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Archäogenetische Untersuchungen an Tierhaaren (abgeschlossen)

Dr. Elena Nikulina

Die mittelalterliche Burg Lenzen in Brandenburg hatte überregionale Bedeutung. Angelegt im 10. Jahrhundert von paganen Slawen an der Grenze zum Machtbereich christlicher Herrscher entwickelte sie sich schnell zu einem wichtigen Zentralort. Umfangreiche Ausgrabungen in den letzten zehn Jahren ergaben eine außergewöhnlich gute Erhaltung organischer Funde. Grund dafür war die Einbettung in große Mengen von Mist, den die Bewohner heranschafft hatten, um ältere Bebauungsschichten aufzufüllen. Bei einem Pfostenhaus, dessen Fußboden aus einer Holzdielung gefertigt war und dessen Wände aus Flechtwerk bestanden, fand man mehrere Ansammlungen von Tierhaaren. Zum Teil haften die Haare noch an Hautpartien. Solche Funde wie Haare, Haut, Knorpel, Horn, Hufe und Federn werden bei archäologischen Ausgrabungen nur sehr selten entdeckt, weil sich nicht-mineralisiertes Gewebe und organische Körperteile nach dem Tod eines Organismus' schnell zersetzten.

Wolle von der Feddersen Wierde

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf (Susanne Jahns, Susanne Hanik, Heike Kennecke) und dem Zoologischen Institut der Universität Kiel (Stanislav N. Gorb) wurden die Haare licht- und elektronenmikroskopisch sowie genetisch untersucht. Die lichtmikroskopischen und genetischen Analysen erfolgten am ZBSA, die elektronenmikroskopischen Bilder wurden in der Abteilung für Funktionale Morphologie und Biomechanik am Zoologischen Institut der Universität Kiel erstellt.

Morphologisch weisen die Haare aus Lenzen ein ähnliches Erscheinungsbild auf. Sie sind von grober Struktur und schwarzbrauner, in einem Fall rötlicher Farbe. Mikroskopisch ist eine dachziegelartige Beschuppung der Cuticula zu erkennen, die eine Zuordnung zu Paarhufern ermöglicht. Die Dicke des Markkanals, die bei den Proben etwa ein Drittel des Haardurchmessers betrug, und der Verlauf des Markkanals weisen größere Ähnlichkeiten zu Rinderhaaren als zu Haaren von Schafen oder Ziegen auf. Um diese morphologische Bestimmung zu überprüfen, wurde eine genetische Untersuchung durchgeführt, die endgültige Klarheit darüber brachte, von welcher Tierart die Funde stammen. Bei einer Analyse der aus den Haaren extrahierten aDNA erbrachte ausschließlich ein rinderspezifisches Primerpaar in allen Fällen Amplifikationen, mit ziegen- und schafspezifischen Primerpaaren konnten keine Amplifikationen erzielt werden. Auswertungen der DNA-Sequenzen ergaben darüber hinaus eine Zuordnung der Lenzener Haare zum Hausrind. So ist auch auszuschließen, dass die Funde vom wilden, ausgestorbenen Auerochsen stammen.

In Mitteleuropa ist damit erstmals erfolgreich alte DNA aus Tierhaaren für eine archäologische Untersuchung entschlüsselt worden. Das Ergebnis ist auch von kulturgeschichtlichem Interesse. Seit dem Mittelalter wird Flechtwerk beim Hausbau durch die Vermischung mit Heu oder Tierhaaren, vor allem von Rinderhaaren, verstärkt. Es ist gut möglich, dass die Haare aus der Burg Lenzen genau diese Funktion – Festigung der Hauswände – erfüllten.

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In Cooperation with

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf (Susanne Jahns, Susanne Hanik, Heike Kennecke)

Zoologisches Institut der Universität Kiel (Stanislav N. Gorb)

 

Staff
Chiefs:
Dr. Ulrich Schmölcke
 
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