{"id":1017,"date":"2021-03-03T10:40:33","date_gmt":"2021-03-03T09:40:33","guid":{"rendered":"https:\/\/zbsa.eu\/?p=1017"},"modified":"2021-03-03T10:40:34","modified_gmt":"2021-03-03T09:40:34","slug":"april-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/april-2020\/","title":{"rendered":"April 2020"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Ausbruch des Laacher See Vulkans und seine Auswirkungen in Schleswig-Holstein<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Sascha Kr\u00fcger M.A.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Promotionsprojektes wurden in diesem Jahr die palynologischen und tephrochronologischen Analysen der Sedimente des Nahe Pal\u00e4osees (Kreis Segeberg, Abb. 1) abgeschlossen. Zu den wichtigsten Ergebnissen z\u00e4hlt dabei, dass insgesamt drei mikroskopische Vulkanaschelagen, sogenanntes Cryptotephra Abb. 2, gefunden werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Cryptotephra handelt es sich um winzige Partikel glas\u00e4hnliche Verbindungen, die im Falle der hier gefundenen Lagen sogar morphologisch unterschieden werden k\u00f6nnen. Sie bieten zeitparallele Markierungs-Horizonte die genaue Korrelationen zwischen stratigraphische Sequenzen zulassen. Dies liegt darin begr\u00fcndet, dass Vulkanausbr\u00fcche und die damit verbundene Ablagerung der Asche \u00fcber einen gro\u00dfen Gebiet in einem geologisch gesehen extrem kurzen Zeitfenster passiert und damit als zeitlich synchron gelten kann. Die Anwendung solcher Marker-Horizonte ist besonders wertvoll bei der Interpretation sp\u00e4tglazialer und fr\u00fch-Holoz\u00e4ner Schichten (etwa im Zeitraum zwischen 15.000 bis 10.000 vor heute). Die Korrelation und Datierung von Sequenzen aus dieser Zeit mit Hilfe der Radiokarbondatierung allein ist schwierig und mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Die Nutzung der Tephrochronologie bietet hier eine zus\u00e4tzliche zeitliche Sicherheit, aber auch unabh\u00e4ngige Korrelationsm\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sedimenten des Nahe Pal\u00e4osees wurden Partikel der Saksunarvatn Asche (etwa 10.250 vor heute), der Vedde Asche (etwa 12.050 vor heute) und der Laacher See Tephra (Abb. 3, etwa 12.900 vor heute) gefunden. Vedde und Saksunarvat sind Eruptionen isl\u00e4ndischer Vulkansysteme. Die Laacher See Eruption geschah hingegen im Herzen Europas und ist die schwerste vulkanische Eruption des Sp\u00e4tglazials.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eruptive Zentrum \u2013 der heutige Laacher See nahe Koblenz \u2013 liegt etwa 500 km s\u00fcdwestlich des Nahe Pal\u00e4osees. Bisher wurden keine Spuren der Laacher See Tephra nordwestlich des H\u00e4melsees (Niedersachsen) entdeckt. Die Untersuchungen der Sedimente des Nahe Pal\u00e4osees setzen nun einen weiteren Fundpunkt auf die Landkarte, deutlich au\u00dferhalb des bekannten Aschef\u00e4chers (Abb. 4).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Laacher See Tephra ist als mikroskopische Lage in eine jahresgeschichtete Sequenz der gewonnenen Bohrkernsedimente eingebettet. Dadurch ist gew\u00e4hrleistet, dass mithilfe einer breiten Palette interdisziplin\u00e4rer Analysen (geochemisch, sedimentologisch, palynologisch) auch der Einfluss des Ausbruches von etwa 12.900 Jahren vor heute auf die lokale Umwelt des Nahe Pal\u00e4osees untersucht werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der geochemischen und sedimentologischen Untersuchungen, welche von Stefan Dreibrodt (CAU) durchgef\u00fchrt wurden, zeigen eine unmittelbare Reaktion des Seesystems auf die Eruption des Laacher See Vulkans (LSE). Unwetter und Starkregenereignisse sind wahrscheinliche Ausl\u00f6ser erh\u00f6hter Erosion der Ufersedimente und vermehrten Eintrages aus dem Einzugsgebiet des Sees in den ersten vier Jahren nach der Eruption. Eine Versauerung des Seesystems bis 50 Jahre nach dem Ausbruch ist das Resultat des eingetragenen schwefelhaltigen Aerosols.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4nderung des pH-Wertes verschob deutlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Wachstum verschiedener Kiesel- und Gr\u00fcnalgen (u.a. Pediastrum sp. und Botryococcus sp.). Ein Wechsel in der Algenflora und damit in der Nahrungskette, k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass sich auch eine \u00c4nderung in der Zusammensetzung der Fischarten des Seesystems ergeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Sicht sp\u00e4tglazialer J\u00e4ger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins ist diese Ver\u00e4nderung des Nahrungsangebotes neben den starken Unwettern unmittelbar nach der Eruption die einzig wahrnehmbare Auswirkung auf die lokale Umwelt. Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der lokalen Vegetation lassen sich nicht aus den Ergebnissen der Pollenanalysen ableiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erhobenen Daten belegen au\u00dferdem das Einsetzen st\u00e4rkerer Westwinde ab 120 Jahren nach der Eruption. Die Verlagerung dieser Winde nach S\u00fcden (von Skandinavien nach Mitteleuropa) ist f\u00fcr eine fr\u00fchere Phase (40 Jahre nach LSE) in Norwegen und f\u00fcr eine sp\u00e4tere Phase (200 Jahre nach LSE) f\u00fcr S\u00fcdwestdeutschland belegt. Damit f\u00fcgen sich die Ergebnisse aus dem Nahe Pal\u00e4osee in bisherige Untersuchungen ein und sind in der Lage, die Geschwindigkeit dieser s\u00fcdw\u00e4rts gerichteten Verschiebung der Winde zu bestimmen:<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 40 und 120 Jahren nach der LSE (von 62\u00b0 N nach 53.5\u00b0 N) ca. 12 km pro Jahr und zwischen 120 und 200 Jahren nach der LSE (von 53.5\u00b0 N nach 50 \u00b0 N) ca. 5 km pro Jahr.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausbruch des Laacher See Vulkans und seine Auswirkungen in Schleswig-Holstein Sascha Kr\u00fcger M.A. Im Rahmen des Promotionsprojektes wurden in diesem Jahr die palynologischen und tephrochronologischen Analysen der Sedimente des Nahe Pal\u00e4osees (Kreis Segeberg, Abb. 1) abgeschlossen. Zu den wichtigsten Ergebnissen z\u00e4hlt dabei, dass insgesamt drei mikroskopische Vulkanaschelagen, sogenanntes Cryptotephra Abb. 2, gefunden werden konnte. Bei Cryptotephra handelt es sich um winzige Partikel glas\u00e4hnliche Verbindungen, die im Falle der hier gefundenen Lagen sogar morphologisch unterschieden werden k\u00f6nnen. Sie bieten zeitparallele Markierungs-Horizonte die genaue Korrelationen zwischen stratigraphische Sequenzen zulassen. Dies liegt darin begr\u00fcndet, dass Vulkanausbr\u00fcche und die damit verbundene Ablagerung der Asche \u00fcber einen gro\u00dfen Gebiet in einem geologisch gesehen extrem kurzen Zeitfenster passiert und damit als zeitlich synchron gelten kann. Die Anwendung solcher Marker-Horizonte ist besonders wertvoll bei der Interpretation sp\u00e4tglazialer und fr\u00fch-Holoz\u00e4ner Schichten (etwa im Zeitraum zwischen 15.000 bis 10.000 vor heute). Die Korrelation und Datierung von Sequenzen aus dieser Zeit mit Hilfe der Radiokarbondatierung allein ist schwierig und mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. 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Unwetter und Starkregenereignisse sind wahrscheinliche Ausl\u00f6ser erh\u00f6hter Erosion der Ufersedimente und vermehrten Eintrages aus dem Einzugsgebiet des Sees in den ersten vier Jahren nach der Eruption. Eine Versauerung des Seesystems bis 50 Jahre nach dem Ausbruch ist das Resultat des eingetragenen schwefelhaltigen Aerosols. Die \u00c4nderung des pH-Wertes verschob deutlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Wachstum verschiedener Kiesel- und Gr\u00fcnalgen (u.a. Pediastrum sp. und Botryococcus sp.). Ein Wechsel in der Algenflora und damit in der Nahrungskette, k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass sich auch eine \u00c4nderung in der Zusammensetzung der Fischarten des Seesystems ergeben hat. Aus der Sicht sp\u00e4tglazialer J\u00e4ger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins ist diese Ver\u00e4nderung des Nahrungsangebotes neben den starken Unwettern unmittelbar nach der Eruption die einzig wahrnehmbare Auswirkung auf die lokale Umwelt. Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der lokalen Vegetation lassen sich nicht aus den Ergebnissen der Pollenanalysen ableiten. Die erhobenen Daten belegen au\u00dferdem das Einsetzen st\u00e4rkerer Westwinde ab 120 Jahren nach der Eruption. Die Verlagerung dieser Winde nach S\u00fcden (von Skandinavien nach Mitteleuropa) ist f\u00fcr eine fr\u00fchere Phase (40 Jahre nach LSE) in Norwegen und f\u00fcr eine sp\u00e4tere Phase (200 Jahre nach LSE) f\u00fcr S\u00fcdwestdeutschland belegt. 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Unwetter und Starkregenereignisse sind wahrscheinliche Ausl\u00f6ser erh\u00f6hter Erosion der Ufersedimente und vermehrten Eintrages aus dem Einzugsgebiet des Sees in den ersten vier Jahren nach der Eruption. Eine Versauerung des Seesystems bis 50 Jahre nach dem Ausbruch ist das Resultat des eingetragenen schwefelhaltigen Aerosols. Die \u00c4nderung des pH-Wertes verschob deutlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Wachstum verschiedener Kiesel- und Gr\u00fcnalgen (u.a. Pediastrum sp. und Botryococcus sp.). Ein Wechsel in der Algenflora und damit in der Nahrungskette, k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass sich auch eine \u00c4nderung in der Zusammensetzung der Fischarten des Seesystems ergeben hat. Aus der Sicht sp\u00e4tglazialer J\u00e4ger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins ist diese Ver\u00e4nderung des Nahrungsangebotes neben den starken Unwettern unmittelbar nach der Eruption die einzig wahrnehmbare Auswirkung auf die lokale Umwelt. 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Die Korrelation und Datierung von Sequenzen aus dieser Zeit mit Hilfe der Radiokarbondatierung allein ist schwierig und mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Die Nutzung der Tephrochronologie bietet hier eine zus\u00e4tzliche zeitliche Sicherheit, aber auch unabh\u00e4ngige Korrelationsm\u00f6glichkeit. In den Sedimenten des Nahe Pal\u00e4osees wurden Partikel der Saksunarvatn Asche (etwa 10.250 vor heute), der Vedde Asche (etwa 12.050 vor heute) und der Laacher See Tephra (Abb. 3, etwa 12.900 vor heute) gefunden. Vedde und Saksunarvat sind Eruptionen isl\u00e4ndischer Vulkansysteme. Die Laacher See Eruption geschah hingegen im Herzen Europas und ist die schwerste vulkanische Eruption des Sp\u00e4tglazials. Das eruptive Zentrum \u2013 der heutige Laacher See nahe Koblenz \u2013 liegt etwa 500 km s\u00fcdwestlich des Nahe Pal\u00e4osees. Bisher wurden keine Spuren der Laacher See Tephra nordwestlich des H\u00e4melsees (Niedersachsen) entdeckt. 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Unwetter und Starkregenereignisse sind wahrscheinliche Ausl\u00f6ser erh\u00f6hter Erosion der Ufersedimente und vermehrten Eintrages aus dem Einzugsgebiet des Sees in den ersten vier Jahren nach der Eruption. Eine Versauerung des Seesystems bis 50 Jahre nach dem Ausbruch ist das Resultat des eingetragenen schwefelhaltigen Aerosols. Die \u00c4nderung des pH-Wertes verschob deutlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Wachstum verschiedener Kiesel- und Gr\u00fcnalgen (u.a. Pediastrum sp. und Botryococcus sp.). Ein Wechsel in der Algenflora und damit in der Nahrungskette, k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass sich auch eine \u00c4nderung in der Zusammensetzung der Fischarten des Seesystems ergeben hat. Aus der Sicht sp\u00e4tglazialer J\u00e4ger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins ist diese Ver\u00e4nderung des Nahrungsangebotes neben den starken Unwettern unmittelbar nach der Eruption die einzig wahrnehmbare Auswirkung auf die lokale Umwelt. Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der lokalen Vegetation lassen sich nicht aus den Ergebnissen der Pollenanalysen ableiten. Die erhobenen Daten belegen au\u00dferdem das Einsetzen st\u00e4rkerer Westwinde ab 120 Jahren nach der Eruption. Die Verlagerung dieser Winde nach S\u00fcden (von Skandinavien nach Mitteleuropa) ist f\u00fcr eine fr\u00fchere Phase (40 Jahre nach LSE) in Norwegen und f\u00fcr eine sp\u00e4tere Phase (200 Jahre nach LSE) f\u00fcr S\u00fcdwestdeutschland belegt. Damit f\u00fcgen sich die Ergebnisse aus dem Nahe Pal\u00e4osee in bisherige Untersuchungen ein und sind in der Lage, die Geschwindigkeit dieser s\u00fcdw\u00e4rts gerichteten Verschiebung der Winde zu bestimmen: Zwischen 40 und 120 Jahren nach der LSE (von 62\u00b0 N nach 53.5\u00b0 N) ca. 12 km pro Jahr und zwischen 120 und 200 Jahren nach der LSE (von 53.5\u00b0 N nach 50 \u00b0 N) ca. 5 km pro Jahr.","og_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/april-2020\/","og_site_name":"Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","article_published_time":"2021-03-03T09:40:33+00:00","article_modified_time":"2021-03-03T09:40:34+00:00","author":"Matthias Bolte","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Written by":"Matthias Bolte","Estimated reading time":"3 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/april-2020\/","url":"https:\/\/zbsa.eu\/april-2020\/","name":"April 2020 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","isPartOf":{"@id":"https:\/\/zbsa.eu\/#website"},"datePublished":"2021-03-03T09:40:33+00:00","dateModified":"2021-03-03T09:40:34+00:00","author":{"@id":"https:\/\/zbsa.eu\/#\/schema\/person\/b980623b66a6ffb097697286521920c5"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/zbsa.eu\/april-2020\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-GB","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/zbsa.eu\/april-2020\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/april-2020\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/zbsa.eu\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Print Kalender","item":"https:\/\/zbsa.eu\/category\/kalenderblatt\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Kalenderbl\u00e4tter 2020","item":"https:\/\/zbsa.eu\/category\/kalenderblatt\/kalenderblaetter-2020\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"April 2020"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/#website","url":"https:\/\/zbsa.eu\/","name":"Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","description":"","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/zbsa.eu\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-GB"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/#\/schema\/person\/b980623b66a6ffb097697286521920c5","name":"Matthias Bolte","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/1f3bc1bfe4b641855cb944e558d4f3de1b57120f6dfe8f4368ebfe0384a5acab?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/1f3bc1bfe4b641855cb944e558d4f3de1b57120f6dfe8f4368ebfe0384a5acab?s=96&d=mm&r=g","caption":"Matthias Bolte"},"url":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/author\/matthias-bolte\/"}]}},"featured_image_src":" ","featured_image_src_square":" ","author_info":{"display_name":"Matthias Bolte","author_link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/author\/matthias-bolte\/"},"category_info":"<a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/category\/kalenderblatt\/kalenderblaetter-2020\/\" rel=\"category tag\">Kalenderbl\u00e4tter 2020<\/a>,<a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/category\/kalenderblatt\/\" rel=\"category tag\">Print Kalender<\/a>","tags_info":"","social_share_info":"<a data-share=\"facebook\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer.php?u=https:\/\/zbsa.eu\/en\/april-2020\/\" class=\"pl-facebook-share social-share-default pl-social-share\" target=\"_blank\"><i class=\"fab fa-facebook-f\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a data-share=\"twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https:\/\/zbsa.eu\/en\/april-2020\/\" class=\"pl-twiiter-share social-share-default pl-social-share\" target=\"_blank\"><i class=\"fab fa-twitter\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a data-share=\"linkedin\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?url=https:\/\/zbsa.eu\/en\/april-2020\/\" class=\"pl-linkedin-share social-share-default pl-social-share\" target=\"_blank\"><i class=\"fab fa-linkedin-in\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","wordExcerpt_info":"<p><!-- wp:heading --><\/p>\n<h2>Der Ausbruch des Laacher See Vulkans und seine Auswirkungen in Schleswig-Holstein<\/h2>\n<p><!-- \/wp:heading --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Sascha Kr\u00fcger M.A.<\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Im Rahmen des Promotionsprojektes wurden in diesem Jahr die palynologischen und tephrochronologischen Analysen der Sedimente des Nahe Pal\u00e4osees (Kreis Segeberg, Abb. 1) abgeschlossen. Zu den wichtigsten Ergebnissen z\u00e4hlt dabei, dass insgesamt drei mikroskopische Vulkanaschelagen, sogenanntes Cryptotephra Abb. 2, gefunden werden konnte.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Bei Cryptotephra handelt es sich um winzige Partikel glas\u00e4hnliche Verbindungen, die im Falle der hier gefundenen Lagen sogar morphologisch unterschieden werden k\u00f6nnen. Sie bieten zeitparallele Markierungs-Horizonte die genaue Korrelationen zwischen stratigraphische Sequenzen zulassen. Dies liegt darin begr\u00fcndet, dass Vulkanausbr\u00fcche und die damit verbundene Ablagerung der Asche \u00fcber einen gro\u00dfen Gebiet in einem geologisch gesehen extrem kurzen Zeitfenster passiert und damit als zeitlich synchron gelten kann. Die Anwendung solcher Marker-Horizonte ist besonders wertvoll bei der Interpretation sp\u00e4tglazialer und fr\u00fch-Holoz\u00e4ner Schichten (etwa im Zeitraum zwischen 15.000 bis 10.000 vor heute). Die Korrelation und Datierung von Sequenzen aus dieser Zeit mit Hilfe der Radiokarbondatierung allein ist schwierig und mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet. Die Nutzung der Tephrochronologie bietet hier eine zus\u00e4tzliche zeitliche Sicherheit, aber auch unabh\u00e4ngige Korrelationsm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>In den Sedimenten des Nahe Pal\u00e4osees wurden Partikel der Saksunarvatn Asche (etwa 10.250 vor heute), der Vedde Asche (etwa 12.050 vor heute) und der Laacher See Tephra (Abb. 3, etwa 12.900 vor heute) gefunden. Vedde und Saksunarvat sind Eruptionen isl\u00e4ndischer Vulkansysteme. Die Laacher See Eruption geschah hingegen im Herzen Europas und ist die schwerste vulkanische Eruption des Sp\u00e4tglazials.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Das eruptive Zentrum \u2013 der heutige Laacher See nahe Koblenz \u2013 liegt etwa 500 km s\u00fcdwestlich des Nahe Pal\u00e4osees. Bisher wurden keine Spuren der Laacher See Tephra nordwestlich des H\u00e4melsees (Niedersachsen) entdeckt. Die Untersuchungen der Sedimente des Nahe Pal\u00e4osees setzen nun einen weiteren Fundpunkt auf die Landkarte, deutlich au\u00dferhalb des bekannten Aschef\u00e4chers (Abb. 4).\u00a0<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die Laacher See Tephra ist als mikroskopische Lage in eine jahresgeschichtete Sequenz der gewonnenen Bohrkernsedimente eingebettet. Dadurch ist gew\u00e4hrleistet, dass mithilfe einer breiten Palette interdisziplin\u00e4rer Analysen (geochemisch, sedimentologisch, palynologisch) auch der Einfluss des Ausbruches von etwa 12.900 Jahren vor heute auf die lokale Umwelt des Nahe Pal\u00e4osees untersucht werden konnte.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die Ergebnisse der geochemischen und sedimentologischen Untersuchungen, welche von Stefan Dreibrodt (CAU) durchgef\u00fchrt wurden, zeigen eine unmittelbare Reaktion des Seesystems auf die Eruption des Laacher See Vulkans (LSE). Unwetter und Starkregenereignisse sind wahrscheinliche Ausl\u00f6ser erh\u00f6hter Erosion der Ufersedimente und vermehrten Eintrages aus dem Einzugsgebiet des Sees in den ersten vier Jahren nach der Eruption. Eine Versauerung des Seesystems bis 50 Jahre nach dem Ausbruch ist das Resultat des eingetragenen schwefelhaltigen Aerosols.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die \u00c4nderung des pH-Wertes verschob deutlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Wachstum verschiedener Kiesel- und Gr\u00fcnalgen (u.a. Pediastrum sp. und Botryococcus sp.). Ein Wechsel in der Algenflora und damit in der Nahrungskette, k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass sich auch eine \u00c4nderung in der Zusammensetzung der Fischarten des Seesystems ergeben hat.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Aus der Sicht sp\u00e4tglazialer J\u00e4ger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins ist diese Ver\u00e4nderung des Nahrungsangebotes neben den starken Unwettern unmittelbar nach der Eruption die einzig wahrnehmbare Auswirkung auf die lokale Umwelt. Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der lokalen Vegetation lassen sich nicht aus den Ergebnissen der Pollenanalysen ableiten.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die erhobenen Daten belegen au\u00dferdem das Einsetzen st\u00e4rkerer Westwinde ab 120 Jahren nach der Eruption. Die Verlagerung dieser Winde nach S\u00fcden (von Skandinavien nach Mitteleuropa) ist f\u00fcr eine fr\u00fchere Phase (40 Jahre nach LSE) in Norwegen und f\u00fcr eine sp\u00e4tere Phase (200 Jahre nach LSE) f\u00fcr S\u00fcdwestdeutschland belegt. Damit f\u00fcgen sich die Ergebnisse aus dem Nahe Pal\u00e4osee in bisherige Untersuchungen ein und sind in der Lage, die Geschwindigkeit dieser s\u00fcdw\u00e4rts gerichteten Verschiebung der Winde zu bestimmen:<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Zwischen 40 und 120 Jahren nach der LSE (von 62\u00b0 N nach 53.5\u00b0 N) ca. 12 km pro Jahr und zwischen 120 und 200 Jahren nach der LSE (von 53.5\u00b0 N nach 50 \u00b0 N) ca. 5 km pro Jahr.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n","comment_info":"No Comments","acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1017"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1018,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1017\/revisions\/1018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}