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Geophysikalische Großmessungen in frühmittelalterlichen Siedlungskammern (abgeschlossen)

Dr. Johannes Frenzel

Messtechnik, Datenmodellierung und archäologische Interpretation

In den vergangenen Jahren hat der Einsatz zerstörungsfreier geophysikalischer Messungen an archäologischen Fundplätzen im Vorfeld oder im Zuge von Ausgrabungen deutlich zugenommen. Die neuen Messverfahren sind als grabungsbegleitende Untersuchungsmethode besonders in der archäologischen Siedlungsforschung kaum mehr wegzudenken.

Während aber steinerne Siedlungsreste beispielsweise im Vorderen Orient oder im mediterranen Raum meist relativ eindeutige Ergebnisse liefern und vor dem Hintergrund der klar strukturierten Siedlungsareale und Stadtpläne vergleichsweise einfach zu interpretieren sind, stellt sich bei der Untersuchung frühmittelalterlicher Siedlungsplätze im nördlichen Europa ein ganz anderes Problem. Hier sind die Spuren menschlicher Siedlungen bestenfalls durch Grubenhäuser und Pfostenstellungen oder auch Abfallgruben, Werkplätze und Ofenanlagen repräsentiert, die sich aber wesentlich schwieriger in den geophysikalischen Messbildern erkennen lassen. Die Erfahrung zeigt, dass die geophysikalischen Messergebnisse deswegen zwar in Gesamtüberlegungen einbezogen werden und sich sehr gut eignen, um etwa Konzentrationen von Siedlungsobjekten ausfindig zu machen. Eine genauere Interpretation der oft zahlreichen regellos verteilten Anomalien aber ist nicht zuletzt aufgrund des Fehlens geeigneter Filterverfahren bislang meist nicht ohne Ausgrabungen möglich. Das hohe Potential der geophysikalischen Kartierungen bleibt daher oft ungenutzt.

Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren an mehreren nordeuropäischen Siedlungsplätzen des ersten nachchristlichen Jahrtausends wie Wiskiauten und Suzdal in Russland, Füsing und Einfeld in Deutschland, Szurpily in Polen, Grobina in Lettland oder auch der Siedlung Sorte Muld auf Bornholm in Dänemark durchgeführten Messungen, an denen sowohl das Institut für Geowissenschaften der CAU Kiel als auch das Archäologische Landesmuseum Schleswig beteiligt waren, soll in der Studie versucht werden, die geophysikalischen Datensätze der verschiedenen Fundplätze mit den bislang erzielten Ausgrabungsergebnissen zu vergleichen. Im besten Fall lassen sich dabei im Umkehrschluss Methoden und Verfahren entwickeln, um die Messbilder der Geophysik im Sinne einer besseren Vorhersagbarkeit für nachfolgende Ausgrabungen besser nutzbar zu machen.

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