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Persönliche Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor (abgeschlossen)

Dr. Ruth Blankenfeldt

 

Die persönlichen Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor

Die im September 2009 abgeschlossene Dissertation behandelt die Funde von persönlichen Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor, einem kaiserzeitlichen Kriegsbeuteopferplatz im Kreis Schleswig-Flensburg. 

Die Dissertation wurde redaktionell überarbeitet und wird im Juni 2015 als monographische Publikation in der Schriftenreihe "Das Thorsberger Moor" (Band 2) erscheinen:

Blankenfeldt 2015: R. Blankenfeldt, Die persönlichen Ausrüstungen. Das Thorsberger Moor 2 (Schleswig 2015).

 Das Thorsberger Moor, Band 1

Das Thorsberger Moor, Band 4

 

Das Thorsberger Moor 2

 

Das Thorsberger Moor, Kreis Schleswig-Flensburg, wurde zwischen 1858–1861 durch den damaligen Leiter der Flensburger Sammlung, Helvig Conrad Engelhardt, archäologisch untersucht. Die Neubearbeitung dieses altgegrabenen Fundkomplexes zielt auf die Angleichung mit dem aktuellen Forschungsstand zu der Quellengruppe Kriegsbeuteopfer. Neben der Persönlichen Ausrüstung wurden die Pferdegeschirre dieses Fundplatzes von N. Lau (Das Thorsberger Moor 1) sowie die Militaria von S. Matešić (Das Thorsberger Moor 3) bearbeitet. Die drei Bearbeiterinnen beschäftigten sich zudem intensiv mit der Fund- und Forschungsgeschichte des Thorsberger Moores, welche zusammen mit weiteren Aspekten zu dieser Lokalität in dem Sammelband "Das Thorsberger 4" erschienen ist.

 

Das Thorsberger Moor heute

 

Als Persönliche Ausrüstungen wurden neben Trachtelementen in Form von Fibeln und Gürtelgarnituren auch Gegenstände des täglichen Bedarfs sowie Körperschmuck und kleine, personengebundene Objektgruppen zusammengefasst. Diese Artefakte, deren Gestaltung stark von dem modischen Geschmack der Zeit und den technischen Fähigkeiten der Handwerker abhing, wurden umfangreichen archäologisch-historischen Analysen unterzogen.

Ziel war es, Aussagen zu Anzahl um Umfang der hier vollzogenen Opferungen und deren möglichst genaue Datierung zu erhalten. Neben Hinweisen auf die Deponierung einzelner Artefakte in der Älteren Römischen Kaiserzeit können insgesamt drei Niederlegungen von Kriegsbeute im Thorsberger Moor definiert werden. Die erste Opferung fand in der beginnenden Jüngeren Kaiserzeit statt, wobei die repräsentierten Krieger aus kontinentaleuropäischen Räumen stammen, welche sowohl elbgermanische als auch Przeworsk-Regionen umfassen. Die umfangreichste Menge Kriegsbeute ist zu einem Zeitpunkt in das Thorsberger Moor gelangt, welcher mit dem Zeitraum zwischen ungefähr 220 – 250 n. Chr. umschrieben wird. Dabei treten elbgermanische Fundprovenienzen stark hervor, aber auch norddeutsche und jütländische sowie inseldänische Komponenten sind im Fundgut zu vermerken. Diese Beobachtungen sind durch Allianzen zwischen zwei Einheiten unterschiedlicher Herkunft, aber auch durch kulturelle Parallelen unterschiedlicher Formenkreise zu erklären, wie es für die mehrfach zu beobachtenden Übereinstimmungen im fünischen und holsteinischen Formenspektrum nachgewiesen werden kann. Innerhalb der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. fand eine letzte Opferung im Thorsberger Moor statt. Hier überwiegt eine skandinavische Komponente im Fundgut, welche für eine Herkunft der Krieger aus dem süd- bzw. südostschwedischen und dem inseldänischen Bereich spricht. 

Niederlegungen Kriegsbeute Thorsberger Moor

In die Analysen der Persönlichen Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor wurden des Weiteren mit zwei vergoldeten Zierscheiben und einem vergoldeten Blech exzeptionelle Gegenstände der Prachtausrüstung einbezogen. Diese liefern weniger Hinweise auf chronologische und chorologische Zusammenhänge, sondern stellen den Ausgangspunkt für eine Betrachtung der kaiserzeitlichen germanischen Kunst, ihrer generierenden Anregungen sowie Betrachtungen zum Motivvorrat in den ersten Jahrhunderten n. Chr. dar. Insgesamt bilden frühe Zeugnisse germanischer Kunst ein Konglomerat unterschiedlicher Einflüsse. Traditionen aus der Vorrömischen Eisenzeit oder Übernahmen beispielsweise aus der keltischen Kunst sind spärlich, deutlich tritt dagegen die enge Verbundenheit zu römischen Bildträgern hervor. Greifbar wird dies anhand der vierfachen Abbildung des Kriegsgottes Mars auf einer der beiden Zierscheiben. Indirekter sind römische Wurzeln bei Tierfriesen wie auf der zweiten Zierscheibe und dem gebogenen Blech greifbar. Sowohl die Zierscheiben als auch das gebogene Blech sind nicht nur aufgrund der wertvollen Rohmaterialien als figürlich verzierte Statussymbole zu interpretieren. Diese Stücke kommunizieren mit einem überregionalen Erkennungswert, gepaart mit der Individualität des Auftraggebers und des ausführenden Handwerkers.

Das reich verzierte "gebogene Blech" aus dem Thorsberger Moor

 

Von 2005 bis 2008 war die Dissertation unter dem Dach des Forschungsprojektes „Zwischen Thorsberg und Bornstein. Historische Archäologie im Landesteil Schleswig als Instrument für Weiterbildung, Forschung und Präsentation“ eingebunden in die Förderung des Europäischen Sozialfonds (ESF). Daran schloss sich die weitere Bearbeitung und die Vorbereitung des Textes zur Publikation an.

Durch die Integration der Studien zum Thorsberger Moor in das vom Carlsbergfond finanzierte internationale Projekt »Jernalderen i Nordeuropa – 400 f. Kr. til 600 e. Kr.« entstand eine enge Verknüpfung mit weiteren Projekten, die für die Auswertung des hier bearbeiteten Fundmaterials von großer Relevanz sind. Zudem besteht eine enge fachliche Verbindung mit Dr. A. Abegg-Wigg, Archäologisches Landesmuseum Schleswig, welche sich mit den kaiserzeitlichen Grablegen von Neudorf-Bornstein, Kr. Rendsburg-Eckernförde, beschäftigt.

Die Publikation wurde unter anderem mit Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht.

 

Weitere Publikationen zu dem Projekt:

R. Blankenfeldt, Figürliche Darstellungen aus den skandinavischen Kriegsbeuteopfern – eine kurze Zusammenfassung. Starigard 4/5, 2003/2004, 31-40.

A. Abegg-Wigg/R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Zwischen Thorsberg und Bornstein. Archäologie in Schleswig 11, 2006, 67-79.

R. Blankenfeldt/S. Matešić, "Silber und Gold haben ihnen die Götter versagt". In: R. Bleile (Hrsg.), Magischer Glanz. Gold aus archäologischen Sammlungen Norddeutschlands (Schleswig 2006) 94-103.

R. Blankenfeldt, Das gebogene Blech aus dem Thorsberger Moor. In: A. Abegg-Wigg/A. Rau (Hrsg.), Aktuelle Forschungen zu Kriegbeuteopfern und Fürstengräbern im Barbaricum. Internationales Kolloquium Schleswig Juni 2006, Schriften des Archäologischen Landesmuseums Ergänzungsreihe Band 4 (Neumünster 2008) 55-85.

R. Blankenfeldt, Studien zu den persönlichen Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor. In: Archäologie in Schleswig-Holstein 14, 2008, 36-39.

Abegg-Wigg/R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Von Verlierern und Gewinnern - Kriegsbeuteopfer aus dem Thorsberger Moor und fürstliche Gräber von Neudorf-Bornstein. Antike Welt 1, 2009, 74-79.

R. Blankenfeldt, Auf den Spuren von Conrad Engelhardt – Wo war die Grabung im Thorsberger Moor? Arkeologi i Slesvig/Archäologie in Schleswig 12, 2008, 79-90.

R. Blankenfeldt, Persönliche Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor. In: Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH – Museum und Park Kalkriese (Hsrg.), 2000 Jahre Varusschlacht. Konflikt [Kat. Ausstellung Kalkriese 2008/09] (Stuttgart 2009) 150–153.

R. Blankenfeldt u. A. Rau, Die skandinavischen Kriegsbeuteopfer – Befunde, Funde und Interpretationen. In: Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH – Museum und Park Kalkriese (Hsrg.), 2000 Jahre Varusschlacht. Konflikt [Kat. Ausstellung Kalkriese 2008/09] (Stuttgart 2009) 132–139.

R. Blankenfeldt, Mit Sauger und Sieb im Moor. Archäologie in Deutschland 3, 2010, 51-52.

R. Blankenfeldt u. C. von Carnap-Bornheim, Von Gewinnern und Verlierern – Das germanische Kriegsbeuteopfer von Thorsberg in Angeln. In: Fränkische Schweiz-Museum (Hrsg.), Handwerker Krieger Stammesfürsten. Die germanische Befestigung der Völkerwanderungszeit auf dem Reisberg. Ausstellungskatalog des Fränkische Schweiz-Museums Bd. 17, 113-123.

R. Blankenfeldt, Jüngste Untersuchungen im Thorsberger Moor. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 2010, 59-62.

R. Blankenfeldt, Zwei Zierscheiben aus dem Thorsberger Moor. In: M. Puhle u. G. Köster (Hrsg.), Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter [Katalog Ausstellung Magdeburg 2012) (Regensburg 2012) 173-175.

R. Blankenfeldt, Überlegungen zu Hinweisen auf Individualität in Deponierungen von Heeresausrüstungen. In: B. Ludowici (Hrsg.), Individual and Individuality? Approaches towards an Archaeology of Personhood in the First Millennium AD. Neue Studien zur Sachsenforschung Band 4, 55-77.

R. Blankenfeldt, Drei Farben Braun - Subaquatische Untersuchungen im Thorsberger Moor. In: F. Huber / S. Kleingärtner (Hrsg.). Gestrandet - Versenkt - Versunken. Faszination Unterwasserarchäologie (Neumünster 2014) 334-353.

R. Blankenfeldt, "Weapon deposits in the "Thorsberger Moor" - 150 years of research and new perspectives. In: I. Khrapunov u. F-A. Stylegar (Hrsg.), Inter Ambo Maria. Northern barbarians from Scandinavia towrds the Black Sea. [Conference Krim Oktober 2012] (Kristiansand - Simferopol 2013) 26-38. 

R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Der Fundplatz Thorsberger Moor – Naturräumliche Gegebenheiten, Fund- und Forschungsgeschichte, Archivalien und Fundbestand. In: C. von Carnap-Bornheim (Hrsg.), Fund- und Forschungsgeschichte, naturwissenschaftliche und materialkundliche Untersuchungen. Das Thorsberger Moor 4 (Schleswig 2014) 1-119.



R. Blankenfeldt, Figürlich verzierte Metallarbeiten aus dem Thorsberger Moorfund. In: Archäologie zwischen Römern und Barbaren. Zur Datierung und Verbreitung römischer Metallarbeiten des 2. und 3. Jhs. n. Chr. im Reich und im Barbaricum. [Symposium Frankfurt 2009] (in der Redaktion).

R. Blankenfeldt, Zur Herkunft der germanischen Fundgruppen aus dem Thorsberger Moor. In: Papers presented at a workshop organized by the Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA), Schleswig. [Runen Workshop, 3. und 4. Februar 2011] (in der Redaktion). 

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