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Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie

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August 2020

Origins and Influences on Early Gotlandic Picture Stones

 

Hannah Strehlau M.A.

Das Dissertationsprojekt Origins and Influences on Early Gotlandic Picture Stones: A study on the A-stones and their parallels in the Roman Provinces (Arbeitstitel) befasst sich mit der ältesten Gruppe der Gotländischen Bildsteine, genannt Abschnitt A. Das Projekt startete im September 2019 und wird am ZBSA von PD Dr. habil. Alexandra Pesch betreut. Zugleich besteht eine enge Kooperation zum Forschungsprojekt Ancient Images 2.0. A Digital Edition of the Gotlandic Picture Stones, das von PD Dr. habil. Sigmund Oehrl seit 2018 an der Universität in Stockholm geleitet wird und der zudem externer Betreuer der Dissertation ist.

Die Gotländischen Bildsteine sind eine einzigartige Fundgruppe, die nur auf der schwedischen Insel Gotland in der Ostsee auftritt. Heute sind etwa 570 Bildsteine und Fragmente von Gotland bekannt, die über einen Zeitraum von mindestens 600 Jahren hergestellt und errichtet wurden (ca. 400–1000 n. Chr.). Im Jahre 1941 hat der schwedische Archäologe Sune Lindqvist diese Monumente in fünf Abschnitte (A–E) gegliedert. Von den 570 Stelen gehören 103 zum ältesten Abschnitt A, der bislang in die Völkerwanderungszeit (375–550 n. Chr.) datiert wurde und die Grundlage dieser Arbeit bildet.

Die bearbeiteten Stelen des Abschnitts A sind in der Regel aus Kalkstein und in Ausnahmefällen aus Sandstein gefertigt. Sie erreichen Höhen zwischen weniger als einem und 3,46 m und zeigen ein abstraktes, sich streng wiederholendes Bildprogramm. Besonders typisch für diesen ältesten Abschnitt der Bildsteine ist eine zentrale, zirkelförmige Scheibe, die in der Regel ein Wirbelmuster mit mehreren Armen enthält. In Abweichung dazu kann diese zentrale Scheibe auch einen Vierpassknoten, Rosetten- oder Blumenmuster oder verschiedene Spiralmuster enthalten. Einige Stelen besitzen unter der zentralen Scheibe zwei kleinere Zirkelmotive, die Spiral- oder Rosettenmotive zeigen. Auf anderen Steinen befinden sich an dieser Stelle und/oder auch über der zentralen Scheibe antithetisch angeordnete Vierbeiner, krokodilartige Wesen oder Menschen. Unter der zentralen Scheibe oder unter den kleineren gepaarten runden Motiven, ist häufig ein Schiff mit Ruderern und/oder einer rechteckigen Zeltkonstruktion zu sehen. Die Außenkanten der A-Steine sind meist mit parallel laufenden Linien und, vor allem am Kopf, mit mäanderartigen Ornamenten geschmückt.

Bildsteine im Größenvergleich
Drei Beispiele aus dem Abschnitt A im Größenvergleich. Links: Sanda Kyrka IV. Mitte: Vallstena Vallstenarum I. Rechts Hablingbo Havor II (Fotos: H. Strehlau, mit freundlicher Genehmigung des Gotland Museum und Stockholm Historiska Museet).

Kein einziger A-Stein wurde in situ, sprich in seiner ursprünglichen Position in der Landschaft, gefunden. Stattdessen wurden sie häufig oberhalb der Wurzel abgeschlagen oder aus dem Boden gerissen und sekundär in jüngeren Gräbern oder als Spolien in Kirchenbauten verwendet. Dieser Zustand erschwert die genaue Datierung sowie die Interpretation ihres Nutzungskontextes.

Der Stein Bro Kyrka I
Der Stein Bro Kyrka I, eingemauert in der Südseite der Kirche von Bro (Foto: H. Strehlau).

Bis heute erscheint das plötzliche Auftreten dieser verzierten Steinstelen, für dessen Bearbeitung ein hoher Grad an technischem und künstlerischem Geschick in der Steinmetzkunst notwendig ist, als rätselhaft. Dies, wie auch das Fehlen einer vorangehenden, einheimischen Entwicklungsphase, gaben Anlass nach Parallelen und Vorbildern außerhalb der schwedischen Insel zu suchen, beginnend mit den Römischen Provinzen.

Zentrale Fragen des Dissertationsvorhabens sind daher die folgenden: Woher kommt die Idee, bearbeitete und verzierte Steinstelen an bestimmten Orten in der Landschaft aufzustellen? Woher kommt das technische Wissen der talentierten Steinmetze? Woher stammen die Motive und die strenge Motivkomposition im Bildprogramm dieser Denkmäler? Wurden Ideen, Motive und Techniken komplett von einer anderen Kultur übernommen oder modifiziert und mit Vorstellungen aus der einheimischen Kultur übernommen?

Bereits Sune Lindqvist (1941) führte einen Vergleich zu Provinzialrömischen Grabsteinen aus dem Duerotal in Nordspanien an und Wilhelm Holmqvist (1952) sah Parallelen zu den Motiven auf Römischen Mosaikfußböden aus Italien. Diese möglichen Verbindungen wurden seitdem häufig zitiert (e.g. Althaus 1993, 51; Lamm/Nylén 2003, 10; 152f.; Oehrl 2019, 23), jedoch fehlt eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema bislang.

Zwei Römische Grabstelen aus dem Duerotal
Zwei Römische Grabstelen aus dem Duerotal in León, Spanien. Diese zwei Beispiele wurden von Lindqvist erstmals als Vergleiche angeführt und seitdem immer wieder in der Literatur erwähnt (nach Lindqvist 1941: 92).

Eine Verbindung zum entfernten Spanien, den Römischen Provinzen und dem Mittelmeerraum mag zunächst abwegig erscheinen, wird jedoch vor dem Hintergrund des archäologischen Kontextes verständlicher. Obgleich sich das Römische Reich nicht bis nach Skandinavien erstreckte, sind die Kontakte und der Austausch mit den Römischen Provinzen durch Handel und Reisen allgemein bekannt. Die Insel Gotland sticht dabei hervor, da es hier eine Konzentration an Römischer Importware sowie die auch vom Festland bekannten Goldbrakteaten (Imitationen Römischer Medaillons) gibt. Außer Frage steht zudem, dass neben den Goldbrakteaten auch andere Formen, wie z.B. der Nydamstil nach Römischen Vorbildern entstanden sind. Die Tatsache, dass von 6300 in Schweden gefundenen Römischen Silbermünzen 5500 von Gotland stammen, zeichnet ein deutliches Bild des Handelsfokus der schwedischen Insel (Stenberger 1977, 290)    Daher soll innerhalb dieses Dissertationsprojektes eine breite Vergleichsbasis an Material aus den Römischen Provinzen zusammengestellt werden, mit einem Schwerpunkt auf spätantiken Steindenkmälern der iberischen Halbinsel.

Zwei Römische Grabstelen
Links: Römische Grabstele von San Esteban de Gormaz in Soria, Spanien, als Spolie in der Kirche des Ortes verwendet (Foto: G. Alföldy). Rechts: Römische Grabstele von Peñaranda in Burgos, Spanien, ausgestellt im Archäologischen Museum von Burgos (Foto: C. Witschel).

Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch andere Objektgruppen, z.B. Verzierungen in der Skandinavischen oder Provinzialrömischen Kleinkunst, Mosaike oder selten erhaltene organische Funde aus Holz oder Textil ihren Beitrag zur Entstehung der Gotländischen Steinstelen leisteten. Einzelne Motive sind zudem nicht nur aus verschiedenen Kulturkreisen bekannt, sondern auch chronologisch schwer ein- und abzugrenzen, was die Suche nach Vorbildern und Parallelen dieser Steine des Abschnitts A enorm erschwert.

Die gotländischen Bildsteine stellen ein besonders wertvolles Zeugnis vorchristlicher Religion, Mythologie und Kosmologie in einer sonst weitgehend schriftlosen Kultur dar. Die Frage nach ihrer Herkunft befasst sich daher mit einer längst überfälligen und äußerst dringenden Forschungsfrage für die schwedische Archäologie.


Links
https://www.ancientimages.se/
https://edh-www.adw.uni-heidelberg.de/


Literatur

S. Althaus, Die gotländischen Bildsteine. Ein Programm. Göppinger Arbeiten zur Germanistik 588 (Göppingen 1993).
W. Holmqvist, De äldsta gotländska bildstenarna och deras motivkrets. Fornvännen 47, 1952, 1–20.
J. P. Lamm/E. Nylén, Bildstenar (Värnamo 2003).
S. Lindqvist, Gotlands Bildsteine I-II. KVHAA (Stockholm 1941/1942).
S. Oehrl, Gotlands Bildsteine. Probleme und neue Wege ihrer Dokumentation, Lesung und Deutung. Studia archaeologiae medii aevi 3 (Friedberg 2019).
M. Stenberger, Vorgeschichte Schwedens (Berlin 1977).

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