Reich als Knotenpunkte europäischer Kommunikationsnetzwerke (500–1250)“. Ein weiteres Projekt zum Karlsgraben, der „Fossa Carolina: Bindeglied der Hafennetzwerke an Rhein und Donau“ wird sich darüber hinaus mit Fragen zur Überwindung der Europäischen Hauptwasserscheide im Mittelalter auseinandersetzen.

Drei weitere Projekte beschäftigen sich mit der Erforschung der norddeutschen Küsten. In diesem Rahmen werden „Gewerbewurten und Geestrandhäfen – mittelalterliche Handelshäfen an der deutschen Nordseeküste“, „Häfen als Siedlungsfaktoren zwischen Römischer Kaiserzeit und Mittelalter im Bremer Becken“ sowie „Frühmittelalterliche Häfen zwischen Wismar Bucht und Danziger Bucht“ näher betrachtet werden.

Das „Geophysikalisches Zentralprojekt“ ergänzt die genannten Projekte nicht nur um die naturwissenschaftliche Komponente, sondern wird basierend auf Feldforschung auch methodische Grundlagenforschung leisten sowie die Entwicklung neuer Geräte vorantreiben.

Die Stärke des SPP zeichnet sich nicht nur durch ein weiträumig angelegtes Forschungsgebiet aus, welches von Island bis zur Ägäis reicht, sondern auch durch zeitlich mehrere Epochen abdeckende und methodisch vielfältig angelegte Forschungsprojekte, die eine hochgradige Interdisziplinarität bewirken. Daher strebt das SPP an, die kleinräumige Analyseebene zu verlassen und in einer übergeordneten Vergleichsanalyse Häfen als hoch-komplexe Systeme zu begreifen, indem deren systemrelevante Komponenten definiert und analysiert werden.

Im Fokus der wissenschaftlichen Analyse stehen neben der Etablierung einer einheitlichen Terminologie und Klärung der Wechselwirkungen zwischen Topographie und Hafenbau vor allem die Bewertung von umwelt-geschichtlichen Implikationen sowie die Analyse von Wirtschafts- und Verkehrsräumen, welche schließlich in der Erstellung von kulturgeschichtlichen Entwicklungsmodellen resultieren sollen.

Weitere Informationen zum Schwerpunktprogramm „Häfen“ können der Internetseite des SPP 1630 entnommen werden: www.spp-haefen.de.

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