{"id":7145,"date":"2021-06-30T11:46:45","date_gmt":"2021-06-30T09:46:45","guid":{"rendered":"https:\/\/zbsa.eu\/?p=7145"},"modified":"2021-08-03T12:20:58","modified_gmt":"2021-08-03T10:20:58","slug":"pestfall-vor-5000-jahren-in-lettland-keine-hinweise-auf-damalige-epidemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/pestfall-vor-5000-jahren-in-lettland-keine-hinweise-auf-damalige-epidemie\/","title":{"rendered":"Pestfall vor 5000 Jahren in Lettland: keine Hinweise auf damalige Epidemie"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"7145\" class=\"elementor elementor-7145\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section data-particle_enable=\"false\" data-particle-mobile-disabled=\"false\" class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-559a49f5 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"559a49f5\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-132135\" data-id=\"132135\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-359a456c elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"359a456c\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel (CAU) hat anhand von DNA eines 5000 Jahre alten Pestfalls neue Hinweise zur Evolution des Erregers gefunden.<\/strong><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\">Die Pest, die im sp\u00e4ten Mittelalter eine Pandemie ausl\u00f6ste und als \u201eschwarzer Tod\u201c gesch\u00e4tzte 25 Millionen Todesopfer weltweit forderte, wird von dem Bakterium Yersinia pestis (Y. pestis) ausgel\u00f6st, das vor allem in Nagetieren vorkommt und durch Fl\u00f6he auf den Menschen und ebenso von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen werden kann. Mittlerweile wei\u00df man, dass der Erreger auch schon deutlich fr\u00fcher immer wieder Menschen infizierte, doch wie er genau entstanden ist und wann er f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlich wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein Team der CAU hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA), Schloss Gottorf, und dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte der Lettischen Universit\u00e4t Riga (LVI) nun in den \u00dcberresten eines Mannes, der vor 5000 Jahren im jetzigen Lettland gelebt hatte, das Genom des Pesterregers nachgewiesen. Die Analysen geben Aufschluss \u00fcber die sehr fr\u00fchen Phasen der Evolution von Y. pestis. So zeigen die Ergebnisse, dass, anders als bisher angenommen, die Bakterien bereits zu Beginn der Jungsteinzeit Menschen infiziert haben, aber vermutlich nur ein begrenztes Infektionspotenzial hatten, sie sich hier also noch nicht im Rahmen einer Epidemie verbreiten konnten. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachjournal Cell Reports ver\u00f6ffentlicht.<br \/>Die Forschenden hatten die \u00dcberreste von vier Individuen genetisch untersucht, die alle an der gleichen Stelle auf dem Ri\u0146\u0146ukalns am Burtnieksee, Lettland, vor rund 5000 Jahren begraben worden waren. \u201eBisher war wenig bekannt \u00fcber die J\u00e4ger, Fischer und Sammler, die zu dieser Zeit in Nordosteuropa lebten, und \u00fcber ihre Belastung durch Infektionskrankheiten\u201c, erkl\u00e4rt der federf\u00fchrende Autor Professor Ben Krause-Kyora, Biochemiker und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB) der CAU, Mitglied in den Exzellenzclustern \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI) und \u201eROOTS \u2013 Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies\u201c sowie im SFB 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c. Mit der in Kiel etablierten speziellen Analysemethode untersuchte das Team die alte DNA aus den \u00dcberresten, wie beispielsweise Z\u00e4hne und Knochen, nach bakteriellen und viralen Krankheitserregern. \u00dcberraschenderweise identifizierten sie dabei in einem m\u00e4nnlichen Individuum Teile des Genoms von Y.pestis, dem Pesterreger.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\">Da nach so vielen Jahren die DNA in den Knochen nur noch in Bruchst\u00fccken vorhanden ist, mussten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Genom des Bakteriums aus den einzelnen Fragmenten wieder zusammensetzen. Das rekonstruierte Genom haben sie zusammen mit genetischen Informationen j\u00fcngerer Pest-St\u00e4mme analysiert, um zu erfahren, woher der lettische Stamm kommt und wie und wann er entstanden sein muss. So datierten sie den Ursprung dieses Erregerstamms auf den Anfang der Jungsteinzeit vor circa 7000 Jahren. Damit ist der untersuchte Stamm der bisher fr\u00fcheste in der Evolution des Pesterregers. \u201eUnsere Sch\u00e4tzung liegt damit rund 1000 Jahre fr\u00fcher als bisher vermutet\u201c, sagt Mitinitiator Dr. Harald L\u00fcbke, Wissenschaftler am Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie, Schloss Gottorf, und Mitglied im SFB 1266.<br \/>Ausgangslage f\u00fcr die Arbeit war die bisherige wissenschaftliche Annahme, dass es bereits in der Jungsteinzeit Pest-Epidemien gab. \u201eWir waren auf der Suche nach Faktoren, die Krankheitserreger generell dazu bef\u00e4higen, Epidemien auszul\u00f6sen. Das wollten wir am Pesterreger genauer untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt Krause-Kyora. \u201eDoch anders als erwartet unterst\u00fctzen unsere Daten die bisherige Hypothese einer Lungenpestpandemie in dieser Zeit nicht. Stattdessen weisen unsere Analysen darauf hin, dass diese sehr fr\u00fche Form des Pesterregers wahrscheinlich weniger \u00fcbertragbar und m\u00f6glicherweise sogar weniger virulent war als sp\u00e4tere St\u00e4mme\u201c, so Krause-Kyora weiter. Die geografische und zeitliche Verteilung der wenigen, bisher berichteten pr\u00e4historischen Pestf\u00e4lle deutet stattdessen eher auf einzelne sogenannte Zoonosen hin, also Infektionen, bei denen der Erreger direkt vom Tier auf den Menschen \u00fcbergegangen ist. Das Potential eine Epidemie oder gar eine weltweite Pandemie auszul\u00f6sen, hat der Erreger demnach erst sp\u00e4ter entwickelt. \u201eAus arch\u00e4ologischer Sicht ist dieser Befund wichtig, da er nahelegt, dass Infektionen mit dem Pestbakterium nicht zu gro\u00dffl\u00e4chigen, transformativen gesellschaftlichen oder politischen Ver\u00e4nderungen in der Jungsteinzeit gef\u00fchrt haben,\u201c sagt Professor Johannes M\u00fcller, Sprecher des SFB 1266, des Exzellenzclusters ROOTS und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte der CAU.<br \/>\u201eDie Ergebnisse tragen auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber bei, wie Zoonosen entstanden sind und entstehen und wie sich daraus wiederum Epidemien und Pandemien entwickeln k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters PMI, Direktor des IKMBs und Direktor der Klinik f\u00fcr Innere Medizin I am Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.<br \/>Die Erforschung alter menschlicher DNA und alter Krankheitserreger im Allgemeinen kann dar\u00fcber hinaus auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis moderner Erkrankungen, wie etwa chronischen Entz\u00fcndungserkrankungen, beitragen. W\u00e4hrend die Infektionen das Immunsystem von Menschen in fr\u00fcheren Jahrtausenden aufgrund der Lebensbedingungen wie Hygiene und Ern\u00e4hrung stark forderten, f\u00fchrt heutzutage h\u00e4ufiger ein fehlgeleitetes Immunsystem zu chronischen Entz\u00fcndungen. Evolution\u00e4r k\u00f6nnte das zusammenh\u00e4ngen. \u201eWir k\u00f6nnen moderne Erkrankungen des Immunsystems und ihre Urspr\u00fcnge besser verstehen, wenn wir mehr \u00fcber die Krankheitserreger wissen, die fr\u00fcher das menschliche Immunsystem besonders gefordert haben. Daher ist ihre Erforschung auch schon lange ein wichtiges Element im Exzellenzcluster PMI\u201c, sagt Schreiber.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\">Das Projekt wurde unterst\u00fctzt durch das Exzellenzcluster \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI), das Exzellenzcluster ROOTS sowie den Sonderforschungsbereich 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c; die arch\u00e4ologischen Forschungen zum Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns sind Bestandteil des Forschungsprojektes \u201eRi\u0146\u0146ukalns, a Neolithic freshwater shell midden site in northern Latvia and its significance for cultural development of the Eastern Baltic Stone Age\u201c des ZBSA in Kooperation mit dem LVI; alle gef\u00f6rdert von der DFG.<\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Wissenschaftlicher Kontakt (CAU-Forschungsprojekt Pr\u00e4historische Krankheitserreger):<\/strong><br \/>Prof. Dr. Ben Krause-Kyora<br \/>Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB)<br \/>Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel und Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel<br \/>0431 500-15142<br \/><a href=\"mailto:b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de\">b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Wissenschaftlicher Kontakt (ZBSA-Forschungsprojekt Arch\u00e4ologie Ri\u0146\u0146ukalns):<\/strong><br \/>Dr. Harald L\u00fcbke<br \/>PD Dr. habil. Ulrich Schm\u00f6lcke<br \/>Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA)<br \/>Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf<br \/>04621 813-306<br \/>04621 813-352<br \/><a href=\"mailto:harald.luebke@zbsa.eu\">harald.luebke@zbsa.eu<\/a><br \/><a href=\"mailto:ulrich.schmoelcke@zbsa.eu\">ulrich.schmoelcke@zbsa.eu<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Originalpublikation:<\/strong><br \/>Susat et al.: A 5,000-year-old hunter-gatherer already plagued by Yersinia pestis.Cell Reports (2021). <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><\/p>\n<p><strong>Abbildung: <\/strong><br \/>Sch\u00e4delknochen des Mannes, der vor rund 5000 Jahren in Ri\u0146\u0146ukalns, Lettland, begraben worden ist. In diesen Knochen hat das Forschungsteam den Pesterreger nachgewiesen.<br \/>\u00a9 Dominik G\u00f6ldner, BGAEU, Berlin<\/p>\n<p><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel (CAU) hat anhand von DNA eines 5000 Jahre alten Pestfalls neue Hinweise zur Evolution des Erregers gefunden. Die Pest, die im sp\u00e4ten Mittelalter eine Pandemie ausl\u00f6ste und als \u201eschwarzer Tod\u201c gesch\u00e4tzte 25 Millionen Todesopfer weltweit forderte, wird von dem Bakterium Yersinia pestis (Y. pestis) ausgel\u00f6st, das vor allem in Nagetieren vorkommt und durch Fl\u00f6he auf den Menschen und ebenso von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen werden kann. Mittlerweile wei\u00df man, dass der Erreger auch schon deutlich fr\u00fcher immer wieder Menschen infizierte, doch wie er genau entstanden ist und wann er f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlich wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein Team der CAU hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA), Schloss Gottorf, und dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte der Lettischen Universit\u00e4t Riga (LVI) nun in den \u00dcberresten eines Mannes, der vor 5000 Jahren im jetzigen Lettland gelebt hatte, das Genom des Pesterregers nachgewiesen. Die Analysen geben Aufschluss \u00fcber die sehr fr\u00fchen Phasen der Evolution von Y. pestis. So zeigen die Ergebnisse, dass, anders als bisher angenommen, die Bakterien bereits zu Beginn der Jungsteinzeit Menschen infiziert haben, aber vermutlich nur ein begrenztes Infektionspotenzial hatten, sie sich hier also noch nicht im Rahmen einer Epidemie verbreiten konnten. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachjournal Cell Reports ver\u00f6ffentlicht.Die Forschenden hatten die \u00dcberreste von vier Individuen genetisch untersucht, die alle an der gleichen Stelle auf dem Ri\u0146\u0146ukalns am Burtnieksee, Lettland, vor rund 5000 Jahren begraben worden waren. \u201eBisher war wenig bekannt \u00fcber die J\u00e4ger, Fischer und Sammler, die zu dieser Zeit in Nordosteuropa lebten, und \u00fcber ihre Belastung durch Infektionskrankheiten\u201c, erkl\u00e4rt der federf\u00fchrende Autor Professor Ben Krause-Kyora, Biochemiker und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB) der CAU, Mitglied in den Exzellenzclustern \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI) und \u201eROOTS \u2013 Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies\u201c sowie im SFB 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c. Mit der in Kiel etablierten speziellen Analysemethode untersuchte das Team die alte DNA aus den \u00dcberresten, wie beispielsweise Z\u00e4hne und Knochen, nach bakteriellen und viralen Krankheitserregern. \u00dcberraschenderweise identifizierten sie dabei in einem m\u00e4nnlichen Individuum Teile des Genoms von Y.pestis, dem Pesterreger. Da nach so vielen Jahren die DNA in den Knochen nur noch in Bruchst\u00fccken vorhanden ist, mussten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Genom des Bakteriums aus den einzelnen Fragmenten wieder zusammensetzen. Das rekonstruierte Genom haben sie zusammen mit genetischen Informationen j\u00fcngerer Pest-St\u00e4mme analysiert, um zu erfahren, woher der lettische Stamm kommt und wie und wann er entstanden sein muss. So datierten sie den Ursprung dieses Erregerstamms auf den Anfang der Jungsteinzeit vor circa 7000 Jahren. Damit ist der untersuchte Stamm der bisher fr\u00fcheste in der Evolution des Pesterregers. \u201eUnsere Sch\u00e4tzung liegt damit rund 1000 Jahre fr\u00fcher als bisher vermutet\u201c, sagt Mitinitiator Dr. Harald L\u00fcbke, Wissenschaftler am Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie, Schloss Gottorf, und Mitglied im SFB 1266.Ausgangslage f\u00fcr die Arbeit war die bisherige wissenschaftliche Annahme, dass es bereits in der Jungsteinzeit Pest-Epidemien gab. \u201eWir waren auf der Suche nach Faktoren, die Krankheitserreger generell dazu bef\u00e4higen, Epidemien auszul\u00f6sen. Das wollten wir am Pesterreger genauer untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt Krause-Kyora. \u201eDoch anders als erwartet unterst\u00fctzen unsere Daten die bisherige Hypothese einer Lungenpestpandemie in dieser Zeit nicht. Stattdessen weisen unsere Analysen darauf hin, dass diese sehr fr\u00fche Form des Pesterregers wahrscheinlich weniger \u00fcbertragbar und m\u00f6glicherweise sogar weniger virulent war als sp\u00e4tere St\u00e4mme\u201c, so Krause-Kyora weiter. Die geografische und zeitliche Verteilung der wenigen, bisher berichteten pr\u00e4historischen Pestf\u00e4lle deutet stattdessen eher auf einzelne sogenannte Zoonosen hin, also Infektionen, bei denen der Erreger direkt vom Tier auf den Menschen \u00fcbergegangen ist. Das Potential eine Epidemie oder gar eine weltweite Pandemie auszul\u00f6sen, hat der Erreger demnach erst sp\u00e4ter entwickelt. \u201eAus arch\u00e4ologischer Sicht ist dieser Befund wichtig, da er nahelegt, dass Infektionen mit dem Pestbakterium nicht zu gro\u00dffl\u00e4chigen, transformativen gesellschaftlichen oder politischen Ver\u00e4nderungen in der Jungsteinzeit gef\u00fchrt haben,\u201c sagt Professor Johannes M\u00fcller, Sprecher des SFB 1266, des Exzellenzclusters ROOTS und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte der CAU.\u201eDie Ergebnisse tragen auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber bei, wie Zoonosen entstanden sind und entstehen und wie sich daraus wiederum Epidemien und Pandemien entwickeln k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters PMI, Direktor des IKMBs und Direktor der Klinik f\u00fcr Innere Medizin I am Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.Die Erforschung alter menschlicher DNA und alter Krankheitserreger im Allgemeinen kann dar\u00fcber hinaus auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis moderner Erkrankungen, wie etwa chronischen Entz\u00fcndungserkrankungen, beitragen. W\u00e4hrend die Infektionen das Immunsystem von Menschen in fr\u00fcheren Jahrtausenden aufgrund der Lebensbedingungen wie Hygiene und Ern\u00e4hrung stark forderten, f\u00fchrt heutzutage h\u00e4ufiger ein fehlgeleitetes Immunsystem zu chronischen Entz\u00fcndungen. Evolution\u00e4r k\u00f6nnte das zusammenh\u00e4ngen. \u201eWir k\u00f6nnen moderne Erkrankungen des Immunsystems und ihre Urspr\u00fcnge besser verstehen, wenn wir mehr \u00fcber die Krankheitserreger wissen, die fr\u00fcher das menschliche Immunsystem besonders gefordert haben. Daher ist ihre Erforschung auch schon lange ein wichtiges Element im Exzellenzcluster PMI\u201c, sagt Schreiber. Das Projekt wurde unterst\u00fctzt durch das Exzellenzcluster \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI), das Exzellenzcluster ROOTS sowie den Sonderforschungsbereich 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c; die arch\u00e4ologischen Forschungen zum Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns sind Bestandteil des Forschungsprojektes \u201eRi\u0146\u0146ukalns, a Neolithic freshwater shell midden site in northern Latvia and its significance for cultural development of the Eastern Baltic Stone Age\u201c des ZBSA in Kooperation mit dem LVI; alle gef\u00f6rdert von der DFG. Wissenschaftlicher Kontakt (CAU-Forschungsprojekt Pr\u00e4historische Krankheitserreger):Prof. Dr. Ben Krause-KyoraInstitut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB)Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel und Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel0431 500-15142b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de Wissenschaftlicher Kontakt (ZBSA-Forschungsprojekt Arch\u00e4ologie Ri\u0146\u0146ukalns):Dr. Harald L\u00fcbkePD Dr. habil. Ulrich Schm\u00f6lckeZentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA)Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf04621 813-30604621 813-352harald.luebke@zbsa.euulrich.schmoelcke@zbsa.eu Originalpublikation:Susat et al.: A 5,000-year-old hunter-gatherer already plagued by Yersinia pestis.Cell Reports (2021). https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278 Abbildung: Sch\u00e4delknochen des Mannes, der vor rund 5000 Jahren in Ri\u0146\u0146ukalns, Lettland, begraben worden ist. 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Die Pest, die im sp\u00e4ten Mittelalter eine Pandemie ausl\u00f6ste und als \u201eschwarzer Tod\u201c gesch\u00e4tzte 25 Millionen Todesopfer weltweit forderte, wird von dem Bakterium Yersinia pestis (Y. pestis) ausgel\u00f6st, das vor allem in Nagetieren vorkommt und durch Fl\u00f6he auf den Menschen und ebenso von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen werden kann. Mittlerweile wei\u00df man, dass der Erreger auch schon deutlich fr\u00fcher immer wieder Menschen infizierte, doch wie er genau entstanden ist und wann er f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlich wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein Team der CAU hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA), Schloss Gottorf, und dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte der Lettischen Universit\u00e4t Riga (LVI) nun in den \u00dcberresten eines Mannes, der vor 5000 Jahren im jetzigen Lettland gelebt hatte, das Genom des Pesterregers nachgewiesen. Die Analysen geben Aufschluss \u00fcber die sehr fr\u00fchen Phasen der Evolution von Y. pestis. So zeigen die Ergebnisse, dass, anders als bisher angenommen, die Bakterien bereits zu Beginn der Jungsteinzeit Menschen infiziert haben, aber vermutlich nur ein begrenztes Infektionspotenzial hatten, sie sich hier also noch nicht im Rahmen einer Epidemie verbreiten konnten. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachjournal Cell Reports ver\u00f6ffentlicht.Die Forschenden hatten die \u00dcberreste von vier Individuen genetisch untersucht, die alle an der gleichen Stelle auf dem Ri\u0146\u0146ukalns am Burtnieksee, Lettland, vor rund 5000 Jahren begraben worden waren. \u201eBisher war wenig bekannt \u00fcber die J\u00e4ger, Fischer und Sammler, die zu dieser Zeit in Nordosteuropa lebten, und \u00fcber ihre Belastung durch Infektionskrankheiten\u201c, erkl\u00e4rt der federf\u00fchrende Autor Professor Ben Krause-Kyora, Biochemiker und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB) der CAU, Mitglied in den Exzellenzclustern \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI) und \u201eROOTS \u2013 Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies\u201c sowie im SFB 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c. Mit der in Kiel etablierten speziellen Analysemethode untersuchte das Team die alte DNA aus den \u00dcberresten, wie beispielsweise Z\u00e4hne und Knochen, nach bakteriellen und viralen Krankheitserregern. \u00dcberraschenderweise identifizierten sie dabei in einem m\u00e4nnlichen Individuum Teile des Genoms von Y.pestis, dem Pesterreger. Da nach so vielen Jahren die DNA in den Knochen nur noch in Bruchst\u00fccken vorhanden ist, mussten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Genom des Bakteriums aus den einzelnen Fragmenten wieder zusammensetzen. Das rekonstruierte Genom haben sie zusammen mit genetischen Informationen j\u00fcngerer Pest-St\u00e4mme analysiert, um zu erfahren, woher der lettische Stamm kommt und wie und wann er entstanden sein muss. So datierten sie den Ursprung dieses Erregerstamms auf den Anfang der Jungsteinzeit vor circa 7000 Jahren. Damit ist der untersuchte Stamm der bisher fr\u00fcheste in der Evolution des Pesterregers. \u201eUnsere Sch\u00e4tzung liegt damit rund 1000 Jahre fr\u00fcher als bisher vermutet\u201c, sagt Mitinitiator Dr. Harald L\u00fcbke, Wissenschaftler am Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie, Schloss Gottorf, und Mitglied im SFB 1266.Ausgangslage f\u00fcr die Arbeit war die bisherige wissenschaftliche Annahme, dass es bereits in der Jungsteinzeit Pest-Epidemien gab. \u201eWir waren auf der Suche nach Faktoren, die Krankheitserreger generell dazu bef\u00e4higen, Epidemien auszul\u00f6sen. Das wollten wir am Pesterreger genauer untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt Krause-Kyora. \u201eDoch anders als erwartet unterst\u00fctzen unsere Daten die bisherige Hypothese einer Lungenpestpandemie in dieser Zeit nicht. Stattdessen weisen unsere Analysen darauf hin, dass diese sehr fr\u00fche Form des Pesterregers wahrscheinlich weniger \u00fcbertragbar und m\u00f6glicherweise sogar weniger virulent war als sp\u00e4tere St\u00e4mme\u201c, so Krause-Kyora weiter. Die geografische und zeitliche Verteilung der wenigen, bisher berichteten pr\u00e4historischen Pestf\u00e4lle deutet stattdessen eher auf einzelne sogenannte Zoonosen hin, also Infektionen, bei denen der Erreger direkt vom Tier auf den Menschen \u00fcbergegangen ist. Das Potential eine Epidemie oder gar eine weltweite Pandemie auszul\u00f6sen, hat der Erreger demnach erst sp\u00e4ter entwickelt. \u201eAus arch\u00e4ologischer Sicht ist dieser Befund wichtig, da er nahelegt, dass Infektionen mit dem Pestbakterium nicht zu gro\u00dffl\u00e4chigen, transformativen gesellschaftlichen oder politischen Ver\u00e4nderungen in der Jungsteinzeit gef\u00fchrt haben,\u201c sagt Professor Johannes M\u00fcller, Sprecher des SFB 1266, des Exzellenzclusters ROOTS und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte der CAU.\u201eDie Ergebnisse tragen auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber bei, wie Zoonosen entstanden sind und entstehen und wie sich daraus wiederum Epidemien und Pandemien entwickeln k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters PMI, Direktor des IKMBs und Direktor der Klinik f\u00fcr Innere Medizin I am Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.Die Erforschung alter menschlicher DNA und alter Krankheitserreger im Allgemeinen kann dar\u00fcber hinaus auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis moderner Erkrankungen, wie etwa chronischen Entz\u00fcndungserkrankungen, beitragen. W\u00e4hrend die Infektionen das Immunsystem von Menschen in fr\u00fcheren Jahrtausenden aufgrund der Lebensbedingungen wie Hygiene und Ern\u00e4hrung stark forderten, f\u00fchrt heutzutage h\u00e4ufiger ein fehlgeleitetes Immunsystem zu chronischen Entz\u00fcndungen. Evolution\u00e4r k\u00f6nnte das zusammenh\u00e4ngen. \u201eWir k\u00f6nnen moderne Erkrankungen des Immunsystems und ihre Urspr\u00fcnge besser verstehen, wenn wir mehr \u00fcber die Krankheitserreger wissen, die fr\u00fcher das menschliche Immunsystem besonders gefordert haben. Daher ist ihre Erforschung auch schon lange ein wichtiges Element im Exzellenzcluster PMI\u201c, sagt Schreiber. Das Projekt wurde unterst\u00fctzt durch das Exzellenzcluster \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI), das Exzellenzcluster ROOTS sowie den Sonderforschungsbereich 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c; die arch\u00e4ologischen Forschungen zum Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns sind Bestandteil des Forschungsprojektes \u201eRi\u0146\u0146ukalns, a Neolithic freshwater shell midden site in northern Latvia and its significance for cultural development of the Eastern Baltic Stone Age\u201c des ZBSA in Kooperation mit dem LVI; alle gef\u00f6rdert von der DFG. Wissenschaftlicher Kontakt (CAU-Forschungsprojekt Pr\u00e4historische Krankheitserreger):Prof. Dr. Ben Krause-KyoraInstitut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB)Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel und Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel0431 500-15142b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de Wissenschaftlicher Kontakt (ZBSA-Forschungsprojekt Arch\u00e4ologie Ri\u0146\u0146ukalns):Dr. Harald L\u00fcbkePD Dr. habil. Ulrich Schm\u00f6lckeZentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA)Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf04621 813-30604621 813-352harald.luebke@zbsa.euulrich.schmoelcke@zbsa.eu Originalpublikation:Susat et al.: A 5,000-year-old hunter-gatherer already plagued by Yersinia pestis.Cell Reports (2021). https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278 Abbildung: Sch\u00e4delknochen des Mannes, der vor rund 5000 Jahren in Ri\u0146\u0146ukalns, Lettland, begraben worden ist. 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Die Pest, die im sp\u00e4ten Mittelalter eine Pandemie ausl\u00f6ste und als \u201eschwarzer Tod\u201c gesch\u00e4tzte 25 Millionen Todesopfer weltweit forderte, wird von dem Bakterium Yersinia pestis (Y. pestis) ausgel\u00f6st, das vor allem in Nagetieren vorkommt und durch Fl\u00f6he auf den Menschen und ebenso von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen werden kann. Mittlerweile wei\u00df man, dass der Erreger auch schon deutlich fr\u00fcher immer wieder Menschen infizierte, doch wie er genau entstanden ist und wann er f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlich wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein Team der CAU hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA), Schloss Gottorf, und dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte der Lettischen Universit\u00e4t Riga (LVI) nun in den \u00dcberresten eines Mannes, der vor 5000 Jahren im jetzigen Lettland gelebt hatte, das Genom des Pesterregers nachgewiesen. Die Analysen geben Aufschluss \u00fcber die sehr fr\u00fchen Phasen der Evolution von Y. pestis. So zeigen die Ergebnisse, dass, anders als bisher angenommen, die Bakterien bereits zu Beginn der Jungsteinzeit Menschen infiziert haben, aber vermutlich nur ein begrenztes Infektionspotenzial hatten, sie sich hier also noch nicht im Rahmen einer Epidemie verbreiten konnten. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachjournal Cell Reports ver\u00f6ffentlicht.Die Forschenden hatten die \u00dcberreste von vier Individuen genetisch untersucht, die alle an der gleichen Stelle auf dem Ri\u0146\u0146ukalns am Burtnieksee, Lettland, vor rund 5000 Jahren begraben worden waren. \u201eBisher war wenig bekannt \u00fcber die J\u00e4ger, Fischer und Sammler, die zu dieser Zeit in Nordosteuropa lebten, und \u00fcber ihre Belastung durch Infektionskrankheiten\u201c, erkl\u00e4rt der federf\u00fchrende Autor Professor Ben Krause-Kyora, Biochemiker und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB) der CAU, Mitglied in den Exzellenzclustern \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI) und \u201eROOTS \u2013 Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies\u201c sowie im SFB 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c. 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Mittlerweile wei\u00df man, dass der Erreger auch schon deutlich fr\u00fcher immer wieder Menschen infizierte, doch wie er genau entstanden ist und wann er f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlich wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein Team der CAU hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA), Schloss Gottorf, und dem Institut f\u00fcr Lettische Geschichte der Lettischen Universit\u00e4t Riga (LVI) nun in den \u00dcberresten eines Mannes, der vor 5000 Jahren im jetzigen Lettland gelebt hatte, das Genom des Pesterregers nachgewiesen. Die Analysen geben Aufschluss \u00fcber die sehr fr\u00fchen Phasen der Evolution von Y. pestis. So zeigen die Ergebnisse, dass, anders als bisher angenommen, die Bakterien bereits zu Beginn der Jungsteinzeit Menschen infiziert haben, aber vermutlich nur ein begrenztes Infektionspotenzial hatten, sie sich hier also noch nicht im Rahmen einer Epidemie verbreiten konnten. Die Ergebnisse hat das Team nun im Fachjournal Cell Reports ver\u00f6ffentlicht.<br \/>Die Forschenden hatten die \u00dcberreste von vier Individuen genetisch untersucht, die alle an der gleichen Stelle auf dem Ri\u0146\u0146ukalns am Burtnieksee, Lettland, vor rund 5000 Jahren begraben worden waren. \u201eBisher war wenig bekannt \u00fcber die J\u00e4ger, Fischer und Sammler, die zu dieser Zeit in Nordosteuropa lebten, und \u00fcber ihre Belastung durch Infektionskrankheiten\u201c, erkl\u00e4rt der federf\u00fchrende Autor Professor Ben Krause-Kyora, Biochemiker und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB) der CAU, Mitglied in den Exzellenzclustern \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI) und \u201eROOTS \u2013 Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies\u201c sowie im SFB 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c. Mit der in Kiel etablierten speziellen Analysemethode untersuchte das Team die alte DNA aus den \u00dcberresten, wie beispielsweise Z\u00e4hne und Knochen, nach bakteriellen und viralen Krankheitserregern. \u00dcberraschenderweise identifizierten sie dabei in einem m\u00e4nnlichen Individuum Teile des Genoms von Y.pestis, dem Pesterreger.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph {\"align\":\"left\"} --><\/p>\n<p>Da nach so vielen Jahren die DNA in den Knochen nur noch in Bruchst\u00fccken vorhanden ist, mussten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Genom des Bakteriums aus den einzelnen Fragmenten wieder zusammensetzen. Das rekonstruierte Genom haben sie zusammen mit genetischen Informationen j\u00fcngerer Pest-St\u00e4mme analysiert, um zu erfahren, woher der lettische Stamm kommt und wie und wann er entstanden sein muss. So datierten sie den Ursprung dieses Erregerstamms auf den Anfang der Jungsteinzeit vor circa 7000 Jahren. Damit ist der untersuchte Stamm der bisher fr\u00fcheste in der Evolution des Pesterregers. \u201eUnsere Sch\u00e4tzung liegt damit rund 1000 Jahre fr\u00fcher als bisher vermutet\u201c, sagt Mitinitiator Dr. Harald L\u00fcbke, Wissenschaftler am Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie, Schloss Gottorf, und Mitglied im SFB 1266.<br \/>Ausgangslage f\u00fcr die Arbeit war die bisherige wissenschaftliche Annahme, dass es bereits in der Jungsteinzeit Pest-Epidemien gab. \u201eWir waren auf der Suche nach Faktoren, die Krankheitserreger generell dazu bef\u00e4higen, Epidemien auszul\u00f6sen. Das wollten wir am Pesterreger genauer untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt Krause-Kyora. \u201eDoch anders als erwartet unterst\u00fctzen unsere Daten die bisherige Hypothese einer Lungenpestpandemie in dieser Zeit nicht. Stattdessen weisen unsere Analysen darauf hin, dass diese sehr fr\u00fche Form des Pesterregers wahrscheinlich weniger \u00fcbertragbar und m\u00f6glicherweise sogar weniger virulent war als sp\u00e4tere St\u00e4mme\u201c, so Krause-Kyora weiter. Die geografische und zeitliche Verteilung der wenigen, bisher berichteten pr\u00e4historischen Pestf\u00e4lle deutet stattdessen eher auf einzelne sogenannte Zoonosen hin, also Infektionen, bei denen der Erreger direkt vom Tier auf den Menschen \u00fcbergegangen ist. Das Potential eine Epidemie oder gar eine weltweite Pandemie auszul\u00f6sen, hat der Erreger demnach erst sp\u00e4ter entwickelt. \u201eAus arch\u00e4ologischer Sicht ist dieser Befund wichtig, da er nahelegt, dass Infektionen mit dem Pestbakterium nicht zu gro\u00dffl\u00e4chigen, transformativen gesellschaftlichen oder politischen Ver\u00e4nderungen in der Jungsteinzeit gef\u00fchrt haben,\u201c sagt Professor Johannes M\u00fcller, Sprecher des SFB 1266, des Exzellenzclusters ROOTS und Arch\u00e4ologe am Institut f\u00fcr Ur- und Fr\u00fchgeschichte der CAU.<br \/>\u201eDie Ergebnisse tragen auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber bei, wie Zoonosen entstanden sind und entstehen und wie sich daraus wiederum Epidemien und Pandemien entwickeln k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters PMI, Direktor des IKMBs und Direktor der Klinik f\u00fcr Innere Medizin I am Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.<br \/>Die Erforschung alter menschlicher DNA und alter Krankheitserreger im Allgemeinen kann dar\u00fcber hinaus auch zu einem besseren Verst\u00e4ndnis moderner Erkrankungen, wie etwa chronischen Entz\u00fcndungserkrankungen, beitragen. W\u00e4hrend die Infektionen das Immunsystem von Menschen in fr\u00fcheren Jahrtausenden aufgrund der Lebensbedingungen wie Hygiene und Ern\u00e4hrung stark forderten, f\u00fchrt heutzutage h\u00e4ufiger ein fehlgeleitetes Immunsystem zu chronischen Entz\u00fcndungen. Evolution\u00e4r k\u00f6nnte das zusammenh\u00e4ngen. \u201eWir k\u00f6nnen moderne Erkrankungen des Immunsystems und ihre Urspr\u00fcnge besser verstehen, wenn wir mehr \u00fcber die Krankheitserreger wissen, die fr\u00fcher das menschliche Immunsystem besonders gefordert haben. Daher ist ihre Erforschung auch schon lange ein wichtiges Element im Exzellenzcluster PMI\u201c, sagt Schreiber.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph {\"align\":\"left\"} --><\/p>\n<p>Das Projekt wurde unterst\u00fctzt durch das Exzellenzcluster \u201ePrecision Medicine in Chronic Inflammation\u201c (PMI), das Exzellenzcluster ROOTS sowie den Sonderforschungsbereich 1266 \u201eTransformationsDimensionen\u201c; die arch\u00e4ologischen Forschungen zum Fundplatz Ri\u0146\u0146ukalns sind Bestandteil des Forschungsprojektes \u201eRi\u0146\u0146ukalns, a Neolithic freshwater shell midden site in northern Latvia and its significance for cultural development of the Eastern Baltic Stone Age\u201c des ZBSA in Kooperation mit dem LVI; alle gef\u00f6rdert von der DFG.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph {\"align\":\"left\"} --><\/p>\n<p><strong>Wissenschaftlicher Kontakt (CAU-Forschungsprojekt Pr\u00e4historische Krankheitserreger):<\/strong><br \/>Prof. Dr. Ben Krause-Kyora<br \/>Institut f\u00fcr Klinische Molekularbiologie (IKMB)<br \/>Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel und Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel<br \/>0431 500-15142<br \/><a href=\"mailto:b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de\">b.krause-kyora@ikmb.uni-kiel.de<\/a><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph {\"align\":\"left\"} --><\/p>\n<p><strong>Wissenschaftlicher Kontakt (ZBSA-Forschungsprojekt Arch\u00e4ologie Ri\u0146\u0146ukalns):<\/strong><br \/>Dr. Harald L\u00fcbke<br \/>PD Dr. habil. Ulrich Schm\u00f6lcke<br \/>Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA)<br \/>Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf<br \/>04621 813-306<br \/>04621 813-352<br \/><a href=\"mailto:harald.luebke@zbsa.eu\">harald.luebke@zbsa.eu<\/a><br \/><a href=\"mailto:ulrich.schmoelcke@zbsa.eu\">ulrich.schmoelcke@zbsa.eu<\/a><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph {\"align\":\"left\"} --><\/p>\n<p><strong>Originalpublikation:<\/strong><br \/>Susat et al.: A 5,000-year-old hunter-gatherer already plagued by Yersinia pestis.Cell Reports (2021). <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.cell.com\/cell-reports\/fulltext\/S2211-1247(21)00645-8 DOI: 10.1016\/j.celrep.2021.109278<\/a><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><strong>Abbildung: <\/strong><br \/>Sch\u00e4delknochen des Mannes, der vor rund 5000 Jahren in Ri\u0146\u0146ukalns, Lettland, begraben worden ist. In diesen Knochen hat das Forschungsteam den Pesterreger nachgewiesen.<br \/>\u00a9 Dominik G\u00f6ldner, BGAEU, Berlin<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n","comment_info":"No Comments","acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7145"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7196,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7145\/revisions\/7196"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}