{"version":"1.0","provider_name":"Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA)","provider_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en","author_name":"Matthias Bolte","author_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/author\/matthias-bolte\/","title":"Chronologie der steinzeitlichen Kultur- und Landschaftsentwicklung im \u00f6stlichen Baltikum, darin das DFG-Projekt \u201eRi\u0146\u0146ukalns\" - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","type":"rich","width":600,"height":338,"html":"<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"yrszznkwxB\"><a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/dfg-projekt-rinnukalns\/\">Chronologie der steinzeitlichen Kultur- und Landschaftsentwicklung im \u00f6stlichen Baltikum, darin das DFG-Projekt \u201eRi\u0146\u0146ukalns&#8220;<\/a><\/blockquote><iframe sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/dfg-projekt-rinnukalns\/embed\/#?secret=yrszznkwxB\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8220;Chronologie der steinzeitlichen Kultur- und Landschaftsentwicklung im \u00f6stlichen Baltikum, darin das DFG-Projekt \u201eRi\u0146\u0146ukalns&#8220;&#8221; &#8212; Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie\" data-secret=\"yrszznkwxB\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"wp-embedded-content\"><\/iframe><script type=\"text\/javascript\">\n\/* <![CDATA[ *\/\n\/*! This file is auto-generated *\/\n!function(d,l){\"use strict\";l.querySelector&&d.addEventListener&&\"undefined\"!=typeof URL&&(d.wp=d.wp||{},d.wp.receiveEmbedMessage||(d.wp.receiveEmbedMessage=function(e){var t=e.data;if((t||t.secret||t.message||t.value)&&!\/[^a-zA-Z0-9]\/.test(t.secret)){for(var s,r,n,a=l.querySelectorAll('iframe[data-secret=\"'+t.secret+'\"]'),o=l.querySelectorAll('blockquote[data-secret=\"'+t.secret+'\"]'),c=new RegExp(\"^https?:$\",\"i\"),i=0;i<o.length;i++)o[i].style.display=\"none\";for(i=0;i<a.length;i++)s=a[i],e.source===s.contentWindow&&(s.removeAttribute(\"style\"),\"height\"===t.message?(1e3<(r=parseInt(t.value,10))?r=1e3:~~r<200&&(r=200),s.height=r):\"link\"===t.message&&(r=new URL(s.getAttribute(\"src\")),n=new URL(t.value),c.test(n.protocol))&&n.host===r.host&&l.activeElement===s&&(d.top.location.href=t.value))}},d.addEventListener(\"message\",d.wp.receiveEmbedMessage,!1),l.addEventListener(\"DOMContentLoaded\",function(){for(var e,t,s=l.querySelectorAll(\"iframe.wp-embedded-content\"),r=0;r<s.length;r++)(t=(e=s[r]).getAttribute(\"data-secret\"))||(t=Math.random().toString(36).substring(2,12),e.src+=\"#?secret=\"+t,e.setAttribute(\"data-secret\",t)),e.contentWindow.postMessage({message:\"ready\",secret:t},\"*\")},!1)))}(window,document);\n\/\/# sourceURL=https:\/\/zbsa.eu\/wp-includes\/js\/wp-embed.min.js\n\/* ]]> *\/\n<\/script>","description":"Dr. Valdis B\u0113rzi\u0146\u0161 (LVI, Riga), Dr. Harald L\u00fcbke, Dr. John Meadows, PD Dr. habil. Ulrich Schm\u00f6lcke, Dr. Ilga Zagorska (LVI, Riga) In enger Kooperation mit dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte (Latvijas v\u0113stures instit\u016bts &#8211; LVI) sollen in einem umwelt- bzw. landschaftsarch\u00e4ologischen Forschungsansatz exemplarisch in bestimmten R\u00e4umen Lettlands die Kultur- und Landschaftsentwicklung vom Sp\u00e4tglazial bis zum beginnenden Subboreal untersucht und mit den aus dem westlichen Ostseegebiet vorliegenden Ergebnissen verglichen werden. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie der pr\u00e4historische Mensch seine Umwelt genutzt und sein sozio\u00f6konomisches Verhalten an die sich ver\u00e4ndernde Landschaft angepasst bzw. diese durch sein Verhalten selbst ver\u00e4ndert hat. Dazu ist in ausgew\u00e4hlten Untersuchungsgebieten zum einen eine m\u00f6glichst umfassende Aufnahme der bekannten bzw. durch Surveys neu zu erschlie\u00dfenden steinzeitlichen Fundstellen erforderlich, zum anderen m\u00fcssen die aussagekr\u00e4ftigen Fundstellen mit guten, stratifizierten Erhaltungsbedingungen untersucht werden, um exemplarisch Informationen zu Technologie, Ergologie und \u00d6konomie der steinzeitlichen Kulturen zu erhalten. In Norddeutschland werden dazu aktuell Forschungsarbeiten im Duvenseer und Satrupholmer Moor durchgef\u00fchrt, wichtige Ergebnisse hat zudem auch das mittlerweile abgeschlossene interdisziplin\u00e4re SINCOS-Projekt geliefert. In Lettland sind derzeit in enger Abstimmung mit den dortigen Kollegen V. B\u0113rzi\u0146\u0161 und I. Zagorska zwei Schwerpunktregionen f\u00fcr weitere Forschungsarbeiten vorgesehen: 1. Steinzeit-Siedlungen im Flusstal der Salaca, Distrikt Vidzeme, Nordost-Lettland Im Mittelpunkt der Forschungen stehen hier vor allem Steinzeit-Siedlungen am Ausfluss des Flusses Salaca aus dem Burtnieksee im nord\u00f6stlichen Lettland. Dazu z\u00e4hlt mit der Fundstelle Ri\u0146\u0146ukalns der einzige bekannte binnenl\u00e4ndische Muschelhaufenplatz im \u00f6stlichen Baltikum, vergleichbar den bekannten \u201eK\u00f8kkenm\u00f8ddinger\u201c-Fundstellen in D\u00e4nemark. Forschungsgeschichtlich ist dieser Fundplatz von besonderer Bedeutung, da er einer der ersten im Baltikum entdeckten steinzeitlichen Fundstellen ist. Dieses gelang in den 1870er Jahren dem deutsch-lettischen Grafen Carl Sievers, einem der Pioniere der arch\u00e4ologischen Forschung Lettlands. Da Sievers bei der Bewertung dieser Fundstelle aber erheblichen Widerspruch durch den damals im Baltikum f\u00fchrenden Geschichtsforscher Prof. C. Grewingk, Univ. Dorpat (Tartu), erfahren hatte, lud er 1877 Rudolf Virchow zu einem Besuch der damaligen Provinz Livland ein, um u.a. auch die Fundstelle Ri\u0146\u0146ukalns zu besichtigen. \u00dcber diesen Besuch hat R. Virchow einen Bericht \u00fcber eine \u201earch\u00e4ologische Reise nach Livland\u201c verfasst, der in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft f\u00fcr Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Sitzungsbericht vom 20. October 1877, S. 18-90, abgedruckt ist. Darin schloss er sich weitgehend den Ansichten C. Sievers an, so dass auch nach dessen fr\u00fchem Tod 1879 die wissenschaftlichen Diskussion \u00fcber die Bedeutung der Fundstelle zwischen Grewingk und seinen Sch\u00fclern auf der einen und Virchow auf der anderen Seite anhielt. Der Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns selbst galt nach weiteren Ausgrabungen am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als vollst\u00e4ndig ausgegraben und f\u00fcr weitere Forschungen als ersch\u00f6pft. So gab es zwar in den Sammlungen Dorpat (Tartu), Riga und auch Berlin umfangreiches steinzeitliches Fundmaterial, vor allem Knochenger\u00e4te und Keramik. Aufgrund der teilweise verschollenen Grabungsdokumentationen fehlte aber jegliche stratigraphische Information f\u00fcr eine genauere Datierung der Fundstelle. F\u00fcr eine Einordnung dieser f\u00fcr die steinzeitliche Siedlungsgeschichte der ansonsten unter Leitung von I. Zagorska gut erforschten Region so bedeutenden Fundstelle waren kaum gesicherte Aussagen m\u00f6glich, so dass der Ri\u0146\u0146ukalns f\u00fcr die lettische Steinzeitforschung nur noch forschungsgeschichtlich interessant erschien. Bei Voruntersuchungen 2009 und 2010 durch ein lettisch-deutsches Unterwasserarch\u00e4ologenteam wurden erstmals auch unmittelbar vor dem Fundplatz im Flussbett der Salaca urgeschichtliche Tierknochen entdeckt. Diese lagen in str\u00f6mungsarmen Randbereichen des Flusses auf einem steinigen Flussbett auf, welches heute mit bis zu 50 cm m\u00e4chtigem Schlick \u00fcberlagert ist. Weitere Funde konnten zudem auf dem der Fundstelle Rinnukalns gegen\u00fcberliegenden Ufer vor der dort befindlichen zweiten Fundstelle Kaunakalns nachgewiesen werden. Von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung war aber, dass bei der genaueren Inspektion des stark verkrauteten und mit Unterholz zugewachsenen H\u00fcgels alte Eingrabungen im H\u00fcgel erkannt wurden, die m\u00f6glicherweise auf fr\u00fchere Grabungsschnitte zur\u00fcckzuf\u00fchren waren. Deshalb wurde beschlossen, in 2011 eine Testgrabung durchzuf\u00fchren, um diese mutma\u00dflichen alten Schnitte wieder zu \u00f6ffnen und die Profile zur \u00dcberpr\u00fcfung einer eventuell noch vorhandenen Stratigraphie freizulegen. Zur Vorbereitung dieser Untersuchungen wurde zun\u00e4chst eine geophysikalische Vermessung des H\u00fcgels und seines Vorfeldes durch das Institut f\u00fcr Geowissenschaften der CAU Kiel in Auftrag gegeben. Diese Feldarbeiten fanden im April 2011 unmittelbar nach der Schneeschmelze durch H. St\u00fcmpel, C. Klein und zwei studentische Hilfskr\u00e4fte vom Kieler Institut statt, begleitet wurden sie dabei von V. B\u0113rzi\u0146\u0161, LVI, und H. L\u00fcbke, ZBSA. W\u00e4hrend die geomagnetische Untersuchung des Feldes vor dem Fundplatz nur unmittelbar \u00f6stlich des H\u00fcgels auff\u00e4llige Anomalien und somit keine weiteren Hinweise auf Siedlungsspuren im Umfeld ergab, war die Georadarvermessung des H\u00fcgels selbst sehr viel erfolgversprechender. Die Untersuchungen zeigten in vielen Bereichen des H\u00fcgels au\u00dferhalb der mutma\u00dflichen alten Grabungsschnitte klare, ungest\u00f6rte, starke Schichtungen, innerhalb dieser hingegen stark gest\u00f6rte Signale. Diese Ergebnisse waren ein deutlicher Hinweis, dass in gro\u00dfen Bereichen des H\u00fcgels entgegen der fr\u00fcheren Ansicht immer noch intakte Fundschichten erhalten geblieben sind. Endg\u00fcltig best\u00e4tigt wurde diese Annahme durch die Testgrabung im August 2011, die durch &nbsp;Unterst\u00fctzung des Baltisch-Deutschen Hochschulkontors, Riga, erm\u00f6glicht wurde. Die Leitung lag in den H\u00e4nden von I. Zagorska und V. B\u0113rzi\u0146\u0161, LVI, vom ZBSA war H. L\u00fcbke als Kooperationspartner beteiligt. Als G\u00e4ste nahmen au\u00dferdem zeitweilig J. Meadows, ZBSA, C. Heron, Bradford University, und O. Craig, York University, an der Ausgrabung teil. Von den insgesamt vier Testschnitten auf und im Vorfeld des H\u00fcgels lieferte der Schnitt 1 die wichtigsten Ergebnisse. Hier konnte im s\u00fcdlichen, vom Fluss her gesehen hinteren Teil des Muschelhaufens eine stratifizierte Schichtabfolgen aus Muschelschalen, Fischresten und Holzkohlen beobachtet werden, in denen sich zahlreiche Tierknochen, Keramikscherben und einzelne Steinartefakte befanden. Auch unter dem Muschelhaufen im anstehenden humosen Oberboden konnten mindestens zwei weitere Kulturschichten festgestellt werden. Aus diesem Schnitt konnte umfangreiches arch\u00e4ologisches und naturwissenschaftliches Probenmaterial geborgen werden. So wurde unter anderem eine umfangreiche Probenserie ausgew\u00e4hlter Fundst\u00fccke zur Radiokarbondatierung beim Leibniz-Labor der CAU in Kiel eingereicht, um eine erste absolut-chronologische Einordnung des Fundplatzes zu erm\u00f6glichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Muschelhaufen zumindest in dem freigelegten s\u00fcdlichen Teil in einer recht kurzen Zeitphase von nur wenigen Jahrzehnten aufgesch\u00fcttet wurde und in das sp\u00e4te nordosteurop\u00e4ische Mittelneolithikum zwischen 3400 und 3300 v. Chr. datiert. Ein wesentlicher Streitpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zwischen C. Sievers und R. Virchow auf der einen und C. Grewingk auf der anderen Seite war die Altersstellung von insgesamt vier Bestattungen, die nach Angaben C. Sievers bei seinen Ausgrabungen stratigraphisch eindeutig von ungest\u00f6rten steinzeitlichen Muschelschichten \u00fcberlagert angetroffen wurden und somit im Gegensatz zu den zahlreich in den oberen Schichten des H\u00fcgels angetroffenen sp\u00e4tmittelalterlich\/fr\u00fchneuzeitlich zu datierenden Gr\u00e4bern in die Steinzeit zu datieren w\u00e4ren. Dieser Streit wurde seinerzeit nicht abschlie\u00dfend entschieden, weil w\u00e4hrend der Anwesenheit R. Virchows bei den Ausgrabungen auf der Fundstelle kein weiteres Skelett in vergleichbarer stratigraphischer Position festgestellt wurde und nur zwei Jahre sp\u00e4ter C. Sievers \u00fcberraschend fr\u00fch verstarb. Um auch diesen Forschungsstreit abschlie\u00dfend zu kl\u00e4ren, war es notwendig, den Verbleib der menschlichen Skelettreste zu kl\u00e4ren, deren Verbleib zun\u00e4chst unbekannt war. Aus den Berichten R. Virchows war aber zu entnehmen, dass C. Sievers diese nach Berlin gesandt und R. Virchow f\u00fcr seine anthropologische Sammlung \u00fcberlassen hatte. Eine Anfrage bei der Berliner Gesellschaft f\u00fcr Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte ergab, dass die anthropologische Rudolf-Virchow-Sammlung lange Zeit im Besitz des Medizinhistorischen Museums der Berliner Charit\u00e9 gewesen ist, die ur- und fr\u00fchgeschichtlichen Funde der Sammlung aber der Gesellschaft 2011 zur\u00fcckgegeben worden sind. Darunter befanden sich auch alle Sch\u00e4del und Skelettreste des Fundplatzes Ri\u0146\u0146ukalns. Daraufhin konnte mit Unterst\u00fctzung der zust\u00e4ndigen Kustodin B. Te\u00dfmann im November 2011 das gesamte anthropologische Fundmaterial des Fundplatzes gesichtet und von allen fraglichen Sch\u00e4deln Proben f\u00fcr eine Altersdatierung und Analyse der stabilen Isotopen entnommen werden. Die Ergebnisse der Radiokarbondatierungen haben gezeigt, dass zwei der insgesamt sieben beprobten Menschensch\u00e4del aus dem Neolithikum stammen. Dabei handelt es sich um die beiden Gr\u00e4ber, die bereits Sievers aufgrund seiner stratigraphischen Beobachtungen und nicht anhand vermeintlicher Grabbeigaben f\u00fcr steinzeitlich gehalten hatte \u2013 eine These, die durch zeitgen\u00f6ssische Gelehrte starken Widerspruch erfahren hatte und erst jetzt durch die Datierungen abschlie\u00dfende Best\u00e4tigung erh\u00e4lt. Ein vergleichbares 14C-Alter hat auch ein menschliches Oberkieferfragment aus den Muschelschichten geliefert. Die Datierungen fallen zwar etwas \u00e4lter aus als die der \u00fcbrigen Funde aus den Muschelschichten, die gleichzeitig durchf\u00fchrten Messungen der stabilen Isotopen 13C und 15N zeigen aber, dass es sich um Reservoireffekte handelt, die durch den intensiven Verzehr limnischer Ressourcen (Fisch, Muscheln) verursacht wurden. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass durch die diesj\u00e4hrigen Untersuchungen grundlegende neue Erkenntnisse zum Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns und damit zur steinzeitlichen Besiedlung Nordlettlands gewonnen werden konnten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind mittlerweile in mehren Aufs\u00e4tzen publiziert worden bzw. zum Druck eingereicht. Wegen der enormen Bedeutung des Fundplatzes und allgemein f\u00fcr die steinzeitliche Besiedlungsgeschichte der Region um den Burtnieksee ist es w\u00fcnschenswert, diese Untersuchungen auch in den n\u00e4chsten Jahren fortzusetzen. Literatur zu Ri\u0146\u0146ukalns: B\u0113rzi\u0146\u0161, Brinker, Klein, L\u00fcbke, Meadows, Rudz\u012bte, Schm\u00f6lcke, St\u00fcmpel, Zagorska 2014 &#8211; New research at Ri\u0146\u0146ukalns, a Neolithic freshwater shell midden in northern Latvia. Meadows, L\u00fcbke, Zagorska, B\u0113rzi\u0146\u0161, Ceri\u0146a &amp; Ozola 2014 &#8211; Potential Freshwater Reservoir Effects in a Neolithic Shell Midden at Ri\u0146\u0146ukalns, Latvia. Rudz\u012bte, Zagorska, L\u00fcbke &amp; B\u0113rzi\u0146\u0161 2012 &#8211; Molluscs from a new archaeological excavation at Ri\u0146\u0146ukalns, Latvia. 2. Steinzeitliche Fundstellen im Flusstal der U\u017eava, Distrikt Kurzeme, Lettland In dieser Modellregion sind landschafts- und siedlungsarch\u00e4olo\u00adgische Forschungen in einer eustatisch und isostatisch gepr\u00e4gten K\u00fcstenniederungslandschaft des \u00f6stlichen Baltikums vorgesehen, die zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der mesolithischen Kulturentwicklung in Folge der Umweltver\u00e4nderungen an &nbsp;der Ostseek\u00fcste und im Hinterland f\u00fchren sollen. Erste Untersuchungen fanden an der Fundstelle Sise statt, wo seit 1928 mehrere mittelsteinzeitliche Hirschgeweihger\u00e4te im Flussbett der U\u017eava gefunden wurden. Ziel der Feldkampagne eines lettisch-deutsches Arch\u00e4ologenteams unter Leitung von V. B\u0113rzi\u0146\u0161 war die \u00dcberpr\u00fcfung der Herkunft dieser Fundst\u00fccke und die Gewinnung zus\u00e4tzlicher Informationen zur quart\u00e4rgeologischen Ausgangssituation in diesem Gel\u00e4ndeabschnitt. Die taucharch\u00e4ologischen Sondierungen, an denen neben den deutschen Forschungstauchern vom ZBSA auch der lettische Unterwasserarch\u00e4ologe V. Rains vom Stadtmuseum Jurmala beteiligt war, ergaben, dass die U\u017eava am s\u00fcdlichen Ortsrand von Sise einen fr\u00fchholoz\u00e4nen Quelltopf durchschneidet, an dessen R\u00e4ndern noch pr\u00e4-litorinazeitliche Torf- und Muddeablagerungen erhalten geblieben sind. In diesem Quelltopf wurden weitere mesolithische Geweihartefakte sowie wohl zeitgleiche, zerschlagene Tierknochen entdeckt. Erg\u00e4nzend zu den Tauchuntersuchungen wurden entlang des Flussufers an mehreren Stellen Bodenaufschl\u00fcsse aufgegraben, um zus\u00e4tzliche Informationen zur Geologie der Fundstelle zu gewinnen. Von besonderer Bedeutung war hierbei der Nachweis eines pr\u00e4littorinazeitlichen Torf-\/Muddeschichtpaketes, das von marinen Sanden der Littorinatransgression \u00fcberlagert wurde. Durch die kombinierten geo-arch\u00e4ologischen Arbeiten konnten wichtige neue Erkenntnisse zur Genese der arch\u00e4ologischen Fundstelle erzielt werden. In den folgenden zwei Jahren konnte der Bestand an Knochen- und Geweihger\u00e4ten durch den ortsans\u00e4ssigen Amateurarch\u00e4ologen Aivars Priedoli\u0146\u0161 durch systematisches Absuchen des Flussbettes vor allem unterhalb des untersuchten Quelltopfes betr\u00e4chtlich erweitert werden. Hervorzuheben sind unter den Neufunden insbesondere verschiedene Geweih\u00e4xte mit tierkopfartig gestalteten Nackenformen. Nach den Ergebnissen der 2010 eingereichten 14C-Datierungen, die ebenso wie eine bereits fr\u00fchere Datierung eines Altfundes in das beginnende 6. vorchristliche Jahrtausend fallen, ist f\u00fcr die Masse der Fundst\u00fccke ein sp\u00e4tmesolitisches, pr\u00e4littorinazeitliches Alter vorauszusetzen. Allerdings befinden sich unter den Neufunden auch zwei T-f\u00f6rmige Hirschgeweih\u00e4xte sowie einzelne gr\u00f6\u00dfere kammkeramische Scherben, so dass zumindest von einer weiteren Siedlungsphase im Randbereich des Quelltopfes auszugehen ist, die zeitlich an das Ende des 5. vorchristlichen Jahrtausends nach dem Littorina-Transgressionsmaximum zu setzen ist. Gezielte Begehungen der an den Flusslauf ober- und unterhalb des Quelltopfes angrenzenden Felder durch V. B\u0113rzi\u0146\u0161 erbrachten au\u00dferdem Hinweise auf mindestens zwei steinzeitliche Fundstellen. Interessant sind au\u00dferdem die 14C-Ergebnisse der zur Datierung eingereichten makrobotanischen Reste aus den basalen Torf-\/Muddeschichten des fr\u00fchholoz\u00e4nen Quelltopfes. Sie zeigen, dass die Bildung organischer Schichten bereits zu Beginn des Boreals einsetzte, also vor dem Ancylussee-Transgressionsmaximum. Die heutige U\u017eava folgt mit ihrem Flussbett im Bereich der Fundstellen weitgehend einem bereits im Fr\u00fchholoz\u00e4n vorhandenem Gew\u00e4ssersystem, dass hier aus den s\u00fcd\u00f6stlich angrenzenden Mor\u00e4nenfl\u00e4chen in das K\u00fcstenniederungsgebiet eintritt. W\u00e4hrend der H\u00f6chstst\u00e4nde der borealen Ancylus- und der atlantischen Littorinatransgression mu\u00df sich hier zeitweilig das M\u00fcndungsgebiet dieser Flussl\u00e4ufe befunden haben. Im Rahmen der Feldarbeiten 2012 waren Sondageschnitte vorgesehen, die zum einen zus\u00e4tzliche Erkenntnisse zur \u00f6rtlichen quart\u00e4rgeologischen Situation und zum anderen Aufschluss \u00fcber intakte arch\u00e4ologische Kulturschichten im Bereich des Quelltopfes und einer flussaufw\u00e4rts gelegenen Oberfl\u00e4chenfundstelle liefern sollten. Dabei erwies sich die quart\u00e4rgeologische Situation als sehr komplex, da sich auch in relativ nahe beieinander befindlichen Testschnitten unter den post-littorinazeitlichen fluviatilen Kolluvien sehr unterschiedliche Sedimente aus marinen bzw. limnischen Sanden und\/oder organischen Ablagerungen zeigten. Das wurde auch durch die naturwissenschaftlichen Begleituntersuchungen der gewonnenen Sediment- und Molluskenproben durch L. Kalni\u0146a, A. Ceri\u0146a und M. Rudz\u012bte, Lettische Universit\u00e4t Riga, best\u00e4tigt. Die Suche nach erhaltenen arch\u00e4ologischen Fundschichten...","thumbnail_url":"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/LettlandKooperationsprojektAbb01RinnukalnsLettland201006Websize-300x225.jpg"}