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Goldhalskragen: Die Macht der Tiere

PD Dr. phil. habil. Alexandra Pesch

Bandleibtier, Färjestaden

Die drei berühmten schwedischen Goldhalskragen (Gullhalskragarna) von Ålleberg, Färjestaden und Möne wurden von 2009 bis 2015 als Kooperationsprojekt zwischen dem RGZM (Maiken Fecht, Dieter Quast) und dem ZBSA in Schleswig sowie in Zusammenarbeit mit Jan Peder Lamm und Kristina Lamm (Stockholm) und Barbara Armbruster (Toulouse) untersucht. 2015 wurden die Forschungen mit einer Publikation abgeschlossen:

Alexandra Pesch, Die Kraft der Tiere. Völkerwanderungszeitliche Goldhalskragen und die Grundsätze germanischer Kunst. Unter Mitarbeit von Jan Peder Lamm, Maiken Fecht und Barbara Armbruster (Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 47, zugleich Schriften des archäologischen Landesmuseums, Monographien 12). Mainz 2015.

Download Inhaltsverzeichnis und englische Zusammenfassung unter: https://zbsa.academia.edu/AlexandraGPesch

Goldhalskragen von Alleberg

 

Die drei Goldhalskragen wurden bereits im 19. Jahrhundert gefunden. Sie gehören zu den kostbarsten Spitzenprodukten des frühmittelalterlichen Schmiedehandwerks in Europa. Ihr komplizierter Aufbau, ihre feinen Filigranverzierungen und vor allem ihre applizierten Tier- und Menschenfiguren faszinieren die Betrachter und fordern zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Objekten auf. Seit über 150 Jahren standen die Goldhalskragen im Blickpunkt der archäologischen und religionsgeschichtlichen Forschung, und namhafte Gelehrte wie etwa Johannes Brøndsted, Wilhelm Holmqvist, Karl Hauck und Jan Peder Lamm widmeten den Goldhalskragen zahlreiche Untersuchungen und Publikationen.

Im Zentrum der Schleswiger Forschung stand die Analyse der vielen hundert figürlichen Darstellungen auf den drei Goldhalskragen. In langen Reihen erscheinen dort goldene Tiere, Mischwesen und Menschenfiguren, dazu auch Gesichtsdarstellungen und geometrische Formen. Sorgfältig wurde jede der winzigen "Miniaturen" aus Wachs modelliert und dann in Gold gegossen. Filigrandrähte und Granulationskügelchen dienen als Verzierungselemente. Was aber bedeuteten diese Bilder ihren Herstellern im 5. Jahrhundert? Welche konkreten Inhalte waren mit ihnen verknüpft? Mit welchen religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Kontexten lassen sie sich enträtseln? Und welche Rolle spielen die dargestellten Wesen für die Entwicklung der germanischen Tierstile zwischen der Rezeption römischer Vorbilder und der Neuschöpfung der eigenen Bildersprache? Jede einzelne der insgesamt 957 goldenen Figuren wird in der Publikation in einem Katalogteil in Text und Bild vorgestellt und in der Auswertung auf ihren möglichen Bedeutungsinhalt interdisziplinär beleuchtet.

Innerhalb des Gesamtprojektes wurden grundlegende neue Feststellungen und Einsichten zur völkerwanderungszeitlichen Bilderwelt der nördlichen Germania erarbeitet und Ansätze zur Deutung der Goldhalskragen in ihrer Zeit gewonnen. Die Publikation, an der fünf Autorinnen bzw. Autoren beteiligt waren, trägt dem Rechnung.

 Kragenanalyse

 Abb.: RGZM, Mainz.

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