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Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie

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Riņņukalns - Ein neolithischer Süßwasser-Muschelhaufen im Norden Lettlands

Harald Lübke, Valdis Berzins, Ute Brinker, Aija Cerina, Marcis Kalnins, Ben Krause –Kyora, John Meadows, Ken Ritchie, Ulrich Schmölcke, Ilga Zagorska

Riņņukalns –Ein neolithischer Süßwasser-Muschelhaufen im Norden Lettlands und seine Bedeutung für die steinzeitliche Kulturgeschichte des Baltikums


Der am Ausfluss der Salaca aus dem Burtnieksee in der Region Vidzeme im Norden Lettlands gelegene Fundplatz Riņņukalns („Rinnehügel“) ist der einzige erhaltene steinzeitliche Muschelhaufenplatz im Baltikum. Forschungsgeschichtlich ist er zudem von besonderer Bedeutung, weil er eine der ersten im Baltikum in den 1870er Jahren entdeckten steinzeitlichen Fundstellen ist. Zu verdanken ist dies dem deutsch-baltischen Grafen Carl George Sievers, einem der Pioniere der archäologischen Forschung Lettlands. Seine Bewertung der Fundstelle führte aber zu einem heftigen Forschungsstreit mit dem damals im Baltikum führenden Geschichtsforscher Prof. C. Grewingk, Univ. Dorpat (heute Tartu, Estland). Beteiligt daran war auch der deutsche Mediziner, Anthropologe und Urgeschichtsforscher Rudolf Virchow, der 1877 selbst an den Ausgrabungen des Grafen Sievers teilgenommen hatte. Umstritten war vor allem das Alter von vier Gräbern, denen Graf Sievers aufgrund ihrer stratigrafischen Position oder vermeintlicher Grabbeigaben ein steinzeitliches Alter zugesprochen hatte. Durch den frühen Tod des Grafen Sievers 1879 blieb insbesondere diese Frage ungelöst bis im Jahre 2011 neue gemeinsame Forschungen des Instituts für Lettische Geschichte (LVI) an der Universität Riga und dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) begannen.

Rinnukalsn - Fundplatz

Der Fundplatz Riņņukalns, Vecate pagasts, am südlichen Ufer der Salaca knapp unterhalb des Ausflusses aus dem Burtniek-See (Foto Harald Lübke, ZBSA).

 Erste Untersuchungen des Muschelhaufens unter Einsatz geophysikalischer und archäologischer Feldmethoden brachten trotz der Ausgrabungen des 19. Jh. den Nachweis einer immer noch vorhandenen Existenz intakter feinstratifizierter Schichtpakete mit hervorragender Erhaltung organischer Hinterlassenschaften. Radiometrische Analysen der Stratigraphie zeigten, dass der Muschelhaufen innerhalb eines recht kurzen Zeitraums um 3350 v. Chr. aufgeschüttet wurde. Nachfolgende naturwissenschaftliche Untersuchungen ergaben erste Ergebnisse zur Ernährung und Lebensweise der damaligen Bewohner. Entsprechend liefert der Fundplatz Rinnukalns wertvolle Hinweise zur Kulturentwicklung im östlichen Baltikum im 4. Jahrtausend v.Chr. - eine Zeit, in der die Landwirtschaft und Vorratshaltung in dieser Region noch nicht weit verbreitet waren. Parallel dazu konnten die von Graf Sievers im 19. Jh. geborgenen Menschenreste in der Anthropologischen Rudolf-Virchow-Sammlung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte mit Hilfe der Kuratorin B. Teßmann re-identifiziert werden. AMS-Datierungen der fraglichen Schädel erbrachten den Nachweis, dass zumindest zwei der von Graf Sievers als steinzeitlich angesehenen Gräber tatsächlich ein entsprechendes Alter hatten und der Muschelhaufen-Phase des Fundplatzes zuzuweisen sind. 

Profil

Die stratifizierte Schichtabfolge des Muschelhaufens aus Muschelschalen, Fischresten und Holzkohlen aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend. Aber auch in dem darunter gelegenen Paläoboden befinden sich Hinterlassenschaften älterer Nutzungsphasen des Fundplatzes (Foto Harald Lübke, ZBSA).

 

Seit 2017 werden die Forschungen im Rahmen des von der DFG geförderten interdisziplinären Forschungsprojektes “Riņņukalns, a Neolithic freshwater shell midden site in northern Latvia and its significance for cultural development of the Eastern Baltic Stone Age” (DFG-Projektnummer 335674082) fortgeführt. In zwei Feldkampagnen 2017 und 2018 mit einer Dauer von jeweils 6 Wochen konnte der Fundplatz weiter untersucht werden. Bei den feinstratigraphischen Schichtenfreilegungen konnte neben diversen Kulturhinterlassenschaften vor allem umfangreiches archäozoologisches und paläobotanisches Probenmaterial geborgen werden. Wichtig ist der Nachweis weiterer Kulturschichten unter dem eigentlichen Muschelhaufen, die bis in das Spätmesolithikum zurückreichen und die langfristige Nutzung des landschaftlich ausgesprochen günstig gelegenen Ortes anzeigen. Ein besonderer Glücksfall ist aber 140 Jahre nach Entdeckung der ersten prähistorischen Gräber der Fund zwei weiterer steinzeitlicher Bestattungen. Bei den Verstorbenen handelt es sich um einen ca. 40-jährigen Mannes und ein bei der Geburt verstorbenes Kleinkind, die beide demselben Zeithorizont angehören wie die bereits bekannten Individuen. Derzeit befindet sich das umfangreiche archäologische und naturwissenschaftliche Fundmaterial in der Auswertung, eine umfassende Präsentation der Ergebnisse ist im Rahmen einer Fundplatzmonographie vorgesehen.

Skelett

Fotogrammetrisches Modell des 2017/2018 freigelegten steinzeitlichen Fischergrabes vom Riņņukalns (Fotogrammetrie: Marcis Kalniņš, ZBSA/LUR).

 

Weiterführende Literatur:

V. Bērziņš / U. Brinker / C. Klein / H. Lübke / J. Meadows / M. Rudzīte / U. Schmölcke / H. Stümpel / I. Zagorska, New research at Riņņukalns, a Neolithic freshwater shell midden in northern Latvia. Antiquity 88, 2014, 715-732.

U. Brinker / D. Meinel / B. Teßmann / H. Lübke, Die menschlichen Skelettreste der zur anthropologischen Rudolf-Virchow-Sammlung gehörenden Kollektion des Fundplatzes Riņņukalns im Norden Lettlands – Resultat eines Forschungsstreites des 19. Jahrhunderts im damaligen Livland. Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 39, 2019, 35-53. 

U. Brinker / V. Bērziņš / A. Ceriņa / G. Gerhards / M. Kalniņš / B. Krause-Kyora / H. Lübke / J. Meadows / D. Meinel / E. Pētersone-Gordina / K. Ritchie / M. Rudzīte / M. Tõrv/ I. Zagorska / U. Schmölcke, Two burials in a unique freshwater shell midden: Insights into transformations of Stone Age Hunter-Fisher daily life in Latvia. Archaeological and Anthropological Sciences (im Druck)

H. Lübke / U. Brinker / J. Meadows / V. Bērziņš / I. Zagorska, New research on the human burials of Riņņukalns, Latvia. In: J. M. Grünberg / B. Gramsch / L. Larsson / J. Orschiedt / H. Meller (Hrsg.), Mesolithic burials – Rites, symbols and social organisation of early postglacial communities. Mesolithische Bestattungen – Riten, Symbole und soziale Organisation früher postglazialer Gemeinschaften. International Conference in Halle (Saale), Germany. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 13, 2016, 241–256.

J. Meadows / V. Bērziņš / D. Legzdiņa / H. Lübke / U. Schmölcke / I. Zagorska / G. Zariņa, Stone-age subsistence strategies at Lake Burtnieks, Latvia, Journal of Archaeological Science: Reports 17, 2018, 992-1006.

U. Schmölcke / J. Meadows / K. Ritchie / V. Bērziņš / H. Lübke / I. Zagorska, Neolithic fish remains from the freshwater shell midden Riņņukalns in northern Latvia. Environmental Archaeology: The Journal of Human Palaeoecology 21:4, 2016, 325-333.

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