{"id":3787,"date":"2021-03-23T09:33:51","date_gmt":"2021-03-23T08:33:51","guid":{"rendered":"https:\/\/zbsa.eu\/?p=3787"},"modified":"2021-10-06T10:47:47","modified_gmt":"2021-10-06T08:47:47","slug":"hanoa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/hanoa\/","title":{"rendered":"HaNOA: H\u00e4fen im Nordatlantik \/ Harbours in the North Atlantic (800\u20131300 AD)"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"3787\" class=\"elementor elementor-3787\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section data-particle_enable=\"false\" data-particle-mobile-disabled=\"false\" class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-fb1b97c elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"fb1b97c\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-66 elementor-top-column elementor-element elementor-element-69de7252\" data-id=\"69de7252\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-56a49a8a elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"56a49a8a\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><strong>DFG Projekt SPP-H\u00e4fen, Prof. Dr. Natascha Mehler, Joris Coolen M.A., Prof. Dr. Dr. h.c. Claus von Carnap-Bornheim<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes \u00bbH\u00e4fen im Nordatlantik\/Harbours in the North Atlantic (800\u20131300 AD) (HaNoA)\u00ab, das Teil des Schwerpunktprogramms \u00bbH\u00e4fen von der R\u00f6mischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter. Zur Arch\u00e4ologie und Geschichte regionaler und \u00fcberregionaler Verkehrssysteme\u00ab der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SPP 1630) ist, wurden 2014 zwei Feldkampagnen auf den Shetland-Inseln sowie in Gr\u00f6nland durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Forschungen in Shetland im Mai konzentrierten sich auf Unst, die n\u00f6rdlichste der Shetland-Inseln. Hier ist durch die langj\u00e4hrigen Forschungen des Shetland Amenity Trust und der Universit\u00e4t Bradford ein besonders guter Forschungsstand zur wikingerzeitlichen Besiedlung gegeben, wobei jedoch bisher keine gezielten Untersuchungen zu den zugeh\u00f6rigen H\u00e4fen stattfanden. Die meisten wikingerzeitlichen Langh\u00e4user auf Unst liegen in unmittelbarer K\u00fcstenn\u00e4he, so auch in den von HaNoA erforschten Siedlungen Underhoull und Sandwick. Trotz der geringen Entfernung weisen die beiden Pl\u00e4tze eine sehr unterschiedliche Topografie auf, welche die Problematik der H\u00e4fen im Nordatlantik deutlich vor Augen f\u00fchrt. W\u00e4hrend die Bucht Lundawick bei Underhoull einen relativ gesch\u00fctzten nat\u00fcrlichen Hafen bietet, befindet sich die Siedlung von Sandwick an einem sehr exponierten, breiten Sandstrand. Zahlreiche Fischreste, die bei den Grabungen eines Langhauses aus dem 12.\u201313. Jh. zu Tage gef\u00f6rdert wurden, zeigen jedoch, dass auch die Bewohner der letzteren Siedlung auf einen guten Meereszugang angewiesen waren.<\/p>\n<p>In Underhoull sowie in Sandwick wurden mittels eines Drachens zahlreiche Luftbilder angefertigt, um in weiterer Folge hochaufl\u00f6sende Gel\u00e4ndemodelle zu erstellen. Die Gel\u00e4ndemodelle bezeugen eine sehr reiche arch\u00e4ologische Landschaft mit oberfl\u00e4chlich sichtbaren Strukturen von der j\u00fcngeren Eisenzeit bis zur Neuzeit. Zus\u00e4tzlich zu den gro\u00dffl\u00e4chigen Gel\u00e4ndemodellen wurden auch detaillierte Aufnahmen einzelner Strukturen, insbesondere von Bootsh\u00e4usern, gemacht. Aus geoarch\u00e4ologischer Sicht ist vor allem die Frage nach der Dynamik der K\u00fcstenerosion bzw. -sedimentation von Interesse. Sowohl in Sandwick als auch in Underhoull findet man heute Sandstr\u00e4nde und D\u00fcnen vor. Bodenprofilbeobachtungen und Computersimulationen an diesen sowie weiteren Str\u00e4nden auf Unst sollen zeigen, welche Prozesse zum heutigen Erscheinungsbild gef\u00fchrt haben und wie die K\u00fcste in der Wikingerzeit bzw. im Mittelalter ausgesehen haben k\u00f6nnte.<br>Bei den unterwasserarch\u00e4ologischen Untersuchungen in Underhoull wurde im s\u00fcdlichen Teil der Bucht eine \u00fcber 50 m lange und mehrere Meter breite, geradlinige Ansammlung aus losen Steinen entdeckt, die auch auf Luftbildern durch den \u00fcppigen Seegrasbewuchs klar zu erkennen ist. Es handelt sich dabei um eine anthropogene Struktur, m\u00f6glicherweise die Reste einer steinernen Landebr\u00fccke. Es ist denkbar, dass die Struktur mit dem Bau oder dem Betrieb der nahegelegenen mittelalterlichen Kirche von Lund zusammenh\u00e4ngt, die auch die Grabsteine zweier Hansekaufleute aus Bremen aus dem 16. Jh. enth\u00e4lt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3795\" aria-describedby=\"caption-attachment-3795\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3795\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d-300x206.jpg\" alt=\"3D-Modell einer Lagerhausruine in Igaliku, Gr\u00f6nland. Das Lagerhaus misst 13,5 \u00d7 4 m und wurde an den Felsen angebaut.\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d-300x206.jpg 300w, https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d-16x12.jpg 16w, https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d.jpg 510w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3795\" class=\"wp-caption-text\">3D-Modell einer Lagerhausruine in Igaliku, Gr\u00f6nland. Das Lagerhaus misst 13,5 \u00d7 4 m und wurde an den Felsen angebaut (Grafik: Ronny We\u00dfling und Joris Coolen).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die zweite Feldkampagne f\u00fchrte im August in den S\u00fcden von Gr\u00f6nland, wo vom 10. bis zum 15. Jh. zahlreiche Siedlungen der sog. Norse, einer eingewanderten Bev\u00f6lkerungsgruppe aus vornehmlich Island und Norwegen, bestanden. Untersucht wurden die Fundpl\u00e4tze Qaqortukulooq (Hvalsey), Igaliku (Gar\u00f0ar), Igaliku Kujalleq (Undir H\u00f6f\u00f0i) und Qassiarsuk (Brattahl\u00ed\u00f0). Der dreiw\u00f6chige Forschungsaufenthalt war von sch\u00f6nstem Wetter gepr\u00e4gt, was sich jedoch nachteilig auf die Drachenfotografie auswirkte. Aus diesem Grund wurden vermehrt Ruinen vom Boden aus fotografiert und dokumentiert. Besonderes Interesse galt dabei den sog. Lagerh\u00e4usern (engl. warehouses), ein nur in Gr\u00f6nland auftretender Geb\u00e4udetyp, der Bestandteil jedes Hafens gewesen zu sein scheint. Diese bis zu 13 m langen und 4 m breiten, in Trockenbauweise errichteten Steingeb\u00e4ude, stehen oft auf vom Wasser aus zug\u00e4nglichen Felsvorspr\u00fcngen bzw. in unmittelbarer N\u00e4he zu einem guten Landeplatz. Die Lagerh\u00e4user von Igaliku sind dabei besonders beeindruckend. Die Nutzung von Lagerh\u00e4usern zur Zwischenlagerung von Tausch- und Handelswaren ist schriftlich in den zur gr\u00f6nl\u00e4ndischen Besiedlung \u00fcberlieferten Sagas dokumentiert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3811\" aria-describedby=\"caption-attachment-3811\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3811\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku-300x199.jpg\" alt=\"Blick \u00fcber das Hafengebiet von Igaliku, Gr\u00f6nland.\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku-300x199.jpg 300w, https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku-16x12.jpg 16w, https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku-500x330.jpg 500w, https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku.jpg 567w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3811\" class=\"wp-caption-text\">Blick \u00fcber das Hafengebiet von Igaliku, Gr\u00f6nland. Auf zwei der drei vorgelagerten Inseln befinden sich Reste von mittelalterlichen Lagerh\u00e4usern. Die linke, kleine Insel, war zu dieser Zeit mit dem Festland verbunden (Foto: Ronny We\u00dfling).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass die Topografie und in weiterer Konsequenz die Funktionsweise mittelalterlicher H\u00e4fen nur durch interdisziplin\u00e4re Arbeit erfasst werden kann, ist der Hafen von Igaliku, dem ehemaligen Bischofssitz Gar\u00f0ar. Die Zusammenarbeit der Unterwasserarch\u00e4ologie und der Geomorphologie ergaben, dass eine vorgelagerte Insel, auf der sich die Ruine eines Lagerhauses befindet, im Mittelalter noch mit dem Land verbunden war und eine nat\u00fcrliche Landebr\u00fccke gebildet haben d\u00fcrfte. Um dieses Ergebnis abzusichern sind jedoch weitere, genauere Tiefenmessungen sowie eine kritische \u00dcberpr\u00fcfung bestehender Modelle des holoz\u00e4nen Meeresspiegelanstiegs n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Die erste Projektphase von HaNoA wurde Mitte 2015 mit einer letzten Feldkampagne in Island abgeschlossen. Ein Antrag auf Verl\u00e4ngerung des Projekts im Sinne einer Auswertungs- und Publikationsphase wurde bei der DFG eingereicht.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zu diesem Projekt im Internet<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/<\/a><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-33 elementor-top-column elementor-element elementor-element-3528e11f\" data-id=\"3528e11f\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-7e85e003 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"7e85e003\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h6>Research clusters<\/h6><p>Man and Society<\/p><div class=\"ms-editor-squiggler\" style=\"color: initial; 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Claus von Carnap-Bornheim Im Rahmen des Projektes \u00bbH\u00e4fen im Nordatlantik\/Harbours in the North Atlantic (800\u20131300 AD) (HaNoA)\u00ab, das Teil des Schwerpunktprogramms \u00bbH\u00e4fen von der R\u00f6mischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter. Zur Arch\u00e4ologie und Geschichte regionaler und \u00fcberregionaler Verkehrssysteme\u00ab der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SPP 1630) ist, wurden 2014 zwei Feldkampagnen auf den Shetland-Inseln sowie in Gr\u00f6nland durchgef\u00fchrt. Die Forschungen in Shetland im Mai konzentrierten sich auf Unst, die n\u00f6rdlichste der Shetland-Inseln. Hier ist durch die langj\u00e4hrigen Forschungen des Shetland Amenity Trust und der Universit\u00e4t Bradford ein besonders guter Forschungsstand zur wikingerzeitlichen Besiedlung gegeben, wobei jedoch bisher keine gezielten Untersuchungen zu den zugeh\u00f6rigen H\u00e4fen stattfanden. Die meisten wikingerzeitlichen Langh\u00e4user auf Unst liegen in unmittelbarer K\u00fcstenn\u00e4he, so auch in den von HaNoA erforschten Siedlungen Underhoull und Sandwick. Trotz der geringen Entfernung weisen die beiden Pl\u00e4tze eine sehr unterschiedliche Topografie auf, welche die Problematik der H\u00e4fen im Nordatlantik deutlich vor Augen f\u00fchrt. W\u00e4hrend die Bucht Lundawick bei Underhoull einen relativ gesch\u00fctzten nat\u00fcrlichen Hafen bietet, befindet sich die Siedlung von Sandwick an einem sehr exponierten, breiten Sandstrand. Zahlreiche Fischreste, die bei den Grabungen eines Langhauses aus dem 12.\u201313. Jh. zu Tage gef\u00f6rdert wurden, zeigen jedoch, dass auch die Bewohner der letzteren Siedlung auf einen guten Meereszugang angewiesen waren. In Underhoull sowie in Sandwick wurden mittels eines Drachens zahlreiche Luftbilder angefertigt, um in weiterer Folge hochaufl\u00f6sende Gel\u00e4ndemodelle zu erstellen. Die Gel\u00e4ndemodelle bezeugen eine sehr reiche arch\u00e4ologische Landschaft mit oberfl\u00e4chlich sichtbaren Strukturen von der j\u00fcngeren Eisenzeit bis zur Neuzeit. Zus\u00e4tzlich zu den gro\u00dffl\u00e4chigen Gel\u00e4ndemodellen wurden auch detaillierte Aufnahmen einzelner Strukturen, insbesondere von Bootsh\u00e4usern, gemacht. Aus geoarch\u00e4ologischer Sicht ist vor allem die Frage nach der Dynamik der K\u00fcstenerosion bzw. -sedimentation von Interesse. Sowohl in Sandwick als auch in Underhoull findet man heute Sandstr\u00e4nde und D\u00fcnen vor. Bodenprofilbeobachtungen und Computersimulationen an diesen sowie weiteren Str\u00e4nden auf Unst sollen zeigen, welche Prozesse zum heutigen Erscheinungsbild gef\u00fchrt haben und wie die K\u00fcste in der Wikingerzeit bzw. im Mittelalter ausgesehen haben k\u00f6nnte.Bei den unterwasserarch\u00e4ologischen Untersuchungen in Underhoull wurde im s\u00fcdlichen Teil der Bucht eine \u00fcber 50 m lange und mehrere Meter breite, geradlinige Ansammlung aus losen Steinen entdeckt, die auch auf Luftbildern durch den \u00fcppigen Seegrasbewuchs klar zu erkennen ist. Es handelt sich dabei um eine anthropogene Struktur, m\u00f6glicherweise die Reste einer steinernen Landebr\u00fccke. Es ist denkbar, dass die Struktur mit dem Bau oder dem Betrieb der nahegelegenen mittelalterlichen Kirche von Lund zusammenh\u00e4ngt, die auch die Grabsteine zweier Hansekaufleute aus Bremen aus dem 16. Jh. enth\u00e4lt. Die zweite Feldkampagne f\u00fchrte im August in den S\u00fcden von Gr\u00f6nland, wo vom 10. bis zum 15. Jh. zahlreiche Siedlungen der sog. Norse, einer eingewanderten Bev\u00f6lkerungsgruppe aus vornehmlich Island und Norwegen, bestanden. Untersucht wurden die Fundpl\u00e4tze Qaqortukulooq (Hvalsey), Igaliku (Gar\u00f0ar), Igaliku Kujalleq (Undir H\u00f6f\u00f0i) und Qassiarsuk (Brattahl\u00ed\u00f0). Der dreiw\u00f6chige Forschungsaufenthalt war von sch\u00f6nstem Wetter gepr\u00e4gt, was sich jedoch nachteilig auf die Drachenfotografie auswirkte. Aus diesem Grund wurden vermehrt Ruinen vom Boden aus fotografiert und dokumentiert. Besonderes Interesse galt dabei den sog. Lagerh\u00e4usern (engl. warehouses), ein nur in Gr\u00f6nland auftretender Geb\u00e4udetyp, der Bestandteil jedes Hafens gewesen zu sein scheint. Diese bis zu 13 m langen und 4 m breiten, in Trockenbauweise errichteten Steingeb\u00e4ude, stehen oft auf vom Wasser aus zug\u00e4nglichen Felsvorspr\u00fcngen bzw. in unmittelbarer N\u00e4he zu einem guten Landeplatz. Die Lagerh\u00e4user von Igaliku sind dabei besonders beeindruckend. Die Nutzung von Lagerh\u00e4usern zur Zwischenlagerung von Tausch- und Handelswaren ist schriftlich in den zur gr\u00f6nl\u00e4ndischen Besiedlung \u00fcberlieferten Sagas dokumentiert. Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass die Topografie und in weiterer Konsequenz die Funktionsweise mittelalterlicher H\u00e4fen nur durch interdisziplin\u00e4re Arbeit erfasst werden kann, ist der Hafen von Igaliku, dem ehemaligen Bischofssitz Gar\u00f0ar. Die Zusammenarbeit der Unterwasserarch\u00e4ologie und der Geomorphologie ergaben, dass eine vorgelagerte Insel, auf der sich die Ruine eines Lagerhauses befindet, im Mittelalter noch mit dem Land verbunden war und eine nat\u00fcrliche Landebr\u00fccke gebildet haben d\u00fcrfte. Um dieses Ergebnis abzusichern sind jedoch weitere, genauere Tiefenmessungen sowie eine kritische \u00dcberpr\u00fcfung bestehender Modelle des holoz\u00e4nen Meeresspiegelanstiegs n\u00f6tig. Die erste Projektphase von HaNoA wurde Mitte 2015 mit einer letzten Feldkampagne in Island abgeschlossen. Ein Antrag auf Verl\u00e4ngerung des Projekts im Sinne einer Auswertungs- und Publikationsphase wurde bei der DFG eingereicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt im Internet http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/ Themenbereiche Mensch und Gesellschaft \u00a0\u00a0 Mitarbeiter Leitung:Prof. Dr. Dr. h.c. 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Die meisten wikingerzeitlichen Langh\u00e4user auf Unst liegen in unmittelbarer K\u00fcstenn\u00e4he, so auch in den von HaNoA erforschten Siedlungen Underhoull und Sandwick. Trotz der geringen Entfernung weisen die beiden Pl\u00e4tze eine sehr unterschiedliche Topografie auf, welche die Problematik der H\u00e4fen im Nordatlantik deutlich vor Augen f\u00fchrt. W\u00e4hrend die Bucht Lundawick bei Underhoull einen relativ gesch\u00fctzten nat\u00fcrlichen Hafen bietet, befindet sich die Siedlung von Sandwick an einem sehr exponierten, breiten Sandstrand. Zahlreiche Fischreste, die bei den Grabungen eines Langhauses aus dem 12.\u201313. Jh. zu Tage gef\u00f6rdert wurden, zeigen jedoch, dass auch die Bewohner der letzteren Siedlung auf einen guten Meereszugang angewiesen waren. In Underhoull sowie in Sandwick wurden mittels eines Drachens zahlreiche Luftbilder angefertigt, um in weiterer Folge hochaufl\u00f6sende Gel\u00e4ndemodelle zu erstellen. Die Gel\u00e4ndemodelle bezeugen eine sehr reiche arch\u00e4ologische Landschaft mit oberfl\u00e4chlich sichtbaren Strukturen von der j\u00fcngeren Eisenzeit bis zur Neuzeit. Zus\u00e4tzlich zu den gro\u00dffl\u00e4chigen Gel\u00e4ndemodellen wurden auch detaillierte Aufnahmen einzelner Strukturen, insbesondere von Bootsh\u00e4usern, gemacht. Aus geoarch\u00e4ologischer Sicht ist vor allem die Frage nach der Dynamik der K\u00fcstenerosion bzw. -sedimentation von Interesse. Sowohl in Sandwick als auch in Underhoull findet man heute Sandstr\u00e4nde und D\u00fcnen vor. 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Die zweite Feldkampagne f\u00fchrte im August in den S\u00fcden von Gr\u00f6nland, wo vom 10. bis zum 15. Jh. zahlreiche Siedlungen der sog. Norse, einer eingewanderten Bev\u00f6lkerungsgruppe aus vornehmlich Island und Norwegen, bestanden. Untersucht wurden die Fundpl\u00e4tze Qaqortukulooq (Hvalsey), Igaliku (Gar\u00f0ar), Igaliku Kujalleq (Undir H\u00f6f\u00f0i) und Qassiarsuk (Brattahl\u00ed\u00f0). Der dreiw\u00f6chige Forschungsaufenthalt war von sch\u00f6nstem Wetter gepr\u00e4gt, was sich jedoch nachteilig auf die Drachenfotografie auswirkte. Aus diesem Grund wurden vermehrt Ruinen vom Boden aus fotografiert und dokumentiert. Besonderes Interesse galt dabei den sog. Lagerh\u00e4usern (engl. warehouses), ein nur in Gr\u00f6nland auftretender Geb\u00e4udetyp, der Bestandteil jedes Hafens gewesen zu sein scheint. Diese bis zu 13 m langen und 4 m breiten, in Trockenbauweise errichteten Steingeb\u00e4ude, stehen oft auf vom Wasser aus zug\u00e4nglichen Felsvorspr\u00fcngen bzw. in unmittelbarer N\u00e4he zu einem guten Landeplatz. Die Lagerh\u00e4user von Igaliku sind dabei besonders beeindruckend. Die Nutzung von Lagerh\u00e4usern zur Zwischenlagerung von Tausch- und Handelswaren ist schriftlich in den zur gr\u00f6nl\u00e4ndischen Besiedlung \u00fcberlieferten Sagas dokumentiert. Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass die Topografie und in weiterer Konsequenz die Funktionsweise mittelalterlicher H\u00e4fen nur durch interdisziplin\u00e4re Arbeit erfasst werden kann, ist der Hafen von Igaliku, dem ehemaligen Bischofssitz Gar\u00f0ar. Die Zusammenarbeit der Unterwasserarch\u00e4ologie und der Geomorphologie ergaben, dass eine vorgelagerte Insel, auf der sich die Ruine eines Lagerhauses befindet, im Mittelalter noch mit dem Land verbunden war und eine nat\u00fcrliche Landebr\u00fccke gebildet haben d\u00fcrfte. Um dieses Ergebnis abzusichern sind jedoch weitere, genauere Tiefenmessungen sowie eine kritische \u00dcberpr\u00fcfung bestehender Modelle des holoz\u00e4nen Meeresspiegelanstiegs n\u00f6tig. Die erste Projektphase von HaNoA wurde Mitte 2015 mit einer letzten Feldkampagne in Island abgeschlossen. Ein Antrag auf Verl\u00e4ngerung des Projekts im Sinne einer Auswertungs- und Publikationsphase wurde bei der DFG eingereicht. Weitere Informationen zu diesem Projekt im Internet http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/ Themenbereiche Mensch und Gesellschaft \u00a0\u00a0 Mitarbeiter Leitung:Prof. Dr. Dr. h.c. 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Die meisten wikingerzeitlichen Langh\u00e4user auf Unst liegen in unmittelbarer K\u00fcstenn\u00e4he, so auch in den von HaNoA erforschten Siedlungen Underhoull und Sandwick. Trotz der geringen Entfernung weisen die beiden Pl\u00e4tze eine sehr unterschiedliche Topografie auf, welche die Problematik der H\u00e4fen im Nordatlantik deutlich vor Augen f\u00fchrt. W\u00e4hrend die Bucht Lundawick bei Underhoull einen relativ gesch\u00fctzten nat\u00fcrlichen Hafen bietet, befindet sich die Siedlung von Sandwick an einem sehr exponierten, breiten Sandstrand. Zahlreiche Fischreste, die bei den Grabungen eines Langhauses aus dem 12.\u201313. Jh. zu Tage gef\u00f6rdert wurden, zeigen jedoch, dass auch die Bewohner der letzteren Siedlung auf einen guten Meereszugang angewiesen waren.<\/p>\n<p>In Underhoull sowie in Sandwick wurden mittels eines Drachens zahlreiche Luftbilder angefertigt, um in weiterer Folge hochaufl\u00f6sende Gel\u00e4ndemodelle zu erstellen. Die Gel\u00e4ndemodelle bezeugen eine sehr reiche arch\u00e4ologische Landschaft mit oberfl\u00e4chlich sichtbaren Strukturen von der j\u00fcngeren Eisenzeit bis zur Neuzeit. Zus\u00e4tzlich zu den gro\u00dffl\u00e4chigen Gel\u00e4ndemodellen wurden auch detaillierte Aufnahmen einzelner Strukturen, insbesondere von Bootsh\u00e4usern, gemacht. Aus geoarch\u00e4ologischer Sicht ist vor allem die Frage nach der Dynamik der K\u00fcstenerosion bzw. -sedimentation von Interesse. Sowohl in Sandwick als auch in Underhoull findet man heute Sandstr\u00e4nde und D\u00fcnen vor. Bodenprofilbeobachtungen und Computersimulationen an diesen sowie weiteren Str\u00e4nden auf Unst sollen zeigen, welche Prozesse zum heutigen Erscheinungsbild gef\u00fchrt haben und wie die K\u00fcste in der Wikingerzeit bzw. im Mittelalter ausgesehen haben k\u00f6nnte.<br \/>Bei den unterwasserarch\u00e4ologischen Untersuchungen in Underhoull wurde im s\u00fcdlichen Teil der Bucht eine \u00fcber 50 m lange und mehrere Meter breite, geradlinige Ansammlung aus losen Steinen entdeckt, die auch auf Luftbildern durch den \u00fcppigen Seegrasbewuchs klar zu erkennen ist. Es handelt sich dabei um eine anthropogene Struktur, m\u00f6glicherweise die Reste einer steinernen Landebr\u00fccke. Es ist denkbar, dass die Struktur mit dem Bau oder dem Betrieb der nahegelegenen mittelalterlichen Kirche von Lund zusammenh\u00e4ngt, die auch die Grabsteine zweier Hansekaufleute aus Bremen aus dem 16. Jh. enth\u00e4lt.<\/p>\n[caption id=\"attachment_3795\" align=\"alignleft\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d.jpg\"><img src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/3d-300x206.jpg\" alt=\"3D-Modell einer Lagerhausruine in Igaliku, Gr\u00f6nland. Das Lagerhaus misst 13,5 \u00d7 4 m und wurde an den Felsen angebaut.\" width=\"300\" height=\"206\"><\/a> 3D-Modell einer Lagerhausruine in Igaliku, Gr\u00f6nland. Das Lagerhaus misst 13,5 \u00d7 4 m und wurde an den Felsen angebaut (Grafik: Ronny We\u00dfling und Joris Coolen).[\/caption]\n<p>Die zweite Feldkampagne f\u00fchrte im August in den S\u00fcden von Gr\u00f6nland, wo vom 10. bis zum 15. Jh. zahlreiche Siedlungen der sog. Norse, einer eingewanderten Bev\u00f6lkerungsgruppe aus vornehmlich Island und Norwegen, bestanden. Untersucht wurden die Fundpl\u00e4tze Qaqortukulooq (Hvalsey), Igaliku (Gar\u00f0ar), Igaliku Kujalleq (Undir H\u00f6f\u00f0i) und Qassiarsuk (Brattahl\u00ed\u00f0). Der dreiw\u00f6chige Forschungsaufenthalt war von sch\u00f6nstem Wetter gepr\u00e4gt, was sich jedoch nachteilig auf die Drachenfotografie auswirkte. Aus diesem Grund wurden vermehrt Ruinen vom Boden aus fotografiert und dokumentiert. Besonderes Interesse galt dabei den sog. Lagerh\u00e4usern (engl. warehouses), ein nur in Gr\u00f6nland auftretender Geb\u00e4udetyp, der Bestandteil jedes Hafens gewesen zu sein scheint. Diese bis zu 13 m langen und 4 m breiten, in Trockenbauweise errichteten Steingeb\u00e4ude, stehen oft auf vom Wasser aus zug\u00e4nglichen Felsvorspr\u00fcngen bzw. in unmittelbarer N\u00e4he zu einem guten Landeplatz. Die Lagerh\u00e4user von Igaliku sind dabei besonders beeindruckend. Die Nutzung von Lagerh\u00e4usern zur Zwischenlagerung von Tausch- und Handelswaren ist schriftlich in den zur gr\u00f6nl\u00e4ndischen Besiedlung \u00fcberlieferten Sagas dokumentiert.<\/p>\n[caption id=\"attachment_3811\" align=\"alignleft\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Igaliku-300x199.jpg\" alt=\"Blick \u00fcber das Hafengebiet von Igaliku, Gr\u00f6nland.\" width=\"300\" height=\"199\"><\/a> Blick \u00fcber das Hafengebiet von Igaliku, Gr\u00f6nland. Auf zwei der drei vorgelagerten Inseln befinden sich Reste von mittelalterlichen Lagerh\u00e4usern. Die linke, kleine Insel, war zu dieser Zeit mit dem Festland verbunden (Foto: Ronny We\u00dfling).[\/caption]\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass die Topografie und in weiterer Konsequenz die Funktionsweise mittelalterlicher H\u00e4fen nur durch interdisziplin\u00e4re Arbeit erfasst werden kann, ist der Hafen von Igaliku, dem ehemaligen Bischofssitz Gar\u00f0ar. Die Zusammenarbeit der Unterwasserarch\u00e4ologie und der Geomorphologie ergaben, dass eine vorgelagerte Insel, auf der sich die Ruine eines Lagerhauses befindet, im Mittelalter noch mit dem Land verbunden war und eine nat\u00fcrliche Landebr\u00fccke gebildet haben d\u00fcrfte. Um dieses Ergebnis abzusichern sind jedoch weitere, genauere Tiefenmessungen sowie eine kritische \u00dcberpr\u00fcfung bestehender Modelle des holoz\u00e4nen Meeresspiegelanstiegs n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Die erste Projektphase von HaNoA wurde Mitte 2015 mit einer letzten Feldkampagne in Island abgeschlossen. Ein Antrag auf Verl\u00e4ngerung des Projekts im Sinne einer Auswertungs- und Publikationsphase wurde bei der DFG eingereicht.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zu diesem Projekt im Internet<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.spp-haefen.de\/de\/die-projekte\/hanoa-haefen-im-nordatlantik\/<\/a><\/p>\n<h6>Themenbereiche<\/h6>\n<p>Mensch und Gesellschaft<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0<\/p>\n<h6>Mitarbeiter<\/h6>\n<p><strong>Leitung:<\/strong><br \/>Prof. Dr. Dr. h.c. Claus von Carnap-Bornheim<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter:<\/strong><br \/>Prof. Dr. Natascha Mehler<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h6>Unterst\u00fctzt durch<\/h6>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dfg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutsche Forschungsgemeinschaft<\/a><\/p>\n","comment_info":"No Comments","acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3787"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3787\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7922,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3787\/revisions\/7922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}