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Technologische Analyse spätglazialer Knochenindustrien der norddeutschen Tiefebene (abgeschlossen)

Markus Wild MA

Beschreibung

Grundlegende Fragen der Kontinuität und Diskontinuität der post-LGM-Besiedlung des nördlichen Zentraleuropas wurden bisher nicht zufriedenstellend beantwortet. Dieses Projekt versucht unter Zuhilfenahme des Technologischen Ansatzes diesem Ziel näher zu kommen.

stellmoor (quelle ALM SH)

fig. 1: Überreste des Rentiers in der Fundschicht von Stellmoor (Fotoarchiv des ALM SH).

Die Entdeckung der Fundstellen Meiendorf und Stellmoor im Ahrensburger Tunneltal hat spätestens vor gut 75 Jahren die Stellung von hartem tierischem Rohmaterial für die Jäger und Sammler des ausgehenden Glazials belegt. Während für das Jungpaläolithikum und das Mesolithikum in den letzten Jahren eine Häufung von wissenschaftlichen Arbeiten über Geweih- und Knochennutzung festzustellen ist, fehlt es für den angestrebten Zeitraum in der nordeuropäischen Tiefebene an einer umfassenden Aufarbeitung sowie einer synthetischen Betrachtung der Knochenindustrien der Hamburger Kultur, der Federmessergruppen, der Bromme- und der Ahrensburger Kultur.

Als Ausgangsmaterial des Dissertationsprojekts dienen sicher datierte Inventare und Einzelfunde dieser kulturellen Erscheinungen, wobei der Bogen ausgehend von Meiendorf sowie den älteren Schichten der Fundplätze Poggenwisch und Stellmoor, über kleinere Fundstellen und Einzelfunde der Federmessergruppen und Bromme Kultur zu den Ahrensburger Kultur-Schichten in Stellmoor gespannt werden soll.
Die Inventare werden mithilfe des Technologischen Ansatzes analysiert. Dazu werden Werkzeuge und Herstellungsreste an den einzelnen Fundstellen und Fundschichten untersucht und um alle relevanten archäologischen und archäozoologischen Informationen ergänzt, um schließlich das schéma opératoire zu rekonstruieren.

rust1943

fig. 2: Spangewinnung in der Hamburger Kultur (links) und der Ahrensburger Kultur (rechts). Rekonstruiert an den Inventaren der Fundstellen Meiendorf und Stellmoor (n. Rust 1943).

Die technologische Aufarbeitung der Knochenindustrien führt zu einer Abgrenzung verschiedener Werkzeugkategorien und -typen sowie einzelner Technokomplexe und Kulturstufen. Diese werden durch die Ergebnisse technologischer Steingeräteuntersuchungen und (sozial-)archäozoologischer Studien kontrastiert und ergänzt.

Riemenschneider

fig. 3: Durchlochtes Artefakt der Rust'schen Ausgrabungen im Ahrensburger Tunneltal. Keine bekannten Parallelen gibt es zu den sogenannten Riemenschneidern (Fotoarchiv des ALM SH)

Das aus dieser holistischen und diachronen Betrachtung gewonnene Verständnis des Verhaltens von Menschen im Umgang mit hartem tierischem Rohmaterial sowie der Ausbeutung der Rohmaterialquelle Tier soll schlussendlich zu einer präziseren Beschreibung des Verhältnisses von Mensch und Tier im ausgehenden Pleistozän führen. Darüber hinaus liefert das Projekt über die Beschreibung von technologischen Traditionen einen Beitrag zum Verständnis der Kontinuitäten und Diskontinuitäten im Spätglazial des nördlichen Zentraleuropas

 

Literatur

- Rust 1937, A. Rust, Das altsteinzeitliche Rentierjägerlager Meiendorf (Neumünster 1937).

- ibid. 1943, Die alt- und mittelsteinzeitlichen Funde von Stellmoor (Neumünster 1943).

- ibid. 1958, Die jungpaläolithischen Zeltanlagen von Ahrensburg (Neumünster 1958).

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