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Bildersprache: Internationale kultische Kommunikation

PD Dr. phil. habil. Alexandra Pesch

Als gemeinschaftsstiftende Elemente einer Gesellschaft sind Religion und Rituale von grundlegender Bedeutung. Der davon angeregte Austausch zwischen den Menschen, beispielsweise zu großen, überregionalen Kultfesten im kalendarischen Rhythmus oder zu kleineren, privaten Opferritualen, stellt als »kultische Kommunikation« einen wesentlichen Aspekt der Kommunikation im Nord- und Ostseeraum des 1. Jahrtausends dar.

Opfermoor

Zum Bedauern der historischen Forschung haben darüber weder die weitgehend schriftlosen Kulturen der Germania ausführliche Aufzeichnungen hinterlassen, noch besitzen die antiken oder mittelalterlichen Textquellen der Nachbarkulturen verlässlichen Zeugniswert. Trotzdem sind viele Kernelemente persönlicher, öffentlicher und normativer Rituale der Germanen mit interdiszi-plinären Methoden zumindest ansatzweise zu entschlüsseln.

Hierbei spielt die Erforschung der germanischen Bildersprache eine herausragende Rolle. Sie ist der authentische Ausdruck der germanischen Kultur. Ornamente, Symbole, figürliche und szenische Darstellungen finden sich mit charakteristischen Merkmalen motivischer und stilistischer Art auf nahezu allen Gattungen von Gebrauchsgegenständen. Daran ist die Einheitlichkeit der Bildersprache über geographisch weite Regionen ablesbar. Sie lässt sich nur durch einen Konsens, eine gemeinsame Identität der Hersteller und Nutzer erklären. So stellen sich die germanischen Kulturen des 1. Jahrtausends dar als eine regelrechte »Bildkultur« – im bewussten Gegensatz zu den »Buchkulturen« antiker und christlicher Traditionen.

      Fibel, Gummersmark

In ihrer Blütephase wird die Bildkunst vom 5. bis zum 8. Jahrhundert mit dem Begriff »Tierornamentik« bezeichnet. Doch auch in den vorangehenden und nachfolgenden Epochen seit der Zeitenwende und bis hinein in die Romanik lassen sich spezifische Elemente germanischer Kunst definieren. Dass nicht etwa regionale Themen wie einzelne Herrscherportraits auf diesen Bildern visualisiert wurden, sondern überregional dieselben Motive und Techniken Verwendung fanden, lässt sich mit den mythologischen Kontexten der Darstellungen erklären. Es sind Chiffren aus der Götterwelt, der Asenreligion mit ihrem Hauptgott Odin, die als »Heilsbilder« den Menschen Glück bringen und Unheil von ihnen abwenden sollten.

          Brakteat aus Geltorf
Zentrale Forschungsfelder bieten dabei Objekte mit germanischen Tierstilbildern, darunter auch die völkerwanderungszeitlichen Goldbrakteaten. Dazu kommen auch die späteren gotländischen Bildsteine bis hin zu wikingerzeitlichem Schmuck. Über alle Epochen hinweg sind die Einflüsse aus dem Süden, insbesondere des Christentums, zu untersuchen und Gemeinsamkeiten wie Unterschiede der jeweiligen Bildersprachen zu formulieren. Entscheidend für das Verständnis der mit Bildern kommunizierenden Gesellschaften ist auch die Rekonstruktion des Netzwerkes vorstädtischer Zentralplätze, welches die Basis für die Konzeption und Herstellung von Bildern bot. Im internationalen Diskurs sollen neue Erkenntnisse gewonnen und mit WissenschaftlerInnen auch benachbarter Disziplinen diskutiert und publiziert werden.

Im Rahmen des Projektes werden auch Anfragen anderer Institute beantwortet und Expertisen verfasst.

 

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