{"id":714,"date":"2020-08-17T09:54:07","date_gmt":"2020-08-17T07:54:07","guid":{"rendered":"https:\/\/zbsa.eu\/?p=714"},"modified":"2021-04-28T11:47:42","modified_gmt":"2021-04-28T09:47:42","slug":"publikation-in-scientific-reports-zum-sfb-1266","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/publikation-in-scientific-reports-zum-sfb-1266\/","title":{"rendered":"Publikation in Scientific Reports zum SFB 1266"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pressemitteilung der CAU Kiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00df angelegte Studie des Sonderforschungsbereichs SFB 1266 &#8222;TransformationsDimensionen \u2013 Mensch-Umwelt Interaktion in pr\u00e4historischen und archaischen Gesellschaften&#8220; an der Universit\u00e4t Kiel wird nun in der Zeitschrift Scientific Reports ver\u00f6ffentlicht. Sie zeigt, wie Rispenhirse im bronzezeitlichen Europa (vor ca. 3500 Jahren) auf den Speisezettel r\u00fcckte. Schon damals bestanden intensive Handels- und Kommunikationsnetzwerke, die eine erstaunlich schnelle Ausbreitung dieser neuen fern\u00f6stlichen Kulturpflanze erm\u00f6glichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit spiegelt auch ein neues Lebensmittel, die Rispenhirse, \u00f6konomische Transformationen vor ca. 3500 Jahren wider.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Arch\u00e4ologen finden h\u00e4ufig \u00dcberreste von Rispenhirse (Panicum miliaceum L.), einem Getreide mit kleinen, rundlichen K\u00f6rnern. Heutzutage dominieren Weizen, Mais und Reis unser Getreidespektrum, Hirse wird haupts\u00e4chlich als Sonderfrucht f\u00fcr Vogelfutter wahrgenommen. Als glutenfreies Lebensmittel erf\u00e4hrt dieses Getreide aktuell aber wieder wachsende Aufmerksamkeit. Es wurde im Nordosten Chinas um 6000 v. u. Z. domestiziert und schnell zu einem Grundnahrungsmittel. Die Rispenhirse ist ein trockenheitsresistentes, schnell wachsendes Getreide, das reich an Mineralien und Vitaminen ist. Mit einer Wachstumsdauer von nur 90 Tagen von der Aussaat bis zur Ernte wurde es sowohl von Landwirten als auch von Hirten angebaut und diente der Ern\u00e4hrung von Menschen und Vieh. Mit der Hirse im Gep\u00e4ck breiteten sich pastorale Gruppen \u00fcber tausende von Jahren von Ostasien nach Westen aus. Die fr\u00fcheste Hirse in Zentralasien stammt von arch\u00e4ologischen St\u00e4tten in Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und dem Kaschmir-Tal und datiert auf etwa 2500 v. u. Z.<\/p>\n\n\n\n<p>In Europa war Rispenhirse seltsamerweise in einigen Ausgrabungen der Jungsteinzeit gefunden worden, die je nach Region zwischen 6500 und 2000 v. u. Z. datieren. Wie konnte es m\u00f6glich sein, dass Hirse fast gleichzeitig in China domestiziert wurde? Weizen, Gerste und unsere Haustiere ben\u00f6tigten Tausende von Jahren bis sie nach ihrer Domestikation im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes (einem Gebiet vom Persischen Golf im gro\u00dfen Bogen \u00fcber den Norden Syriens bis nach Jordanien) nach Europa eingef\u00fchrt wurden. Gab es eine besondere Beziehung nach China? Zweifel an dieser Hypothese regte eine \u00dcberpr\u00fcfung der Angaben mit einigen an K\u00f6rnern durchgef\u00fchrten Radiokarbondatierungen (14C) im Jahr 2013. Von einem kleinen Satz &#8222;jungsteinzeitlicher&#8220; Hirsek\u00f6rner datierten die \u00e4ltesten K\u00f6rner in das 2. Jahrtausend v. u. Z., in die Bronzezeit. Andere waren mittelalterlich oder modern. Durch Wurzelg\u00e4nge und Regenwurmaktivit\u00e4t hatten die winzigen K\u00f6rner die \u00e4lteren arch\u00e4ologischen Schichten infiltriert. Wann die Hirse tats\u00e4chlich zum ersten Mal auftauchte und in Europa angebaut wurde, blieb unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Forschergruppe des Sonderforschungsbereichs &#8222;TransformationsDimensionen\u201c (SFB1266) um Wiebke Kirleis machte sich daran, diese Frage zu beantworten. Sie erforschten nicht nur die Ausbreitung des Hirseanbaus in Europa, sondern richteten zudem das Augenmerk auf die Akzeptanz dieses exotischen Getreides in der pr\u00e4historischen Bev\u00f6lkerung und schauten, welche landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ph\u00e4nomene mit dieser Innovation verbunden waren. Da Hirse innerhalb von drei Monaten nach der Aussaat reift, kann sie zwischen der Sommerernte und der Winteraussaat von Weizen oder Gerste in Zentral- und S\u00fcdeuropa als Zwischenfrucht angebaut werden. Weiter n\u00f6rdlich diente sie wohl als Ersatzfrucht, wenn Sp\u00e4tfrost die jungen Pflanzen der Hauptsaat zerst\u00f6rt hatte. Die Hirse erm\u00f6glichte es, einen zus\u00e4tzlichen Ertrag \u2013 Surplus \u2013 zu erwirtschaften, sie erh\u00f6hte die Ern\u00e4hrungssicherheit und beg\u00fcnstigte ein stetes Bev\u00f6lkerungswachstum.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zusammenarbeit mit fast drei\u00dfig Forschungseinrichtungen in ganz Europa, konnten die Arch\u00e4obotanikerinnen Dragana Filipovi\u0107 und Marta Dal Corso vom Team um Wiebke Kirleis gemeinsam mit John Meadows vom Leibniz Labor f\u00fcr Altersbestimmung und Isotopenforschung der CAU Kiel und dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) in Schleswig Hirse von 75 pr\u00e4historischen St\u00e4tten des 6.-1. Jahrtausend v. u. Z. neu radiokarbondatieren. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports open-access ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen, dass der Hirseanbau in Europa erst ca. 1500 v. u. Z. begann, dass sich die neue Feldfrucht jedoch erstaunlich rasch \u00fcber weite Teile Mitteleuropas ausbreitete. Dies weist einerseits auf weitreichende Handels- und Kommunikationsnetzwerke zu dieser Zeit hin, andererseits zeigen die Untersuchungen, dass die Rispenhirse schnell und weithin als vielseitige Erg\u00e4nzung zur damals von Weizen und Gerste dominierten K\u00fcche anerkannt wurde. Transformationsprozesse von Ern\u00e4hrungsstrategien und deren soziale Dimensionen sind ein zentrales Thema des SFB 1266. Rispenhirse breitete sich offenbar entlang etablierter Handelswege f\u00fcr Bronzegegenst\u00e4nde (u.a. Waffen), Gold und Bernstein aus. Die hochproduktive und vernetzte Welt des bronzezeitlichen Europas war aber auch eine B\u00fchne f\u00fcr Konflikte. \u00dcberreste von bewaffneten Auseinandersetzungen und die zahlreichen Befestigungsanlagen legen davon Zeugnis ab. Die k\u00fcnftige Forschung im SFB 1266 wird untersuchen, welche gesellschaftlichen Dynamiken mit der Einf\u00fchrung dieses neuen Lebensmittels in dieser ausgepr\u00e4gten Umbruchsperiode der europ\u00e4ischen Urgeschichte verbunden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitwirkende SFB 1266 Autorinnen* sind: Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso und SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitat:<\/p>\n\n\n\n<p>Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso, Wiebke Kirleis et al., 2020. New AMS 14C dates track the arrival and spread of broomcorn millet cultivation and agricultural change in prehistoric Europe. Scientific Reports. 10.1038\/s41598-020-70495-z<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news752602\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/idw-online.de\/de\/news752602<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Informationen zum SFB 1266: TransformationsDimensionen unter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\">www.<\/a><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sfb1266<\/a><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\">.uni-kiel.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Wiebke Kirleis<br>Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte<br>Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel<br>Johanna-Mestorf-Strasse 2-6 | D-24118 Kiel | Germany<\/p>\n\n\n\n<p>Telefon: 0049 (0)431\/880-3173<br>Mobil: 0049 (0)1522\/1624264<br>Fax: 0049 (0)431\/880-7300<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pressemitteilung der CAU Kiel Eine gro\u00df angelegte Studie des Sonderforschungsbereichs SFB 1266 &#8222;TransformationsDimensionen \u2013 Mensch-Umwelt Interaktion in pr\u00e4historischen und archaischen Gesellschaften&#8220; an der Universit\u00e4t Kiel wird nun in der Zeitschrift Scientific Reports ver\u00f6ffentlicht. Sie zeigt, wie Rispenhirse im bronzezeitlichen Europa (vor ca. 3500 Jahren) auf den Speisezettel r\u00fcckte. Schon damals bestanden intensive Handels- und Kommunikationsnetzwerke, die eine erstaunlich schnelle Ausbreitung dieser neuen fern\u00f6stlichen Kulturpflanze erm\u00f6glichten. Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit spiegelt auch ein neues Lebensmittel, die Rispenhirse, \u00f6konomische Transformationen vor ca. 3500 Jahren wider. Arch\u00e4ologen finden h\u00e4ufig \u00dcberreste von Rispenhirse (Panicum miliaceum L.), einem Getreide mit kleinen, rundlichen K\u00f6rnern. Heutzutage dominieren Weizen, Mais und Reis unser Getreidespektrum, Hirse wird haupts\u00e4chlich als Sonderfrucht f\u00fcr Vogelfutter wahrgenommen. Als glutenfreies Lebensmittel erf\u00e4hrt dieses Getreide aktuell aber wieder wachsende Aufmerksamkeit. Es wurde im Nordosten Chinas um 6000 v. u. Z. domestiziert und schnell zu einem Grundnahrungsmittel. Die Rispenhirse ist ein trockenheitsresistentes, schnell wachsendes Getreide, das reich an Mineralien und Vitaminen ist. Mit einer Wachstumsdauer von nur 90 Tagen von der Aussaat bis zur Ernte wurde es sowohl von Landwirten als auch von Hirten angebaut und diente der Ern\u00e4hrung von Menschen und Vieh. Mit der Hirse im Gep\u00e4ck breiteten sich pastorale Gruppen \u00fcber tausende von Jahren von Ostasien nach Westen aus. Die fr\u00fcheste Hirse in Zentralasien stammt von arch\u00e4ologischen St\u00e4tten in Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und dem Kaschmir-Tal und datiert auf etwa 2500 v. u. Z. In Europa war Rispenhirse seltsamerweise in einigen Ausgrabungen der Jungsteinzeit gefunden worden, die je nach Region zwischen 6500 und 2000 v. u. Z. datieren. Wie konnte es m\u00f6glich sein, dass Hirse fast gleichzeitig in China domestiziert wurde? Weizen, Gerste und unsere Haustiere ben\u00f6tigten Tausende von Jahren bis sie nach ihrer Domestikation im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes (einem Gebiet vom Persischen Golf im gro\u00dfen Bogen \u00fcber den Norden Syriens bis nach Jordanien) nach Europa eingef\u00fchrt wurden. Gab es eine besondere Beziehung nach China? Zweifel an dieser Hypothese regte eine \u00dcberpr\u00fcfung der Angaben mit einigen an K\u00f6rnern durchgef\u00fchrten Radiokarbondatierungen (14C) im Jahr 2013. Von einem kleinen Satz &#8222;jungsteinzeitlicher&#8220; Hirsek\u00f6rner datierten die \u00e4ltesten K\u00f6rner in das 2. Jahrtausend v. u. Z., in die Bronzezeit. Andere waren mittelalterlich oder modern. Durch Wurzelg\u00e4nge und Regenwurmaktivit\u00e4t hatten die winzigen K\u00f6rner die \u00e4lteren arch\u00e4ologischen Schichten infiltriert. Wann die Hirse tats\u00e4chlich zum ersten Mal auftauchte und in Europa angebaut wurde, blieb unbekannt. Eine Forschergruppe des Sonderforschungsbereichs &#8222;TransformationsDimensionen\u201c (SFB1266) um Wiebke Kirleis machte sich daran, diese Frage zu beantworten. Sie erforschten nicht nur die Ausbreitung des Hirseanbaus in Europa, sondern richteten zudem das Augenmerk auf die Akzeptanz dieses exotischen Getreides in der pr\u00e4historischen Bev\u00f6lkerung und schauten, welche landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ph\u00e4nomene mit dieser Innovation verbunden waren. Da Hirse innerhalb von drei Monaten nach der Aussaat reift, kann sie zwischen der Sommerernte und der Winteraussaat von Weizen oder Gerste in Zentral- und S\u00fcdeuropa als Zwischenfrucht angebaut werden. Weiter n\u00f6rdlich diente sie wohl als Ersatzfrucht, wenn Sp\u00e4tfrost die jungen Pflanzen der Hauptsaat zerst\u00f6rt hatte. Die Hirse erm\u00f6glichte es, einen zus\u00e4tzlichen Ertrag \u2013 Surplus \u2013 zu erwirtschaften, sie erh\u00f6hte die Ern\u00e4hrungssicherheit und beg\u00fcnstigte ein stetes Bev\u00f6lkerungswachstum. In Zusammenarbeit mit fast drei\u00dfig Forschungseinrichtungen in ganz Europa, konnten die Arch\u00e4obotanikerinnen Dragana Filipovi\u0107 und Marta Dal Corso vom Team um Wiebke Kirleis gemeinsam mit John Meadows vom Leibniz Labor f\u00fcr Altersbestimmung und Isotopenforschung der CAU Kiel und dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) in Schleswig Hirse von 75 pr\u00e4historischen St\u00e4tten des 6.-1. Jahrtausend v. u. Z. neu radiokarbondatieren. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports open-access ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen, dass der Hirseanbau in Europa erst ca. 1500 v. u. Z. begann, dass sich die neue Feldfrucht jedoch erstaunlich rasch \u00fcber weite Teile Mitteleuropas ausbreitete. Dies weist einerseits auf weitreichende Handels- und Kommunikationsnetzwerke zu dieser Zeit hin, andererseits zeigen die Untersuchungen, dass die Rispenhirse schnell und weithin als vielseitige Erg\u00e4nzung zur damals von Weizen und Gerste dominierten K\u00fcche anerkannt wurde. Transformationsprozesse von Ern\u00e4hrungsstrategien und deren soziale Dimensionen sind ein zentrales Thema des SFB 1266. Rispenhirse breitete sich offenbar entlang etablierter Handelswege f\u00fcr Bronzegegenst\u00e4nde (u.a. Waffen), Gold und Bernstein aus. Die hochproduktive und vernetzte Welt des bronzezeitlichen Europas war aber auch eine B\u00fchne f\u00fcr Konflikte. \u00dcberreste von bewaffneten Auseinandersetzungen und die zahlreichen Befestigungsanlagen legen davon Zeugnis ab. Die k\u00fcnftige Forschung im SFB 1266 wird untersuchen, welche gesellschaftlichen Dynamiken mit der Einf\u00fchrung dieses neuen Lebensmittels in dieser ausgepr\u00e4gten Umbruchsperiode der europ\u00e4ischen Urgeschichte verbunden waren. Mitwirkende SFB 1266 Autorinnen* sind: Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso und SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis. Zitat: Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso, Wiebke Kirleis et al., 2020. New AMS 14C dates track the arrival and spread of broomcorn millet cultivation and agricultural change in prehistoric Europe. Scientific Reports. 10.1038\/s41598-020-70495-z https:\/\/idw-online.de\/de\/news752602 Weitere Informationen zum SFB 1266: TransformationsDimensionen unter www.sfb1266.uni-kiel.de\/ Kontakt: Prof. Dr. Wiebke KirleisInstitut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichteChristian-Albrechts-Universit\u00e4t zu KielJohanna-Mestorf-Strasse 2-6 | D-24118 Kiel | Germany Telefon: 0049 (0)431\/880-3173Mobil: 0049 (0)1522\/1624264Fax: 0049 (0)431\/880-7300<\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":681,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-714","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-21"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.4 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Publikation in Scientific Reports zum SFB 1266 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/zbsa.eu\/en\/publikation-in-scientific-reports-zum-sfb-1266\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Publikation in Scientific Reports zum SFB 1266 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Pressemitteilung der CAU Kiel Eine gro\u00df angelegte Studie des Sonderforschungsbereichs SFB 1266 &#8222;TransformationsDimensionen \u2013 Mensch-Umwelt Interaktion in pr\u00e4historischen und archaischen Gesellschaften&#8220; an der Universit\u00e4t Kiel wird nun in der Zeitschrift Scientific Reports ver\u00f6ffentlicht. 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Die Rispenhirse ist ein trockenheitsresistentes, schnell wachsendes Getreide, das reich an Mineralien und Vitaminen ist. Mit einer Wachstumsdauer von nur 90 Tagen von der Aussaat bis zur Ernte wurde es sowohl von Landwirten als auch von Hirten angebaut und diente der Ern\u00e4hrung von Menschen und Vieh. Mit der Hirse im Gep\u00e4ck breiteten sich pastorale Gruppen \u00fcber tausende von Jahren von Ostasien nach Westen aus. Die fr\u00fcheste Hirse in Zentralasien stammt von arch\u00e4ologischen St\u00e4tten in Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und dem Kaschmir-Tal und datiert auf etwa 2500 v. u. Z. In Europa war Rispenhirse seltsamerweise in einigen Ausgrabungen der Jungsteinzeit gefunden worden, die je nach Region zwischen 6500 und 2000 v. u. Z. datieren. Wie konnte es m\u00f6glich sein, dass Hirse fast gleichzeitig in China domestiziert wurde? Weizen, Gerste und unsere Haustiere ben\u00f6tigten Tausende von Jahren bis sie nach ihrer Domestikation im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes (einem Gebiet vom Persischen Golf im gro\u00dfen Bogen \u00fcber den Norden Syriens bis nach Jordanien) nach Europa eingef\u00fchrt wurden. Gab es eine besondere Beziehung nach China? Zweifel an dieser Hypothese regte eine \u00dcberpr\u00fcfung der Angaben mit einigen an K\u00f6rnern durchgef\u00fchrten Radiokarbondatierungen (14C) im Jahr 2013. Von einem kleinen Satz &#8222;jungsteinzeitlicher&#8220; Hirsek\u00f6rner datierten die \u00e4ltesten K\u00f6rner in das 2. Jahrtausend v. u. Z., in die Bronzezeit. Andere waren mittelalterlich oder modern. Durch Wurzelg\u00e4nge und Regenwurmaktivit\u00e4t hatten die winzigen K\u00f6rner die \u00e4lteren arch\u00e4ologischen Schichten infiltriert. Wann die Hirse tats\u00e4chlich zum ersten Mal auftauchte und in Europa angebaut wurde, blieb unbekannt. 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Sie zeigt, wie Rispenhirse im bronzezeitlichen Europa (vor ca. 3500 Jahren) auf den Speisezettel r\u00fcckte. Schon damals bestanden intensive Handels- und Kommunikationsnetzwerke, die eine erstaunlich schnelle Ausbreitung dieser neuen fern\u00f6stlichen Kulturpflanze erm\u00f6glichten. Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit spiegelt auch ein neues Lebensmittel, die Rispenhirse, \u00f6konomische Transformationen vor ca. 3500 Jahren wider. Arch\u00e4ologen finden h\u00e4ufig \u00dcberreste von Rispenhirse (Panicum miliaceum L.), einem Getreide mit kleinen, rundlichen K\u00f6rnern. Heutzutage dominieren Weizen, Mais und Reis unser Getreidespektrum, Hirse wird haupts\u00e4chlich als Sonderfrucht f\u00fcr Vogelfutter wahrgenommen. Als glutenfreies Lebensmittel erf\u00e4hrt dieses Getreide aktuell aber wieder wachsende Aufmerksamkeit. Es wurde im Nordosten Chinas um 6000 v. u. Z. domestiziert und schnell zu einem Grundnahrungsmittel. 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Sie zeigt, wie Rispenhirse im bronzezeitlichen Europa (vor ca. 3500 Jahren) auf den Speisezettel r\u00fcckte. Schon damals bestanden intensive Handels- und Kommunikationsnetzwerke, die eine erstaunlich schnelle Ausbreitung dieser neuen fern\u00f6stlichen Kulturpflanze erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit spiegelt auch ein neues Lebensmittel, die Rispenhirse, \u00f6konomische Transformationen vor ca. 3500 Jahren wider.<\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Arch\u00e4ologen finden h\u00e4ufig \u00dcberreste von Rispenhirse (Panicum miliaceum L.), einem Getreide mit kleinen, rundlichen K\u00f6rnern. Heutzutage dominieren Weizen, Mais und Reis unser Getreidespektrum, Hirse wird haupts\u00e4chlich als Sonderfrucht f\u00fcr Vogelfutter wahrgenommen. 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Z.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>In Europa war Rispenhirse seltsamerweise in einigen Ausgrabungen der Jungsteinzeit gefunden worden, die je nach Region zwischen 6500 und 2000 v. u. Z. datieren. Wie konnte es m\u00f6glich sein, dass Hirse fast gleichzeitig in China domestiziert wurde? Weizen, Gerste und unsere Haustiere ben\u00f6tigten Tausende von Jahren bis sie nach ihrer Domestikation im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes (einem Gebiet vom Persischen Golf im gro\u00dfen Bogen \u00fcber den Norden Syriens bis nach Jordanien) nach Europa eingef\u00fchrt wurden. Gab es eine besondere Beziehung nach China? Zweifel an dieser Hypothese regte eine \u00dcberpr\u00fcfung der Angaben mit einigen an K\u00f6rnern durchgef\u00fchrten Radiokarbondatierungen (14C) im Jahr 2013. Von einem kleinen Satz &#8222;jungsteinzeitlicher&#8220; Hirsek\u00f6rner datierten die \u00e4ltesten K\u00f6rner in das 2. Jahrtausend v. u. Z., in die Bronzezeit. 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Da Hirse innerhalb von drei Monaten nach der Aussaat reift, kann sie zwischen der Sommerernte und der Winteraussaat von Weizen oder Gerste in Zentral- und S\u00fcdeuropa als Zwischenfrucht angebaut werden. Weiter n\u00f6rdlich diente sie wohl als Ersatzfrucht, wenn Sp\u00e4tfrost die jungen Pflanzen der Hauptsaat zerst\u00f6rt hatte. Die Hirse erm\u00f6glichte es, einen zus\u00e4tzlichen Ertrag \u2013 Surplus \u2013 zu erwirtschaften, sie erh\u00f6hte die Ern\u00e4hrungssicherheit und beg\u00fcnstigte ein stetes Bev\u00f6lkerungswachstum.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit fast drei\u00dfig Forschungseinrichtungen in ganz Europa, konnten die Arch\u00e4obotanikerinnen Dragana Filipovi\u0107 und Marta Dal Corso vom Team um Wiebke Kirleis gemeinsam mit John Meadows vom Leibniz Labor f\u00fcr Altersbestimmung und Isotopenforschung der CAU Kiel und dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) in Schleswig Hirse von 75 pr\u00e4historischen St\u00e4tten des 6.-1. Jahrtausend v. u. Z. neu radiokarbondatieren. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports open-access ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen, dass der Hirseanbau in Europa erst ca. 1500 v. u. Z. begann, dass sich die neue Feldfrucht jedoch erstaunlich rasch \u00fcber weite Teile Mitteleuropas ausbreitete. Dies weist einerseits auf weitreichende Handels- und Kommunikationsnetzwerke zu dieser Zeit hin, andererseits zeigen die Untersuchungen, dass die Rispenhirse schnell und weithin als vielseitige Erg\u00e4nzung zur damals von Weizen und Gerste dominierten K\u00fcche anerkannt wurde. Transformationsprozesse von Ern\u00e4hrungsstrategien und deren soziale Dimensionen sind ein zentrales Thema des SFB 1266. Rispenhirse breitete sich offenbar entlang etablierter Handelswege f\u00fcr Bronzegegenst\u00e4nde (u.a. Waffen), Gold und Bernstein aus. Die hochproduktive und vernetzte Welt des bronzezeitlichen Europas war aber auch eine B\u00fchne f\u00fcr Konflikte. \u00dcberreste von bewaffneten Auseinandersetzungen und die zahlreichen Befestigungsanlagen legen davon Zeugnis ab. Die k\u00fcnftige Forschung im SFB 1266 wird untersuchen, welche gesellschaftlichen Dynamiken mit der Einf\u00fchrung dieses neuen Lebensmittels in dieser ausgepr\u00e4gten Umbruchsperiode der europ\u00e4ischen Urgeschichte verbunden waren.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Mitwirkende SFB 1266 Autorinnen* sind: Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso und SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Zitat:<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Dragana Filipovi\u0107, John Meadows, Marta Dal Corso, Wiebke Kirleis et al., 2020. New AMS 14C dates track the arrival and spread of broomcorn millet cultivation and agricultural change in prehistoric Europe. Scientific Reports. 10.1038\/s41598-020-70495-z<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news752602\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/idw-online.de\/de\/news752602<\/a><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zum SFB 1266: TransformationsDimensionen unter<\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\">www.<\/a><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">sfb1266<\/a><a href=\"http:\/\/www.sfb1266.uni-kiel.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sfb1266.uni-kiel.de\/\">.uni-kiel.de\/<\/a><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Prof. Dr. Wiebke Kirleis<br \/>Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte<br \/>Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel<br \/>Johanna-Mestorf-Strasse 2-6 | D-24118 Kiel | Germany<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Telefon: 0049 (0)431\/880-3173<br \/>Mobil: 0049 (0)1522\/1624264<br \/>Fax: 0049 (0)431\/880-7300<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n","comment_info":"No Comments","acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=714"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6416,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714\/revisions\/6416"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}