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Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie

Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf
D-24837 Schleswig

Tel. +49/(0)4621 - 813-0
Fax +49/(0)4621 - 813-535
E-Mail: zbsa@schloss-gottorf.de

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aDNA-Labor

Dr. Elena Nikulina

► Zur Bildergalerie des aDNA-Labors im ZBSA

Zu den Projekten des aDNA-Labors

Moderne Nachfahren der Wikinger-Schafe?

Wanderwege von Rentieren im Spätglazial: eine interdisziplinäre Studie

 

Das ZBSA verfügt über eine der umfangreichsten Sammlungen prähistorischer und historischer Tierknochen in Mittel- und Nordeuropa. Insgesamt umfasst die Sammlung circa 1 Million Funde, die je nach Fundplatz vom Spätglazial bis in die frühe Neuzeit datieren. Diese Knochen, die für die Besiedlungs- und Kulturgeschichte Nordmitteleuropas und Skandinaviens von herausragender Bedeutung sind, sollen in den kommenden Jahren in großem Umfang im Hinblick auf die in ihnen enthaltene alte DNA untersucht werden. Solche molekularbiologischen Untersuchungen ermöglichen es, Aufschlüsse über Populationsstrukturen, Wanderbewegungen oder Handelsverbindungen zu erlangen. Zu diesem Zweck besitzt das ZBSA ein eigenes Labor für archäogenetische Analysen subfossiler Überreste von Wild- und Haustieren. Es ist das erste molekulargenetische Labor in Deutschland, das sich ausschließlich und speziell mit der Untersuchung alter tierischer DNA aus archäologischen Fundzusammenhängen beschäftigt. Mit seiner Gründung wurde 2010 eine bedeutende Lücke in der deutschen Forschungslandschaft geschlossen. Das lebhafte Interesse in- und ausländischer Archäologen an einer Kooperation belegt die überregionale Bedeutung dieses Laboratoriumss.

Die Archäogenetik am ZBSA beschäftigt sich mit der Klärung geisteswissenschaftlich relevanter archäologisch-historischer Fragestellungen. Dazu zählen die Bedeutung des Handels mit Tieren und Tierprodukten in vor- und frühgeschichtlicher Zeit oder Gründe und Abläufe der Veränderungen in der Jagdwildfauna. Mittels aDNA-Barcode-Analysen werden an aus faunistischen oder kulturgeschichtlich wichtigen Fundstücken auch Artbestimmungen durchgeführt.

Die Analyse der Erbsubstanz vor- und frühgeschichtlicher Tierknochen ist eine Methode von großem Reiz und immensem Potential für archäologische und historische Forschungen. Mit keiner anderen Methode lassen sich derart direkte Einblicke in die Struktur des Haustierbestandes und Veränderungen von Wildtierpopulationen gewinnen. Die Entschlüsselung von Ursprüngen und Verläufen von Tierwanderungen und deren Verknüpfung mit menschlichen Migrationen ist hier genauso zu nennen wie die Bestimmung von Zeitpunkt und Dauer bestimmter den Tierbestand betreffender Ereignisse wie Domestikationsabläufe oder Populationsschwankungen, die durch Umweltveränderungen oder Handelsverbindungen hervorgerufen wurden.

Diese Fragestellungen sind umso mehr an das im ZBSA lagernde zoologische Fundmaterial zu richten, das in den vergangenen Jahrzehnten unter morphometrischen Gesichtspunkten bereits wissenschaftlich begutachtet und publiziert wurde. Unsere archäogenetischen Analysen bauen dort auf bereits vorhandene morphometrische Untersuchungen und Erkenntnisse auf und erweitern diese wesentlich, indem sie erlauben, unmittelbare Rückschlüsse auf die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb eines Viehbestandes und damit über die Intensität und gesellschaftliche Ausprägung von Austauschprozessen zu gewinnen. Die Verknüpfung dieser Erkenntnisse mit den Analysen von Strontiumisotopen ermöglicht es weiterhin, ein wesentlich detaillierteres Bild von historischen lokalen und regionalen Handelskontakten und Migrationswegen zu erarbeiten als dies mit herkömmlichen Methoden möglich wäre.

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