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Neubewertung von Chronologie und Stratigraphie des frühholozänen Fundplatzes Hohen Viecheln (Mecklenburg-Vorpommern) unter besonderer Berücksichtigung der diagnostischen Knochenartefakte (abgeschlossen)

Daniel Groß, Harald Lübke, John Meadows, Detlef Jantzen (LAKD M-V)

Der in den 1950er Jahren ausgegrabene mittelsteinzeitliche Fundplatz Hohen Viecheln Fpl. 1, Lkr. Nordwestmecklenburg, am Nordufer des Schweriner Sees gilt aufgrund seines Fundreichtums und seiner exzellenten Erhaltung organischen Materials als eine der herausragenden Stationen des frühen Mesolithikums im nordmitteleuropäischen Tiefland. In der deutschen Rezeption steht er durchweg in einer Linie mit Plätzen wie Bedburg-Königshoven, Friesack, Duvensee, Mullerup und dem britischen Star Carr, international wird Hohen Viecheln jedoch vielfach nicht mit dieser Bedeutung wahrgenommen. Wegen des Reichtums an wohl erhaltenen Funden aller Art erscheint dieses Faktum überraschend, es ist jedoch in der Forschungsgeschichte des Platzes begründet.

Hohen Viecheln - Lage

Abb. 1: Die Lage des Fundplatzes Hohen Viecheln im nordwestlichen Mecklenburg-Vorpommern (Grafik: D. Groß, ZBSA).

Deshalb wird der Fundplatz Hohen Viecheln in dem 2015 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten Forschungsprojekt einer Neubewertung unterzogen, um bislang vorhandene Unklarheiten in Bezug auf Stratigraphie und Chronologie zu beseitigen, die trotz der vorzüglichen lokalen Funderhaltung eine adäquate Positionierung des Fundplatzes in der Mesolithforschung verhinderten. Dadurch wird die chronologische Einordnung des insbesondere wegen wegen seines Knochenspitzeninventars bekannten und häufig als Referenzstation herangezogenen Platzes nach modernen Maßstäben vollzogen. 

Grabungsschnitte in Hohen Viechel
Abb. 2: Grabungsschnitte in Hohen Viecheln mit einer Darstellung des pleistozänen Untergrundes (GIS: D. Groß, ZBSA).

Weiterhin wird besonderes Augenmerk auf die Typochronologie bestimmter Artefaktgruppen gelegt. Aus diesem Grund werden die Artefaktinventare einer erneuten Analyse unterzogen und dem heutigen Forschungsstand entsprechend vorgelegt. Ein umfangreiches absolut-chronologisches 14C-Datierungsprogramm dient dazu, die bislang vorhandenen stratigraphischen und chronologischen Unsicherheiten auszuräumen, die dem Platz innewohnen. Die Klärung der sequenziellen Probleme wird es zudem erlauben, in jüngerer Zeit und aktuell durchgeführte Materialstudien an Funden von Hohen Viecheln besser in den überregionalen chronologischen und technologischen Kontext einzubinden. Hohen Viecheln wird so in der Mittelsteinzeitforschung Mittel- und Nordeuropas rehabilitiert und seinem Ruf als wichtige Referenzstation gerecht werden.

Literatur

Schuldt, E. (1953), Ein mittelsteinzeitlicher Siedlungsplatz bei Hohen Viecheln, Kreis Wismar. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1953. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1953: 9-25.

Schuldt, E. (1954), Ein mittelsteinzeitlicher Siedlungsplatz bei Hohen Viecheln, Kreis Wismar. Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen 1954. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1954: 9-27.

Schuldt, E. (1956), Ein mittelsteinzeitlicher Siedlungsplatz von Hohen Viecheln, Kreis Wismar. Vorläufiger Abschlußbericht über die Ausgrabungen 1953/55. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1955: 7-35.

Schuldt, E. (1961), Der mittelsteinzeitliche Wohnplatz Hohen Viecheln. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte. Band 10. Akademie Verlag (Berlin) 1961.

Schuldt, E. (2005), Ewald Schuldt. Archäologische Expeditionen im eigenen Land (1950-1984). Schwerin.



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