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Geländearbeiten im Thorsberger Moor (abgeschlossen)

Dr. Ruth Blankenfeldt

Das Thorsberger Moor in der Gemeinde Süderbrarup, Kreis Schleswig-Flensburg, stellt sich heute als ein nierenförmiges, mit Wasser gefülltes Becken mit einer langgestreckten Insel im östlichen Bereich dar. Zum Zeitpunkt der Ausgrabungen zwischen 1858 und 1861 war das Moor laut Angaben des Ausgräbers C. Engelhardt fast vollständig trockengefallen. Aufgrund technischer Probleme mit zunehmender Vernässung in tieferen Schichten war es ihm jedoch nicht möglich, sämtliche Fundschichten bis auf den fundsterilen Bereich abzugraben. Da zudem innerhalb der Grabungsflächen stabilisierende Profilstege stehen gelassen wurden, ist anzunehmen, dass auch in den archäologisch bearbeiteten Arealen Artefakte verblieben sind. Ähnliche Vermutungen konnten durch jüngere Nachgrabungen in dem ebenfalls von Engelhardt bearbeiteten Kriegsbeuteopferplatz von Nydam verifiziert werden.
Im Zeitraum zwischen dem 29. Juni und dem 2. Juli 2009 wurden daher im Thorsberger Moor Untersuchungen durchgeführt, deren Ziel ein Nachweis von in den Ausgrabungsflächen verbliebenen Objekten war. Möglich wurden diese Arbeiten vor allem durch die Unterstützung von Dr. S. Hartz, Archäologisches Landesmuseum Schleswig, Dr. H. Usinger, Botanisches Institut der CAU Kiel, sowie mithilfe von Gerätschaften, welche vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein entliehen wurden.
Saugen über den alten Grabungsflächen im Thorsberger Moor

Sieben des ersaugten Sediments

 

Auf der Basis von Geländevermessungen aus den Jahren 2006 und 2007 sowie Auswertungen eines GIS-Projektes, welches von der ZBSA-Mitarbeiterin K. Göbel angelegt wurde und in dem neben aktuellen und alten Geländeplänen und Skizzen des Ausgräbers auch weitere Archivalien eingepflegt sind, besteht inzwischen eine relativ genaue Kenntnis über die Lage der heute unter Wasser gelegenen Engelhardtschen Ausgrabungsfläche. Über dieser wurde ein Floß verankert, mit einer ansonsten in der Unterwasserarchäologie eingesetzten Injektorpumpe Sediment heraufbefördert und dieses direkt in einem grobmaschigen Sieb geschlämmt.

Bereits nach kurzer »Saugzeit« konnte dabei aus etwa drei Meter Tiefe der Zierbeschlag eines Pferdegeschirrs zutage gefördert werden, welcher in gleichartiger Form mit acht Exemplaren aus den Altgrabungen vorliegt.

Beschlag eines kaiserzeitlichen Pferdegeschirrs

Weitere Funde aus dem Siebgut, die ebenfalls mit den kaiserzeitlichen Opferniederlegungen synchronisiert werden können, sind ein bronzener Niet, zwei bronzene Kettenglieder, ein Abschlussknopf – vermutlich einer Schwertgriffhilze, mehrere Keramikscherben sowie über 20 Fragmente von Lanzen- und Speerschäften. 

Bohrkerne aus dem Thorsberger Moor
Parallel zu den Saugarbeiten wurden im Bereich der heutigen Insel mit vermutlich ungestörten Fundschichten Bohrungen abgeteuft, welche Aufschlüsse über den Aufbau und Nutzung des Thorsberger Moores als Opferplatz geben. Als Fachmann hierfür konnte Dr. H. Usinger vom Botanischen Institut der CAU Kiel gewonnen werden, welcher zusammen mit Dr. W. Dörfler, Institut für Ur- und Frühgeschichte CAU Kiel, die botanischen Auswertungen der Kerne durchführt.

Einweihung1

 

Einweihung2

 

Ergebnisse der jüngsten Geländearbeiten sowie wichtige Aspekte aus den drei Dissertationen von Nina Lau (Die Pferdegeschirre aus dem Thorsberger Moor), Suzana Matešić (Militärische Ausrüstungsbestandteile aus dem Thorsberger Moor) und Ruth Blankenfeldt (Persönliche Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor) werden auf einem im November 2014 eröffneten Rundwanderweg im Thorsberger Moor präsentiert. Auf insgesamt acht Tafeln wird dem interessierten Besucher auf Deutsch, Dänisch und Englisch Wissenswertes zu den hier angetroffenen Funden, dem Themenbereich der Kriegsbeuteopfer sowie der archäologischen Fundlandschaft in und um Süderbrarup näher gebracht. Durch die Angabe eines QR-Codes und einer von der Gemeinde Süderbrarup gepflegten Webseite besteht zudem die Möglichkeit, weitere Informationen zu erhalten. 

http://www.thorsberger-moor.de

 

 

Thorsberger Moor GIS

 

Neben der Auswertung von Funden aus Kriegsbeuteopferplätzen rückten in jüngerer Vergangenheit auch die Studien der Lokalitäten an sich und die Frage nach den Niederlegungsritualen in den wissenschaftlichen Fokus. Derartige Analysen werden mithilfe von GIS-Projekten um entscheidende Faktoren erleichtert. Diese computergestützten Darstellungen der groß- und kleinflächigen Befundzusammenhänge können u. a. Hinweise geben, ob in bestimmten Zeiten nur kleinere Areale genutzt oder ausgewählte Artefaktgruppen geopfert wurden und wie sich der Platz in die naturräumlichen Gegebenheiten und in das archäologische Umfeld eingliedert. Inzwischen wurden durch die Mitglieder der GIS-Abteilung des ZBSA (N. Binkowski, K. Göbel, J. Nowotny) für die Kriegsbeuteopferplätze von Illerup Ådal, Nydam und Ejsbøl in Dänemark sowie das Thorsberger Moor (vgl. Abb.) in Schleswig-Holstein GIS-Projekte ausgearbeitet. Anhand dieser Datenbasis werden neue Fragestellungen zu diesen Plätzen erstellt sowie die technischen Möglichkeiten für Analysen der Lokalitäten definiert und weiterentwickelt.

 

 

 

Publikationen zu diesem Projekt:

R. Blankenfeldt, Auf den Spuren von Conrad Engelhardt – Wo war die Grabung im Thorsberger Moor? Arkeologi i Slesvig/Archäologie in Schleswig 12, 2008, 79-90.

R. Blankenfeldt, Mit Sauger und Sieb im Moor. Archäologie in Deutschland 3, 2010, 51-52.

R. Blankenfeldt, Jüngste Untersuchungen im Thorsberger Moor. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 2010, 59-62.

R. Blankenfeldt, Drei Farben Braun - Subaquatische Untersuchungen im Thorsberger Moor. In: F. Huber / S. Kleingärtner (Hrsg.). Gestrandet - Versenkt - Versunken. Faszination Unterwasserarchäologie (Neumünster 2014) 334-353.

R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić , Der Fundplatz Thorsberger Moor - Naturräumliche Gegebenheiten, Fund- und Forschungsgeschichte, Archivalien und Fundbestand. In: C. von Carnap-Bornheim (Hrsg.), Fund- und Forschungsgeschichte, naturwissenschaftliche und materialkundliche Untersuchungen. Das Thorsberger Moor 4 (Schleswig 2014).  

 

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