{"id":7162,"date":"2021-07-27T12:12:21","date_gmt":"2021-07-27T10:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/zbsa.eu\/?p=7162"},"modified":"2021-10-05T16:00:54","modified_gmt":"2021-10-05T14:00:54","slug":"august-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/august-2021\/","title":{"rendered":"August 2021"},"content":{"rendered":"<h2>Der Ottarsh\u00f6g und die k\u00f6niglichen Husebyer<\/h2>\n<p><strong>Dr. Thorsten Lemm<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_7179\" aria-describedby=\"caption-attachment-7179\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/verbreitungskarte_husebyer.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/verbreitungskarte_husebyer-232x300.jpg\" alt=\"Verbreitung der Husebyer in Skandinavien und auf den Orkneys.\" width=\"232\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7179\" class=\"wp-caption-text\">Verbreitung der Husebyer in Skandinavien und auf den Orkneys.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In D\u00e4nemark, Schweden, Norwegen und auf den Orkney Inseln gibt es insgesamt mehr als 130 Ortschaften und H\u00f6fe mit Namen wie Husby, Huseby, Husaby, Husab\u00f8, etc., die allesamt auf ein altnordisches *H\u00fasab\u00fdr zur\u00fcckgehen. Bei der Zusammensetzung des Namens handelt es sich um den Genetiv pluralis des neutralen Wortes hus (Haus) und die f\u00fcr viele wikingerzeitliche Ortsnamen \u00fcbliche Endung -b\u00fdr im Sinne von \u201eDorf\/Siedlung\u201c. Dabei gibt die Pluralform husa- Ansto\u00df zu der Vermutung, dass sich gerade die Mehrzahl der H\u00e4user an diesen Orten wesentlich auf die Namensgebung ausgewirkt und der Ortsname eine besondere Art von H\u00e4usern bezeichnet habe \u2013 z. B. repr\u00e4sentative Geb\u00e4ude, Speichergeb\u00e4ude des K\u00f6nigs oder Geb\u00e4ude mit vielen unterschiedlichen Funktionen.<\/p>\n<p>Aufgrund verschiedener Hinweise ist davon auszugehen, dass die Husebyer im Zuge der skandinavischen Reichseinigungs- bzw. Staatsbildungsprozesse einen wichtigen Bestandteil der k\u00f6niglichen Machtapparate darstellten. Der bisher g\u00e4ngigen Interpretation zufolge sollen diese Siedlungen gr\u00f6\u00dftenteils auf \u00e4ltere Wohnsitze von H\u00e4uptlingen oder Kleink\u00f6nigen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, die w\u00e4hrend der Konsolidierung der skandinavischen K\u00f6nigreiche gegen Ende der Wikingerzeit konfisziert und zu k\u00f6niglich-administrativen H\u00f6fen umfunktioniert wurden. Als technischer Begriff d\u00fcrfte *H\u00fasab\u00fdr zu den urspr\u00fcnglichen Ortsnamen zahlreicher zentraler Siedlungen als eine Kennzeichnung ihrer neuen Funktion(en) hinzugef\u00fcgt worden sein und die alten Namen der Siedlungen verdr\u00e4ngt haben. Als etablierter Appellativ und Ortsname kann Huseby jedoch auch zur Bezeichnung von neu angelegten Siedlungen oder H\u00f6fen verwendet worden sein.<\/p>\n<p>In der Forschung wurde stets betont, dass im Umfeld der betreffenden Orte nicht selten sehr gro\u00dfe Grabh\u00fcgel, herausragende Einzelfunde oder auch besonders gro\u00dfe Gr\u00e4berfelder der j\u00fcngeren germanischen Eisenzeit und der Wikingerzeit anzutreffen sind \u2013 allesamt Anzeiger f\u00fcr Zentralorte lokaler H\u00e4uptlinge der j\u00fcngeren Eisenzeit. Um einen solchen Grabh\u00fcgel handelt es sich bei dem sogenannten \u201eOttarsh\u00f6g\u201c in Husby in Vendel, Uppland \u2013 mit 37 m Durchmesser und 6 m H\u00f6he einer der gr\u00f6\u00dften Grabh\u00fcgel der mittelschwedischen M\u00e4larsee-Region. Er befindet sich in prominenter Position inmitten eines Gr\u00e4berfeldes, das aus etwa 90 deutlich kleineren Grabh\u00fcgel besteht und allem Anschein nach vom 5. bis zum 8. Jh. genutzt wurde. Die in einem Holzeimer mit Bronzebeschl\u00e4gen niedergelegte Brandbestattung, die interessanterweise m\u00e4nnliche und weibliche Knochen enthielt, l\u00e4sst sich anhand eines Knochenkammes samt Futteral, diverser Spielsteine aus Knochen, bronzener G\u00fcrtelbeschl\u00e4ge, einiger Fragmente eines Glasbechers und einer im Jahre 476\/477 gepr\u00e4gten byzantinischen Goldm\u00fcnze in den Zeitraum 550\u2013600 n. Chr. datieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7181\" aria-describedby=\"caption-attachment-7181\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Ottarshoeg.jpg\" alt=\"Der \u201eOttarsh\u00f6g\u201c in Husby in Vendel, Mittelschweden (Foto: Thorsten Lemm).\" width=\"1200\" height=\"900\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7181\" class=\"wp-caption-text\">Der \u201eOttarsh\u00f6g\u201c in Husby in Vendel, Mittelschweden (Foto: Thorsten Lemm).<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Resultat einer detaillierten Aufnahme aller arch\u00e4ologischen Fundstellen dieses Zeitraums im Umfeld aller Huseby-Orte, die in den letzten Jahren am ZBSA durchgef\u00fchrt wurde, muss die g\u00e4ngige Interpretation jedoch ein st\u00fcckweit korrigiert werden. Im Schnitt weisen lediglich ca. ein Viertel der skandinavischen Husebyer beeindruckende Denkmale und\/oder herausragende Funde am Ort selbst auf, die diese Orte als alte Zentralpl\u00e4tze ausweisen. Bei etwas weniger als einem Viertel der Husebyer handelt es sich um Siedlungen, die sich in der Nachbarschaft von H\u00f6fen befinden, die ihrerseits durch herausragende Funde oder beeindruckende Denkmale als \u00e4ltere Zentralpl\u00e4tze ausgewiesen werden. Bei ungef\u00e4hr der H\u00e4lfte aller Husebyer ist demnach darauf zu schlie\u00dfen, dass die K\u00f6nigsmacht im 11. und 12. Jh. bei der Verwaltung des Reiches bewusst eine Ankn\u00fcpfung an \u00e4ltere Machtstrukturen suchte.<br \/>\nDie andere H\u00e4lfte der betreffenden H\u00f6fe und Siedlungen liefert hingegen keinerlei Hinweise auf einen \u00e4lteren Zentralplatz, weder am Ort selbst, noch in der Nachbarschaft oder innerhalb der zugeh\u00f6rigen Siedlungskammer. In diesen F\u00e4llen d\u00fcrften auf Bestreben des K\u00f6nigtums neue Machtstrukturen in der Landschaft etabliert worden sein. Dieses empirische Ergebnis wirft ein neues Licht auf das bisherige von der Forschung skizzierte Bild der Husebyer, denn neben der Etablierung solcher Orte als Nachfolger von oder in der Nachbarschaft zu alten Zentralh\u00f6fen sind zum \u00fcberwiegenden Teil Neugr\u00fcndungen \u2013 vermutlich des 11. Jh. \u2013 in zuvor h\u00e4ufig unbedeutenden Kleinregionen zu verzeichnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ottarsh\u00f6g und die k\u00f6niglichen Husebyer Dr. Thorsten Lemm In D\u00e4nemark, Schweden, Norwegen und auf den Orkney Inseln gibt es insgesamt mehr als 130 Ortschaften und H\u00f6fe mit Namen wie Husby, Huseby, Husaby, Husab\u00f8, etc., die allesamt auf ein altnordisches *H\u00fasab\u00fdr zur\u00fcckgehen. 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Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/august-2021\/","og_locale":"en_GB","og_type":"article","og_title":"August 2021 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","og_description":"Der Ottarsh\u00f6g und die k\u00f6niglichen Husebyer Dr. Thorsten Lemm In D\u00e4nemark, Schweden, Norwegen und auf den Orkney Inseln gibt es insgesamt mehr als 130 Ortschaften und H\u00f6fe mit Namen wie Husby, Huseby, Husaby, Husab\u00f8, etc., die allesamt auf ein altnordisches *H\u00fasab\u00fdr zur\u00fcckgehen. Bei der Zusammensetzung des Namens handelt es sich um den Genetiv pluralis des neutralen Wortes hus (Haus) und die f\u00fcr viele wikingerzeitliche Ortsnamen \u00fcbliche Endung -b\u00fdr im Sinne von \u201eDorf\/Siedlung\u201c. Dabei gibt die Pluralform husa- Ansto\u00df zu der Vermutung, dass sich gerade die Mehrzahl der H\u00e4user an diesen Orten wesentlich auf die Namensgebung ausgewirkt und der Ortsname eine besondere Art von H\u00e4usern bezeichnet habe \u2013 z. B. repr\u00e4sentative Geb\u00e4ude, Speichergeb\u00e4ude des K\u00f6nigs oder Geb\u00e4ude mit vielen unterschiedlichen Funktionen. Aufgrund verschiedener Hinweise ist davon auszugehen, dass die Husebyer im Zuge der skandinavischen Reichseinigungs- bzw. Staatsbildungsprozesse einen wichtigen Bestandteil der k\u00f6niglichen Machtapparate darstellten. Der bisher g\u00e4ngigen Interpretation zufolge sollen diese Siedlungen gr\u00f6\u00dftenteils auf \u00e4ltere Wohnsitze von H\u00e4uptlingen oder Kleink\u00f6nigen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, die w\u00e4hrend der Konsolidierung der skandinavischen K\u00f6nigreiche gegen Ende der Wikingerzeit konfisziert und zu k\u00f6niglich-administrativen H\u00f6fen umfunktioniert wurden. Als technischer Begriff d\u00fcrfte *H\u00fasab\u00fdr zu den urspr\u00fcnglichen Ortsnamen zahlreicher zentraler Siedlungen als eine Kennzeichnung ihrer neuen Funktion(en) hinzugef\u00fcgt worden sein und die alten Namen der Siedlungen verdr\u00e4ngt haben. Als etablierter Appellativ und Ortsname kann Huseby jedoch auch zur Bezeichnung von neu angelegten Siedlungen oder H\u00f6fen verwendet worden sein. In der Forschung wurde stets betont, dass im Umfeld der betreffenden Orte nicht selten sehr gro\u00dfe Grabh\u00fcgel, herausragende Einzelfunde oder auch besonders gro\u00dfe Gr\u00e4berfelder der j\u00fcngeren germanischen Eisenzeit und der Wikingerzeit anzutreffen sind \u2013 allesamt Anzeiger f\u00fcr Zentralorte lokaler H\u00e4uptlinge der j\u00fcngeren Eisenzeit. Um einen solchen Grabh\u00fcgel handelt es sich bei dem sogenannten \u201eOttarsh\u00f6g\u201c in Husby in Vendel, Uppland \u2013 mit 37 m Durchmesser und 6 m H\u00f6he einer der gr\u00f6\u00dften Grabh\u00fcgel der mittelschwedischen M\u00e4larsee-Region. Er befindet sich in prominenter Position inmitten eines Gr\u00e4berfeldes, das aus etwa 90 deutlich kleineren Grabh\u00fcgel besteht und allem Anschein nach vom 5. bis zum 8. Jh. genutzt wurde. Die in einem Holzeimer mit Bronzebeschl\u00e4gen niedergelegte Brandbestattung, die interessanterweise m\u00e4nnliche und weibliche Knochen enthielt, l\u00e4sst sich anhand eines Knochenkammes samt Futteral, diverser Spielsteine aus Knochen, bronzener G\u00fcrtelbeschl\u00e4ge, einiger Fragmente eines Glasbechers und einer im Jahre 476\/477 gepr\u00e4gten byzantinischen Goldm\u00fcnze in den Zeitraum 550\u2013600 n. Chr. datieren. Als Resultat einer detaillierten Aufnahme aller arch\u00e4ologischen Fundstellen dieses Zeitraums im Umfeld aller Huseby-Orte, die in den letzten Jahren am ZBSA durchgef\u00fchrt wurde, muss die g\u00e4ngige Interpretation jedoch ein st\u00fcckweit korrigiert werden. Im Schnitt weisen lediglich ca. ein Viertel der skandinavischen Husebyer beeindruckende Denkmale und\/oder herausragende Funde am Ort selbst auf, die diese Orte als alte Zentralpl\u00e4tze ausweisen. Bei etwas weniger als einem Viertel der Husebyer handelt es sich um Siedlungen, die sich in der Nachbarschaft von H\u00f6fen befinden, die ihrerseits durch herausragende Funde oder beeindruckende Denkmale als \u00e4ltere Zentralpl\u00e4tze ausgewiesen werden. Bei ungef\u00e4hr der H\u00e4lfte aller Husebyer ist demnach darauf zu schlie\u00dfen, dass die K\u00f6nigsmacht im 11. und 12. Jh. bei der Verwaltung des Reiches bewusst eine Ankn\u00fcpfung an \u00e4ltere Machtstrukturen suchte. Die andere H\u00e4lfte der betreffenden H\u00f6fe und Siedlungen liefert hingegen keinerlei Hinweise auf einen \u00e4lteren Zentralplatz, weder am Ort selbst, noch in der Nachbarschaft oder innerhalb der zugeh\u00f6rigen Siedlungskammer. In diesen F\u00e4llen d\u00fcrften auf Bestreben des K\u00f6nigtums neue Machtstrukturen in der Landschaft etabliert worden sein. Dieses empirische Ergebnis wirft ein neues Licht auf das bisherige von der Forschung skizzierte Bild der Husebyer, denn neben der Etablierung solcher Orte als Nachfolger von oder in der Nachbarschaft zu alten Zentralh\u00f6fen sind zum \u00fcberwiegenden Teil Neugr\u00fcndungen \u2013 vermutlich des 11. Jh. \u2013 in zuvor h\u00e4ufig unbedeutenden Kleinregionen zu verzeichnen.","og_url":"https:\/\/zbsa.eu\/en\/august-2021\/","og_site_name":"Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie","article_published_time":"2021-07-27T10:12:21+00:00","article_modified_time":"2021-10-05T14:00:54+00:00","og_image":[{"url":"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/verbreitungskarte_husebyer-232x300.jpg","type":"","width":"","height":""}],"author":"Matthias Bolte","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Written by":"Matthias Bolte","Estimated reading time":"4 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/zbsa.eu\/august-2021\/","url":"https:\/\/zbsa.eu\/august-2021\/","name":"August 2021 - Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische Arch\u00e4ologie (ZBSA) \u2014 Zentrum f\u00fcr Baltische und Skandinavische 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href=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/verbreitungskarte_husebyer.jpg\"><img src=\"https:\/\/zbsa.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/verbreitungskarte_husebyer-232x300.jpg\" alt=\"Verbreitung der Husebyer in Skandinavien und auf den Orkneys.\" width=\"232\" height=\"300\" \/><\/a> Verbreitung der Husebyer in Skandinavien und auf den Orkneys.[\/caption]\n<p>In D\u00e4nemark, Schweden, Norwegen und auf den Orkney Inseln gibt es insgesamt mehr als 130 Ortschaften und H\u00f6fe mit Namen wie Husby, Huseby, Husaby, Husab\u00f8, etc., die allesamt auf ein altnordisches *H\u00fasab\u00fdr zur\u00fcckgehen. Bei der Zusammensetzung des Namens handelt es sich um den Genetiv pluralis des neutralen Wortes hus (Haus) und die f\u00fcr viele wikingerzeitliche Ortsnamen \u00fcbliche Endung -b\u00fdr im Sinne von \u201eDorf\/Siedlung\u201c. Dabei gibt die Pluralform husa- Ansto\u00df zu der Vermutung, dass sich gerade die Mehrzahl der H\u00e4user an diesen Orten wesentlich auf die Namensgebung ausgewirkt und der Ortsname eine besondere Art von H\u00e4usern bezeichnet habe \u2013 z. B. repr\u00e4sentative Geb\u00e4ude, Speichergeb\u00e4ude des K\u00f6nigs oder Geb\u00e4ude mit vielen unterschiedlichen Funktionen.<\/p>\n<p>Aufgrund verschiedener Hinweise ist davon auszugehen, dass die Husebyer im Zuge der skandinavischen Reichseinigungs- bzw. Staatsbildungsprozesse einen wichtigen Bestandteil der k\u00f6niglichen Machtapparate darstellten. Der bisher g\u00e4ngigen Interpretation zufolge sollen diese Siedlungen gr\u00f6\u00dftenteils auf \u00e4ltere Wohnsitze von H\u00e4uptlingen oder Kleink\u00f6nigen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, die w\u00e4hrend der Konsolidierung der skandinavischen K\u00f6nigreiche gegen Ende der Wikingerzeit konfisziert und zu k\u00f6niglich-administrativen H\u00f6fen umfunktioniert wurden. Als technischer Begriff d\u00fcrfte *H\u00fasab\u00fdr zu den urspr\u00fcnglichen Ortsnamen zahlreicher zentraler Siedlungen als eine Kennzeichnung ihrer neuen Funktion(en) hinzugef\u00fcgt worden sein und die alten Namen der Siedlungen verdr\u00e4ngt haben. Als etablierter Appellativ und Ortsname kann Huseby jedoch auch zur Bezeichnung von neu angelegten Siedlungen oder H\u00f6fen verwendet worden sein.<\/p>\n<p>In der Forschung wurde stets betont, dass im Umfeld der betreffenden Orte nicht selten sehr gro\u00dfe Grabh\u00fcgel, herausragende Einzelfunde oder auch besonders gro\u00dfe Gr\u00e4berfelder der j\u00fcngeren germanischen Eisenzeit und der Wikingerzeit anzutreffen sind \u2013 allesamt Anzeiger f\u00fcr Zentralorte lokaler H\u00e4uptlinge der j\u00fcngeren Eisenzeit. Um einen solchen Grabh\u00fcgel handelt es sich bei dem sogenannten \u201eOttarsh\u00f6g\u201c in Husby in Vendel, Uppland \u2013 mit 37 m Durchmesser und 6 m H\u00f6he einer der gr\u00f6\u00dften Grabh\u00fcgel der mittelschwedischen M\u00e4larsee-Region. Er befindet sich in prominenter Position inmitten eines Gr\u00e4berfeldes, das aus etwa 90 deutlich kleineren Grabh\u00fcgel besteht und allem Anschein nach vom 5. bis zum 8. Jh. genutzt wurde. Die in einem Holzeimer mit Bronzebeschl\u00e4gen niedergelegte Brandbestattung, die interessanterweise m\u00e4nnliche und weibliche Knochen enthielt, l\u00e4sst sich anhand eines Knochenkammes samt Futteral, diverser Spielsteine aus Knochen, bronzener G\u00fcrtelbeschl\u00e4ge, einiger Fragmente eines Glasbechers und einer im Jahre 476\/477 gepr\u00e4gten byzantinischen Goldm\u00fcnze in den Zeitraum 550\u2013600 n. 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Bei etwas weniger als einem Viertel der Husebyer handelt es sich um Siedlungen, die sich in der Nachbarschaft von H\u00f6fen befinden, die ihrerseits durch herausragende Funde oder beeindruckende Denkmale als \u00e4ltere Zentralpl\u00e4tze ausgewiesen werden. Bei ungef\u00e4hr der H\u00e4lfte aller Husebyer ist demnach darauf zu schlie\u00dfen, dass die K\u00f6nigsmacht im 11. und 12. Jh. bei der Verwaltung des Reiches bewusst eine Ankn\u00fcpfung an \u00e4ltere Machtstrukturen suchte.<br \/>\nDie andere H\u00e4lfte der betreffenden H\u00f6fe und Siedlungen liefert hingegen keinerlei Hinweise auf einen \u00e4lteren Zentralplatz, weder am Ort selbst, noch in der Nachbarschaft oder innerhalb der zugeh\u00f6rigen Siedlungskammer. In diesen F\u00e4llen d\u00fcrften auf Bestreben des K\u00f6nigtums neue Machtstrukturen in der Landschaft etabliert worden sein. 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