{"version":"1.0","provider_name":"Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA)","provider_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en","author_name":"Matthias Bolte","author_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/author\/matthias-bolte\/","title":"Juni 2021 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","type":"rich","width":600,"height":338,"html":"<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"NW0DFgHCsW\"><a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/juni-2021\/\">Juni 2021<\/a><\/blockquote><iframe sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/juni-2021\/embed\/#?secret=NW0DFgHCsW\" width=\"600\" height=\"338\" title=\"&#8220;Juni 2021&#8221; &#8212; Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie\" data-secret=\"NW0DFgHCsW\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"wp-embedded-content\"><\/iframe><script type=\"text\/javascript\">\n\/* <![CDATA[ *\/\n\/*! This file is auto-generated *\/\n!function(d,l){\"use strict\";l.querySelector&&d.addEventListener&&\"undefined\"!=typeof URL&&(d.wp=d.wp||{},d.wp.receiveEmbedMessage||(d.wp.receiveEmbedMessage=function(e){var t=e.data;if((t||t.secret||t.message||t.value)&&!\/[^a-zA-Z0-9]\/.test(t.secret)){for(var s,r,n,a=l.querySelectorAll('iframe[data-secret=\"'+t.secret+'\"]'),o=l.querySelectorAll('blockquote[data-secret=\"'+t.secret+'\"]'),c=new RegExp(\"^https?:$\",\"i\"),i=0;i<o.length;i++)o[i].style.display=\"none\";for(i=0;i<a.length;i++)s=a[i],e.source===s.contentWindow&&(s.removeAttribute(\"style\"),\"height\"===t.message?(1e3<(r=parseInt(t.value,10))?r=1e3:~~r<200&&(r=200),s.height=r):\"link\"===t.message&&(r=new URL(s.getAttribute(\"src\")),n=new URL(t.value),c.test(n.protocol))&&n.host===r.host&&l.activeElement===s&&(d.top.location.href=t.value))}},d.addEventListener(\"message\",d.wp.receiveEmbedMessage,!1),l.addEventListener(\"DOMContentLoaded\",function(){for(var e,t,s=l.querySelectorAll(\"iframe.wp-embedded-content\"),r=0;r<s.length;r++)(t=(e=s[r]).getAttribute(\"data-secret\"))||(t=Math.random().toString(36).substring(2,12),e.src+=\"#?secret=\"+t,e.setAttribute(\"data-secret\",t)),e.contentWindow.postMessage({message:\"ready\",secret:t},\"*\")},!1)))}(window,document);\n\/\/# sourceURL=https:\/\/zbsa.eu\/wp-includes\/js\/wp-embed.min.js\n\/* ]]> *\/\n<\/script>","description":"Der \u201eMythos Wiskiauten\u201c gibt seine R\u00e4tsel preis Annika Sirkin M.A. Mit dem \u00fcberaus erfolgreichen Abschluss der Promotion \u201eStudien zur fr\u00fchmittelalterlichen Siedlungslandschaft im Samland am Beispiel des Fundplatzes Wiskiauten (Mochovoe)\u201c geht nun das letzte Kapitel zu den Siedlungsuntersuchungen in Wiskiauten\/Mochovoe zu Ende. Dieser Fundplatz, im Norden des einst ostpreu\u00dfischen Samlands (heute Kaliningrader Gebiet, Russland), nur wenige Kilometer von der Ostseek\u00fcste und dem lagunenartigen Kurischen Haff gelegen, besitzt eine \u00fcber 150-j\u00e4hrige Forschungsgeschichte und war vor dem Zweiten Weltkrieg eines der bekanntesten arch\u00e4ologischen Denkm\u00e4ler des deutschsprachigen Raums.1865 im W\u00e4ldchen Kaup bei Wiskiauten entdeckt, wurde das vornehmlich wikingerzeitliche Gr\u00e4berfeld mit seinen reichen Beigaben teils skandinavischer, teils pru\u00dfischer Herkunft und den ca. 500 auff\u00e4lligen, f\u00fcr die \u00f6rtlichen Pru\u00dfen un\u00fcblichen Grabh\u00fcgeln von zahlreichen Altertumsfreunden und Arch\u00e4ologen ausgegraben (s. Projekt von Dr. Chr. Jahn). Die belegte Anwesenheit von Skandinavier:innen im pru\u00dfischen Raum und dessen vermeintliche Kolonialisierung unterf\u00fctterte vorgefertigte Forschungsmeinungen im Sinne des Zeitgeists der ersten H\u00e4lfte des 20. Jh., weshalb die Exponate auch in der Ausstellung des Prussia-Museums im K\u00f6nigsberger Schloss bis kurz vor seiner Zerst\u00f6rung 1945 besonderen Raum erhielten. Die mehrfach diskutierte, zum Gr\u00e4berfeld geh\u00f6rige \u201eKolonie\u201c selbst wurde allerdings nie gefunden und blieb bis in j\u00fcngste Zeit ein Mythos. Plan der bekannten H\u00fcgel- und Flachgr\u00e4ber sowie des sog. Aschenplatzes im Gr\u00e4berfeld Kaup (von zur M\u00fchlen 1975, Taf. 2). Beigabeninventare zweier wikingerzeitlicher Frauenbestattungen mit paarigen (skandinavischen) Schalenfibeln, Dosenfibeln (typisch f\u00fcr Gotland), Armreifen, Perlenketten, einem Schl\u00fcssel, einer Schere und einer Trense (ebd. Taf. 23). Erst 2005 wurde in einem vom ESF, der DFG und RGK finanzierten, deutsch-russischen Kooperationsprojekt ein neuer Versuch genommen, die zum Gr\u00e4berfeld geh\u00f6rige Siedlung zu finden, die in der Fachliteratur l\u00e4ngst als Seehandelsplatz gilt und mit anderen, wie Haithabu, Birka oder Truso, auf einen Rang gestellt wird. In der interdisziplin\u00e4ren Studie unter der Leitung von Dr. T. Ibsen (ZBSA) wurden bis 2011 rings um das Gr\u00e4berfeld ca. 155 ha mit der nicht-invasiven Geomagnetikmethode untersucht, knapp 350 Bohrungen (P\u00fcrckhauer) zur Analyse geomagnetischer Anomalien und geologischen Voruntersuchung vorgenommen, \u00fcber 2,1 ha arch\u00e4ologisch ausgegraben, \u00fcber 36.500 Funde get\u00e4tigt, 134 Radiokarbonproben zur Altersbestimmung analysiert sowie verschiedene arch\u00e4ozoologische und arch\u00e4obotanische Analysen ausgef\u00fchrt. Bereits in der (Link 4) Dissertation des Ausgr\u00e4bers, Dr. T. Ibsen, die er noch w\u00e4hrend der Untersuchungen fertigstellte, wurde deutlich, dass sich die Siedlungslandschaft wesentlich komplexer darstellt, als bislang angenommen wurde, was die Fortsetzung der Kampagnen erforderte. Ab 2016 fand bis 2020 die endg\u00fcltige Auswertung aller Untersuchungsergebnisse durch A. Sirkin statt (finanziert in Form eines Dissertationsstipendiums der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, im Rahmen des an das ZBSA gekn\u00fcpfte Akademieprojekt &#8222;Forschungskontinuit\u00e4t und Kontinuit\u00e4tsforschung \u2013 Siedlungsarch\u00e4ologische Grundlagenforschung zur Eisenzeit im Baltikum&#8220;). Nach Abschluss aller Auswertungen zeigt sich nun ein \u00fcberraschendes Bild der Siedlungsvorg\u00e4nge: Der erwartete Seehandelshafen liegt trotz der reichen und zumindest teilweise als skandinavisch anzusprechenden Bestattungen im W\u00e4ldchen Kaup nicht im direkten Umkreis des Gr\u00e4berfeldes. Vielmehr konnten vier einzelne Siedlungsareale nachgewiesen werden, die \u2013 mit Unterbrechungen \u2013 teils seit dem Neolithikum bis mindestens Mitte des 11. Jh. bestanden. Es zeichnet sich dabei jedoch klar ab, dass es zur Hauptbelegungsphase des Gr\u00e4berfeldes (9.\u201311. Jh.) einen starken Anstieg an Siedlungsaktivit\u00e4ten und einen Import von Waren aus weit entfernten Kulturr\u00e4umen gibt, wie etwa dem arabischen, wolgabulgarischen, byzantinischen, karolingischen und sp\u00e4ter auch zur Rus\u00b4. Dies und andere Anzeichen, wie z.B. Belege der Bernsteinperlenproduktion, ein leichter \u00dcberschuss in der Fleischproduktion oder eine Akkumulation von Siedlungshinweisen in der weiteren Umgebung, deuten darauf hin, dass diese Siedlungen als eine Art Satelliten zur Versorgung eines Seehandelsplatzes beitrugen. Eine Neuinterpretation der fr\u00fchmittelalterlichen K\u00fcstenverl\u00e4ufe liefert erste Hinweise darauf, wo dieser noch immer zu erwartende Marktplatz liegen k\u00f6nnte. Die vier Siedlungsareale (A\u2013D) von Wiskiauten, rund um das Gr\u00e4berfeld Kaup gelegen (Sirkin 2020, Abb. 55). Fundm\u00fcnzen aus den Siedlungsarealen von Wiskiauten: 1: Sp\u00e4tbyzantinische Miliarese. \u2013 2: Ottonischer Denar. \u2013 3, 4: Dirham. \u2013 5: mutma\u00dfliche Ronde. \u2013 6: mutma\u00dfliche M\u00fcnze. \u2013 7: Preu\u00dfische M\u00fcnze. \u2013 8: Preu\u00dfischer Groschen. \u2013 9: Preu\u00dfischer Pfenning. \u2013 10: sp\u00e4tantike Kleinerzm\u00fcnze (Sirkin 2020, Abb. 102). Um alle Resultate zum Fundplatz Wiskiauten konzentriert vorzulegen, sind f\u00fcr 2022\/23 monografische Publikationen von Chr. Jahn zu den vorkriegszeitlichen Ausgrabungen im Gr\u00e4berfeld Kaup sowie gemeinsam von A. Sirkin und T. Ibsen zu den siedlungsarch\u00e4ologischen Untersuchen von 2005\u20132011 geplant, die in der Reihe \u201eStudien zur Siedlungsgeschichte und Arch\u00e4ologie der Ostseegebiete\u201c erscheinen sollen. Weitere Informationen: Projektwebseite WiskiautenAnnika Sirkin | Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology &#8211; Academia.edu Literatur: IBSEN 2009: T. Ibsen, \u201eEtwa hier die Siedlung\u201c \u2013 Der wikingerzeitliche Fundplatz von Wiskiauten\/Mohovoe im Kaliningrader Gebiet im Lichte alter Dokumente und neuer Forschungen.Dissertation auf Academia.edu VON ZUR M\u00dcHLEN 1975: B. von zur M\u00fchlen, Die Wikingerfunde in Ostpreu\u00dfen. In: H. Jankuhn (Hrsg.), Forschungs- und Lehrgemein\u00acschaft \u201eDas Ahnenerbe\u201c. Bericht \u00fcber die Kieler Tagung 1939 (Neum\u00fcnster 1944) 139\u2013153. SIRKIN 2020: A. Sirkin, Studien zur fr\u00fchmittelalterlichen Siedlungslandschaft im Samland am Beispiel des Fundplatzes Wiskiauten (Mochovoe) (Dissertation Universit\u00e4t Kiel 2020).","thumbnail_url":"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/1_06-2021-sirkin-300x279.jpg"}